Treibhausgase Bericht zur Erderwärmung: Klimawandel nicht mehr aufzuhalten?

Der aktuelle Bericht des Weltklimarates zeigt eine düstere Zukunft: Der Klimawandel schreitet schneller voran als erwartet. Ein Zurück gibt es nicht, aber wir können die Folgen der Erderwärmung eingrenzen. Was plant Deutschland konkret, um CO2-Emissionen zu verringern?

Mittagsmagazin
Wir pusten zu viel Treibhausgase in die Atmosphäre. Bildrechte: colourbox

Der Klimawandel kommt - und wir können ihn kaum noch aufhalten. Das ist das erschreckende Ergebnis des aktuellen Berichts, den der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) am Montag veröffentlicht hat. Die Erde erwärmt sich weltweit schneller als befürchtet.

Wenn wir so weitermachen, wird die Erde schon im Jahr 2030 um 1,5 Grad wärmer sein als im vorindustriellen Zeitalter (1850-1900). Das ist zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert wurde. Bereits jetzt sei die Erde knapp 1,1 Grad wärmer, in Deutschland sogar 1,6 Grad!

Thermometer zeit eine Außentemperatur von 39°C
Hitzetage dürften künftig nicht mehr die Ausnahme sein. Bildrechte: imago images/Fotoarena

Und der Klimarat geht noch weiter: Ohne schnelle und massive Gegenmaßnahmen wird die Erderwärmung in den kommenden Jahrzehnten die 2-Grad-Marke locker überschreiten.

Laut Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2016 wollen die Staaten die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad halten, möglichst bei 1,5 Grad. Eine solche Erwärmung gilt als gerade noch beherrschbar. Das wird wohl nun nicht zu erreichen sein.

Der Klimawandel und die Folgen für Europa

Einige Folgen sind schon jetzt da: Hochwasser in Deutschland, Waldbrände am Mittelmeer, Hitzerekorde in Kanada - und das allein in diesem Jahr. Denn je mehr Treibhausgase sich in der Atmosphäre sammeln, desto mehr heizt sich die Erde auf und desto extremer entwickelt sich das Wetter.

Ruinenartige Fassaden mehrstöckiger Häuser mit Wasser im Vordergrund und Felsen sowie Weinberg im Hintergrund.
Mayschoß in Rheinland-Pfalz nach der Hochwasserkatastrophe 2021. Bildrechte: imago images/onw-images

Die Forscher des Weltklimarates haben konkrete Prognosen für einzelne Länder erarbeitet. In Europa werden Überschwemmungen nach Regenfällen häufiger - vor allem ab dem Erreichen der Zwei-Grad-Celsius-Marke. In der Mittelmeerregion wiederum steigt die Brandgefahr aufgrund längerer Trockenperioden. Die Gletscher in den Alpen und Norwegen werden weiter schmelzen.

Schuld an der Erderwärmung sind Treibhausgase (CO2), die in der Atmosphäre bleiben und nur schlecht abgebaut werden können. Der CO2-Wert ist laut Bericht derzeit auf einem Stand wie seit mindestens zwei Millionen Jahren (!) nicht mehr. 

China produziert mit 25 Prozent derzeit das meiste Treibhausgas, vor den USA mit 18 und der EU mit 17 Prozent. Sogenannte Senken wie Wälder oder Ozeane nehmen 44 Prozent des CO2 wieder auf. Das ist zu wenig. Und weil immer mehr Regenwald abgeholzt wird, wie in Brasilien oder Indonesien, dürfte sich der Waldanteil weltweit noch verringern - wenn nicht massiv wieder aufgeforstet wird.

Begleiterscheinung: Atlantik heizt sich auf

Gewaltige Meeresströmungen im Atlantik (das sogenannte AMOC) verteilen kaltes und warmes Wasser von Süden nach Norden. Unter anderem beeinflussen sie so den Monsunregen in Afrika und Asien oder das milde Klima in Europa.

Spitzen von Eisbergen ragen bei wolkenlosem Sonnenschein, schmelzend aus dem Wasser im Polarmeer vor Grönland.
Das Polarmeer vor Grönland schmilzt unaufhaltsam. Bildrechte: IMAGO

Eine aktuelle Studie legt Beunruhigendes nahe: das System, zu dem auch der Golfstrom gehört, ist so schwach wie in den vergangenen 1000 Jahren nicht. Da unaufhörlich Polar-Eis schmilzt, steigt der Süßwasseranteil im Atlantik, was wiederum die Meeresströmungen negativ beeinflusst. Sie können das Wasser nicht mehr optimal umwälzen. Und je wärmer Wasser ist, desto weniger CO2 nimmt es auf. Die Studie wurde wenige Tage vor dem Klima-Report veröffentlicht.

