Drei Festnahmen, neue Details Mindestens 23 Kinder jahrelang auf Campingplatz missbraucht

BRISANT | 30.01.2019 | 17:15 Uhr

Die Vorwürfe sind unvorstellbar: Mindestens 23 Kinder sollen in Nordrhein-Westfalen über Jahre hinweg sexuell missbraucht worden sein. Es gab drei Festnahmen. Die Dunkelziffer ist laut Polizei aber höher.

Ein junges Mädchen, vor einem Bett auf dem Boden hockend, hält schützend die Hände vor sich
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Drei Männer sollen im nordrhein-westfälischen Lügde nahe Bad Pyrmont mindestens 23 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre hinweg schwer sexuell missbraucht haben. Haupttatort war laut Polizei und Staatsanwaltschaft ein Campingplatz, auf dem der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte.

Mehr als 1.000 Einzeltaten

In mehr als 1.000 Einzeltaten sollen sich die mutmaßlichen Täter an den Kindern vergangen haben, darunter auch Opfer aus Niedersachsen. Die Männer - neben dem 56-Jährigen Dauercamper ein 41-Jähriger aus Stade und ein 33-Jähriger aus Steinheim - wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft. Die Polizei hat die neunköpfige Ermittlungskommission "Camping" eingerichtet. Die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weitere Opfer gebe. "Wir haben noch einen Haufen Arbeit vor uns", sagt der Leiter der Ermittlungskommission, Gunnar Weiß.

Achtjährige Pflegetochter unter den Opfern

Laut WDR soll eine Mutter einem Dauercamper auf dem Platz in Lüdge spätestens 2016 ihre Tochter überlassen haben. Das Jugendamt in Lippe erreichte bereits 2016 ein pikanter Hinweis - darin der Verdacht, dass im Verhältnis zwischen dem alleinstehenden und kinderlosen Dauercamper und seiner Pflegetochter etwas nicht stimmt. Doch die Ermittlungen von Jugendamt und Polizei brachten nichts Belastbares zu Tage, wie der Sender berichtete. Trotz der Wohnsituation des Dauercampers und der vorliegenden Anzeigen habe das Jugendamt in ein Pflegeverhältnis eingewilligt. Das Kind sei dem Dauercamper anvertraut geblieben. Nun müsse sich zeigen, ob die Jugendamtsmitarbeiter sich durch diese Einschätzung möglicherweise strafbar gemacht haben.

13.000 Kinderporno-Dateien

Seit der Festnahme des Hauptverdächtigen im Dezember vergangenen Jahres ermittele die Polizei. Laut Staatsanwaltschaft wird gegen die Männer nicht nur wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt, sondern auch wegen Herstellens und Verbreitens von Kinderpornografie. 13.000 gesicherte Kinderporno-Dateien seien dem Bundeskriminalamt übergeben worden. Das Datenvolumen betrage 14 Terabyte. Nach WDR-Recherchen erstrecken sich die Ermittlungen auch auf das angrenzende Ausland, da auf dem Campingplatz auch Urlauber unter anderem aus den Niederlanden ihre Ferien verbringen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Januar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 15:07 Uhr

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