Japans Kaiser Akihito
Anruf der Götter: Japans Kaiser Akihito - gekleidet in eine jahrhundertealte höfische Tracht - kündigte zunächst den Göttern seinen Rückzug an. Bildrechte: dpa

Mit "Respekt und Liebe für das Volk" Japans Kaiser Akihito dankt ab

BRISANT | 30.04.2019 | 17:15 Uhr

Japan vollzieht eine Zeitenwende: Das erste Mal seit 200 Jahren hat in Japan der Kaiser abgedankt. Der 85-jährige Akihito durchlief mehrere Zeremonien und bedankte sich beim Volk. Nach Mitternacht übernimmt sein Sohn Naruhito den Thron.

Japans Kaiser Akihito
Anruf der Götter: Japans Kaiser Akihito - gekleidet in eine jahrhundertealte höfische Tracht - kündigte zunächst den Göttern seinen Rückzug an. Bildrechte: dpa

Der japanische Kaiser Akihito hat offiziell abgedankt. In der zehnminütigen Haupt-Zeremonie erklärte der 85-Jährige seinen Thronverzicht. In einer kurzen Ansprache sagte Akihito, er habe seine 30-jährige Herrschaft mit "tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk" ausgeübt. "Das war ein großer Segen". Er danke seinem Volk "von Herzen", dass es ihn als "Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt" habe. Zu der Zeremonie im Kaiserpalast in Tokio waren 300 Gäste erwartet worden, darunter Mitglieder der Kaiserfamilie und Vertreter aus Regierung und Parlament sowie hochrangige Richter und regionale Regierungschefs. Frauen waren nicht zugelassen.

Anruf der Götter

Zuvor hatte der Kaiser innerhalb seines Palastes religiöse Riten ausgeführt, in denen er den Göttern seinen Rücktritt ankündigte. Die japanischen Kaiser sind den Mythen nach unmittelbare Nachfolger der Götter der Ur-Religion Shinto.

Kaiser Akihito von Japan
Akihito hatte seinen Rückzug 2016 mit seinem fortgeschrittenen Alter begründet. Bildrechte: dpa

Ende der Ära "Frieden schaffen"

Die Abdankung eines Kaisers ist in Japan eigentlich nicht vorgesehen. Der 85-jährige Akihito bat 2016 aber aus gesundheitlichen Gründen um diesen Schritt. Mit einem Sondergesetz ermöglichte dies die rechtskonservative Regierung dem Monarchen.

Der Tenno, dessen Regierungszeit den Namen "Heisei" ("Frieden schaffen") trug, war bei der japanischen Bevölkerung sehr beliebt. Der Thronwechsel bringt den Japanern zehn freie Tage, die ein Großteil für eine kleine Urlaubsreise nutzen wird. Die Reiseagentur JTB geht von einer Rekordzahl von fast 25 Millionen Reisenden während der Feiertage aus.

Zeit für "Harmonie"

Offiziell bleibt Akihito noch bis Mitternacht Kaiser. Mit der ersten Minute des ersten Mais beginnt Akihitos 59-jähriger Sohn Naruhito seine Regierungszeit. Diese wird den Namen "Reiwa" tragen, was etwa "schöne Harmonie" bedeutet. Auch die Inthronisierung des neuen Tenno wird in einer weiteren Zeremonie gefeiert. Dabei wird Naruhito die kaiserlichen Insignien erben. Auch seine erste Rede als Kaiser wird er an diesem Tag halten, danach aber bis Herbst kaum öffentlich in Erscheinung treten.

Obwohl Naruhito seine Studentenzeit an den renommiertesten Universitäten der Welt, wie Oxford, besonders aufgrund der relativen Freiheiten sehr genossen hatte, versprach er im Februar als Kaiser "immer an der Seite des Volkes" zu sein.

Der Kronprinz Naruhito und die Kron-Prinzessin Masako.
Kronprinz Naruhito (r.) und Kronprinzessin Masako. Bildrechte: dpa

Rolle der großen Tröster

Japans Kaiserhaus gilt als älteste Monarchie der Welt. Der Tenno ist nach der japanischen Verfassung das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes. Seit einer neuen Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Tenno keine politische Macht mehr. Er repräsentiert das Volk. In der Vergangenheit übernahmen der Kaiser und seine Frau in der Regel die Rolle der Tröster für das Volk bei Naturkatastrophen und anderen Unglücken.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. April 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 14:30 Uhr

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