Anstieg der Meeresspiegel nicht mehr aufzuhalten

Besonders gravierend in diesem Zusammenhang ist der Anstieg des Meeresspiegels. Er scheint durch fortschreitende Eisschmelze nicht mehr aufzuhalten zu sein. Im Jahr 2050 dürfte nach Berechnungen der UN-Klimaexperten die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein! Auch das Schmelzen der Gletscher sei bereits heute "unumkehrbar".

Kinder laufen in Nowshera, Pakistan, durch eine überschwemmte Straße
Auch Pakistan wird von Überschwemmungen betroffen sein. Bildrechte: imago images/Stefan Trappe

Selbst bei einer drastischen Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen würden die Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu einem Meter steigen und "für tausende Jahre erhöht bleiben", heißt es in dem Bericht. Das würde das Aus für die Malediven, Bangladesch, Thailand oder die Halligen im deutschen Wattenmeer bedeuten! Doch auch Teile Ägyptens lägen dann unter Wasser. Nach Schätzungen müssten 200 Millionen Menschen umgesiedelt werden.

Dieser Bericht muss die Totenglocke für Kohle und fossile Treibstoffe läuten, bevor sie unseren Planeten zerstören.

António Guterres UN-Generalsekretär

Was wird in Deutschland gegen den Klimawandel getan?

Mülltrennung und Recycling, lieber mit dem Bus als mit dem Auto fahren, regionale Produkte kaufen - all das kennen wir. Aber das reicht natürlich nicht aus, um die Erderwärmung zu verlangsamen. Öl, Gas und Kohle sind die größte Quelle für Treibhausgase - und da sind Industrie und Verkehr gefragt.

Klimaprotest von Fridays for Future in Berlin
Klimaprotest von Fridays for Future in Berlin Bildrechte: imago images / epd

Einig sind sich Greenpeace und Germanwatch darin, dass der Verbrauch fossiler Energien so schnell wie möglich gestoppt werden müsse. Die Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, schlägt 2035 statt dem geplanten 2038 vor. Außerdem müssten öffentliche Verkehrsmittel ausgebaut werden.

Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) schließt nicht aus, dass der Preis für CO2-Ausstoß steigt. Das dürfte aber vielen Autofahrern nicht schmecken, denn dann verteuern sich Benzin und Diesel.

Pro-Kopf-CO2-Emissionen in Deutschland Im Jahr 2019 produzierte ein Einwohner Deutschlands durchschnittlich 7,9 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Im Jahr 1990 lag er noch bei 12,5 Tonen. Quelle: statista.

Weiterer Vorschlag: Der Ausbau klimafreundlicher Technologien. Hierzu zählte Karliczek neben dem sogenannten grünen Wasserstoff für eine klimaneutrale Industrie auch Methoden, um Treibhausgase aus der Atmosphäre zu filtern. Beim "grünen Wasserstoff" spaltet elektrischer Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff auf. Stammt dieser Strom aus erneuerbaren Energien, also aus Windkraft oder Solaranlagen, spricht man von grünem Wasserstoff.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will zudem die erneuerbaren Energien Sonnen- und Windkraft ausbauen. Im November soll in Glasgow eine UN-Klimakonferenz stattfinden. Deutschland habe bereits ein Klimaschutzgesetz, nun müssten andere Staaten folgen, die ebenfalls klimaneutral werden wollen, sagte Schulze. Frankreich beispielsweise untersagt bereits Kurzstreckenflüge innerhalb des Landes.

Die IPCC-Berichte Die IPCC-Berichte gelten als wegweisend für die globale Klimapolitik. Der jetzt veröffentliche Teilbericht befasst sich mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen - auch über ganz konkrete Risiken für einzelne Gebiete. 2022 folgen zwei weitere Kapitel. Eines untersucht die Folgen für die Wirtschaft, ein weiteres befasst sich mit Möglichkeiten, wie die CO2-Emissionen verringert werden können.

Quelle: AFP/dpa/EPD/Reuters

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. August 2021 | 17:15 Uhr

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