Nach 27 Tagen Klimaaktivisten in Berlin beenden Hungerstreik

27 Tage lang haben in Berlin Aktivistinnen und Aktivisten auf Essen verzichtet. Ihre Forderung: Ein Gespräch mit den Kanzlerkandidaten zum Thema Klima. SPD-Kanzlerkandidat Scholz hat in die Forderungen nun teilweise eingewilligt - und die Streikenden haben die Aktion beendet.

Fünf Klimaaktivisten, begleitet von einer Sprecherin der Gruppe (r), berichten bei einem Pressegespräch über die Erfahrungen ihres beendeten mehrtägigen Hungerstreiks.
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Nach knapp vier Wochen haben auch die letzten beiden Aktivisten ihren Hungerstreik beendet. Seit Samstagabend essen und trinken sie wieder. Henning Jeschke teilte das auf Twitter mit: "Nach 27 Tagen Hungerstreik und 7 Stunden ohne Wasser - am Ende meiner Kräfte - beende ich jetzt den Hungerstreik."

Zuvor hatte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz eingewilligt, ein öffentliches Gespräch mit den Aktivistinnen und Aktivisten zu führen. Das soll innerhalb der nächsten vier Wochen stattfinden und den Klimanotstand thematisieren. Olaf Scholz zeigte sich erfreut über das Ende des Streiks. "Ich bin froh, dass die Streikenden abbrechen und wieder trinken und essen. Das Leben geht vor", twitterte er. An sein Gesprächsangebot wolle er sich halten.

Streik seit 30. August

Insgesamt hatten sieben Aktivistinnen und Aktivisten Ende August mit dem Hungerstreik begonnen. Ihre Forderung damals: ein Gespräch mit den Kanzlerkandidaten Scholz, Laschet und Baerbock über den Klimawandel - noch vor der Bundestagswahl - und ein Bürgerrat zur Klimakrise. Die Kandidaten hatten das abgelehnt und bisher nur nicht öffentliche Einzelgespräche angeboten - nach der Wahl.

Hungerstreik zweier Klimaaktivisten in Berlin
Bis Samstagabend hatte der 21-Jährige Henning Jeschke durchgehalten, wie die später dazu gestoßene 24-jährige Lea Bonasera. Bildrechte: dpa

Sechs der Streikenden hatten bereits am Mittwoch, dem 22. September, abgebrochen, eine weitere Aktivistin war am Montag davor dazugestoßen. Sie hatte nun zusammen mit Jeschke bis zum Schluss durchgehalten und auch aufs Trinken verzichtet.

Immer wieder waren die Streikenden dazu angehalten worden, auf ihre Gesundheit zu achten. Annalena Baerbock hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Chemnitz an sie appelliert, wieder zu essen. "Werfen Sie ihr Leben nicht weg, die Gesellschaft braucht Sie", sagte sie nach Angaben der "Welt". Außerdem hatte die Grünen-Politikerin die Methode der Aktivistinnen und Aktivisten kritisiert. Das sei der "falsche Weg des Dialoges". In einer Demokratie könne man immer miteinander sprechen, aber nicht im Zusammenhang mit einem Hungerstreik.

Ein Camp von Hungerstreikenden ist im Regierungsviertel aufgebaut.
Das Camp der Aktivistinnen und Aktivisten war im Regierungsviertel aufgebaut. Bildrechte: dpa

Dennoch waren sie und Parteikollege Robert Habeck zum Gespräch in das Camp gekommen.

Ziviler Ungehorsam

Ein Hungerstreik ist eine Form des zivilen Ungehorsams. Das bedeutet, dass Menschen bewusst gegen ein Gesetz, eine Verpflichtung oder eine Maßnahme verstoßen, um eine Forderung durchzusetzen oder einen politischen Standpunkt deutlich zu machen. Ziviler Ungehorsam ist demnach eine Form des friedlichen politischen Protests. Dazu zählen auch (Sitz-)Blockaden oder Streiks. Beispiele dafür sind die Besetzung des Hambacher Forsts oder die "Fridays for Future"-Bewegung. Ziviler Ungehorsam an sich ist nach deutschem Recht keine Straftat oder Ordnungswidrigkeit. Protestierende können aber für die konkrete Missachtung belangt werden, zum Beispiel wegen Hausfriedensbruchs oder Sachbeschädigung.

Erklärt: Kritik am Hungerstreik

Albrecht von LUCKE, Politikwissenschaftler im Porträt 6 min
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Der Journalist Albrecht von Lucke über den Hungerstreik in Berlin.

MDR AKTUELL Do 23.09.2021 12:49Uhr 06:16 min

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. September 2021 | 17:10 Uhr

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