Cent-Stücke als Rarität Bald keine Kleingeld-Münzen mehr auf Wangerooge?

Ganz Deutschland gehört zur Eurozone, nur eine Ferieninsel leistet offenbar Widerstand - zumindest was Geldmünzen betrifft. Kleine Kupfermünzen könnte man künftig auf Wangerooge vergeblich suchen.

Eine Frau hält Ein- und Zwei-Cent-Münzen in ihrer Hand.
Bald eine Rarität auf Wangerooge? Kleingeld. Bildrechte: imago/epd

1-, 2- und 5-Cent-Münzen betroffen

Wer Urlaub auf der Nordseeinsel Wangerooge macht, kann künftig das ganz kleine Geld zu Hause lassen. Die Volksbank Jever beliefert Geschäfte auf der Insel nicht mehr mit 1-, 2- oder 5-Cent-Münzen - zu teuer, heißt es. Stattdessen sollen die Preise beim Bäcker oder im Supermarkt auf- oder abgerundet werden - oder der Kunde zahlt gleich bargeldlos. Die Wirtschaft ist skeptisch, und auch die anderen ostfriesischen Inseln machen das "Experiment" nicht mit.

Bargeld bleibt Geld

Die Kupfermünzen verlieren auf Wangerooge nicht ihre Gültigkeit. "Einseitig können gesetzliche Zahlungsmittel nicht aus dem Verkehr genommen werden", so eine Sprecherin der Bundesbank. Andererseits herrsche Vertragsfreiheit zwischen Händlern und Kunden. Bestimmte Zahlungsweisen könnten vereinbart werden. Oft nehmen Tankstellen aus Sicherheitsgründen keine großen Banknoten an. Die Angst, dass es künftig gar keine Kupfermünzen mehr auf Wangerooge gibt, ist offenbar unbegründet. "Wir schaffen gar nichts ab", stellt Volksbank-Jever-Vorstand Martin Schadewald klar. Die Kleinmünzen sollten aus Kostengründen nur möglichst nicht genutzt werden. Der Transport der Münzrollen sei teurer als der Geldwert, so Schadewald.

Strand von Wangerooge mit unzähligen Strandkörben
Kupfermünzen verlieren auf Wangerooge nicht ihre Gültigkeit. (Archiv) Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Örtliche Wirtschaft wird unruhig

Die Pläne der Bank versetzen die örtliche Wirtschaft jedenfalls in Unruhe. Einige Kollegen überlegten bereits, selbst aufs Festland zu fahren, um Wechselgeld zu besorgen, sagt Mike Kruse, Inhaber der Inselbäckerei Kruse auf Wangerooge. Für sein Geschäft reiche das von den Kunden eingenommene Kleingeld zum Wechseln, sagt Kruse. Aber er bepreist seine Brötchen in Fünf-Cent-Schritten. Eine Rundung auf zehn Cent sei schwierig. "Ich kann ja nicht auf einmal die Brötchen fünf Cent teurer machen. Und bei fünf Cent weniger schneide ich mir ins eigene Fleisch."

Wangerooge als Bargeldlos-Projekt?

Generell hängen die Deutschen an ihrem Bargeld. Drei Viertel aller Transaktionen, meist kleinere Beträge, werden bar gezahlt, ergab eine Studie der Bundesbank 2017. Doch beim Umsatz machte Bargeld mit 48 Prozent erstmals weniger als bargeldloses Zahlen aus. Bankvorstand Schadewald verweist auf die Niederlande oder Skandinavien. Dort sei man beim Verzicht auf Münzgeld weiter. Er hofft jedenfalls, dass der Versuch auf Wangerooge Schule macht. "Es könnte auch ein Projekt sein, die Insel komplett bargeldlos zu machen", so Schadewald.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 18:53 Uhr

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