Missbrauchs-Prozess Klage von Virginia Giuffre: Prinz Andrew muss vor Gericht

Jetzt wird es wirklich eng für den britischen Prinzen Andrew. Obgleich seine Anwälte nichts unversucht ließen, um die Zivilklage Virginia Giuffres abzuwenden, sind sie mit ihrer Argumentation vor Gericht gescheitert. Einen Vergleich lehnt das mutmaßliche Missbrauchs-Opfer ab.

Prinz Andrew 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Ein Zivilprozess gegen den britischen Prinzen Andrew wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs wird immer wahrscheinlicher: Der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. ist mit seinem Antrag auf Abweisung der gegen ihn gerichteten Missbrauchsklage gescheitert.

Der zuständige New Yorker Bundesrichter lehnte den Antrag in einer am Mittwoch (12. Januar) veröffentlichten Entscheidung ab und ebnete damit den Weg für einen Fortgang des Verfahrens.

Anwälte mit Abwendung der Klage gescheitert

Die Anwälte von Prinz Andrew hatten gefordert, die Zivilklage abzuweisen, weil Klägerin Virginia Giuffre im Jahr 2009 eine Vereinbarung mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein getroffen hatte.

Gegen eine Zahlung von 500.000 Dollar hatte Guiffre dem US-Multimillionär zugesagt, weder ihn noch "andere potenzielle Beschuldigte" wegen Sexualvergehen zu verklagen.

Auf dieser Grundlage hatten Prinz Andrews Anwälte bei einer Anhörung in der vergangenen Woche argumentiert, dass Giuffre auf ihr Klagerecht gegen den Royal "verzichtet" hätte. Das lehnten die Anwälte des mutmaßlichen Opfers ab: Die Vereinbarung würde nicht für den 61-jährigen Royal gelten.

Virginia Roberts Giuffre, 2019
Erster Teilsieg für Virginia Giuffre: Prinz Andrew wird sich für seinen mutmaßlichen Missbrauch vor Gericht verantworten müssen. Bildrechte: dpa

Bundesrichter Lewis Kaplan: Prinz Andrew kein Teil der Vereinbarung

Das sah Bundesrichter Lewis Kaplan ähnlich. Zum einen sei Prinz Andrew kein Teil der Vereinbarung gewesen, zum anderen strotze der Text vor "Formulierungsproblemen und Zweideutigkeiten". So könne nicht festgestellt werden, ob auch Prinz Andrew von der Vereinbarung habe profitieren sollen.

Grundsätzlich können nur Personen Bestimmungen eines Vertrags durchsetzen, die Vertragsparteien sind - die Leute, die ihm zugestimmt haben.

Bundesrichter Lewis Kaplan AFP

Virginia Guiffre: Kein Vergleich, sondern Gerechtigkeit

Giuffre gibt an, im Jahr 2001 im Alter von 17 Jahren von Prinz Andrew mehrfach sexuell missbraucht worden zu sein, unter anderem in Epsteins Luxusbleibe in New York. Epstein habe sie an den Royal "ausgeliehen".

Deshalb fordert das mutmaßliche Missbrauchsopfer jetzt Schadenersatz in nicht genannter Höhe. Der Zivilprozess gegen Prinz Andrew könnte im Herbst beginnen. Eine außergerichtliche Einigung lehnt Virginia Giuffre ab.

Es ist Virginia Giuffre sehr wichtig, dass diese Angelegenheit auf eine Weise gelöst wird, dass sie und die anderen Opfer Gerechtigkeit erfahren.

David Boies, Anwalt von Virginia Giuffre dpa

Prinz Andrew
Ein Schuldeingeständnis gab es von Prinz Andrew bislang nicht, von seinen öffentlichen Ämtern ist er dennoch zurückgetreten. Bildrechte: IMAGO / Parsons Media

Bislang kein Schuldeingeständnis von Prinz Andrew

Der zweitälteste Sohn der Queen hatte die Vorwürfe zwar wiederholt zurückgewiesen, seine royalen Pflichten aber dennoch aufgegeben und sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der Buckingham-Palast wollte den Fall mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht kommentieren.

AFP/dpa/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Januar 2022 | 17:15 Uhr

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