Forschungslücke Kinder in der Corona-Krise: Zu Unrecht als Virusschleudern verunglimpft?

Kitas und Schulen sind seit geraumer Zeit geschlossen, um eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Während die Politik mögliche Szenarien durchspielt, wie sich ein geregelter Schulalltag künftig gestalten könnte, bleiben die Kindergartenkinder auf der Strecke. Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Ein Fall aus Frankreich lässt aufhorchen.

Ein Kind mit Mundschutz und Roller im Zoo von Wuhan
Wie sich das Coronavirus bei Kindern verhält und wie ansteckend Kinder wirklich sind, dazu gibt es bislang nur wenige Erkenntnisse. Bildrechte: imago images / Xinhua

Kinder weniger ansteckend als gedacht?

Ein Fall aus Frankreich lässt aufhorchen. Dort soll ein unwissentlich am Coronavirus erkranktes Kind mit über 170 Personen Kontakt gehabt - und keine einzige angesteckt haben. Sind Kinder vielleicht doch eine weniger bedeutende Übertragungsquelle des neuartigen Coronavirus als bislang gedacht?

Meist milde Krankheitsverläufe bei Kindern

Ein großer Teil der bekannten Corona-Infektionen bei Kindern verläuft mild bis glimpflich. Bei zahlreichen Kindern ist die Infektion nahezu symptomfrei verlaufen. Deshalb befürchtet man, dass infizierte Kinder insbesondere ältere Menschen oder Angehörige von Risikogruppen durch unwissentliche Ansteckung gefährden könnten. Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern sind deshalb Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, ebenso Spielplätze und Freizeiteinrichtungen. Zum Leidwesen der Kinder. Mittlerweile bitten sogar einige Supermärkte darum, die Kleinen lieber nicht mit in den Laden zu bringen. Eine sinnvolle Maßnahme - oder unnötige Hysterie?

Plakat an einer Kindertagesstätte
Wann die Kitas wieder öffnen dürfen, dazu gibt es bislang keine konkreten Pläne. Bildrechte: imago images / Udo Gottschalk

Weshalb erkranken Kinder seltener an COVID-19?

Den Grund dafür, dass Kinder die Infektion mit Sars-CoV-2 in der Regel besser wegstecken und meist weniger schwer erkranken, sehen Mediziner in ihrem Immunsystem. Der kindlichen Immunabwehr fehlt die Erfahrung mit gängigen Erregern, weshalb sie noch keine spezifischen Antikörper gegen diese ausgebildet hat. Und genau deshalb kann sie vielleicht umso stärker auf SARS-CoV-2 reagieren. Das würde auch erklären, weshalb sich Kinder nach einer Infektion schneller erholen als erwachsene Corona-Patienten.

Kinder nicht häufiger als Erwachsene infiziert

Seltener oder markant häufiger als Erwachsene infizieren sich Kinder mit Sars-CoV-2 nicht. Vielmehr halten sich die Zahlen die Waage. Es sei denn, man geht von zahlreichen nicht entdeckten Infektionen aus. Doch wie ansteckend ein mit dem Coronavirus infiziertes Kind ist, das kaum Krankheitssymptome zeigt, das ist bislang ungeklärt. Bislang hat sich die Forschung vorwiegend erwachsenen Patienten gewidmet. Vielleicht ist der oben zitierte Fall aus Frankreich deshalb ein erster Schritt, um Licht in dieses bislang wenig beleuchtete Feld der zu bringen. Den Kindern wäre es zu wünschen.

Kinder leiden unter Corona-Krise mit am meisten

Vor allem kleine Kinder zählen zu den Haupt-Leittragenden der Corona-Krise. Die Kitas geschlossen, die Sozialkontakte abgeschnitten - und zum Telefonieren und Chatten sind viele Kinder noch zu klein. Ältere Geschwister, die bereits für die Schule lernen müssen, bekommen allein durchs Homeschooling deutlich mehr elterliche Aufmerksamkeit. Die Oma darf nicht besucht werden - und wenn man Pech hat, ist man nicht einmal mehr im Supermarkt erwünscht. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. April 2020 | 17:15 Uhr

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