Britisches Königshaus In Wut vereint: Prinzen William und Harry üben harsche Kritik an BBC

Das britische Königshaus kommt nicht zur Ruhe. Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum umstrittenen BBC-Interview mit Prinzessin Diana im Jahr 1995 haben sich die Prinzen William und Harry zu Wort gemeldet. Nur wenige Stunden später hat der Streamingdienst Apple TV die Doku-Serie "The Me You Can't See" online gestellt, in der Prinz Harry mit Starmoderatorin Oprah Winfrey über seine Emotionen nach dem Tod seiner Mutter spricht und neue Vorwürfe gegen die britische Königsfamilie erhebt.

Prinz William und Prinz Harry stehen nebeneinander.
Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zum umstrittenen BBC-Interview mit Prinzessin Diana im Jahr 1995 haben die Prinzen William und Harry harsche Kritik an dem Sender formuliert. Bildrechte: dpa

Untersuchungsbericht zu umstrittenem Interview mit Prinzessin Diana veröffentlicht

Der am Donnerstag (20. Mai) veröffentlichte Untersuchungsbericht im Auftrag der BBC gelangt zu dem Schluss, dass sich Journalist Martin Bashir das denkwürdige Interview mit Prinzessin Diana im November 1995 mit unlauteren Mitteln erschlichen hat.

Der Journalist hatte Dianas Bruder Charles Spencer gefälschte Kontoauszüge gezeigt, die belegen sollten, dass Mitarbeiter am Hofe dafür bezahlt würden, Lady Di auszuspionieren. Daraufhin hatte Spencer seine Schwester mit Bashir bekannt gemacht.

Prinzessin Diana gibt Martin Bashir ein Interview
Im November 1995 gibt Prinzessin Diana dem Journalisten Martin Bashir ein Interview, das fast 23 Millionen Menschen an den Fernsehbildschirmen verfolgen. Bildrechte: dpa

Offene Worte über "Ehe zu dritt" und eigene Seitensprünge

Die bereits von Prinz Charles getrennte, aber noch nicht geschiedene Diana beschrieb in dem Interview, wie sie sich in der medialen Dauerbeobachtung zuerst vom Königshaus alleine gelassen und dann nach der Trennung regelrecht sabotiert und gezielt in ihrem Ruf beschädigt fühlte - auch aus Neid auf ihre große Beliebtheit. Außerdem hatte Diana die Affäre ihres Mannes Charles mit seiner heutigen Frau Camilla indirekt für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich gemacht: "Wir waren zu dritt in dieser Ehe", erklärte die Prinzessin einem schockierten Fernsehpublikum. Zudem gestand sie, selbst untreu gewesen zu sein.

Die Ausstrahlung wurde damals von 22,8 Millionen Zuschauern verfolgt. Kurz danach reichte Prinz Charles die Scheidung ein.

In Wut und Kritik einig: Prinz William und Prinz Harry

Trotz einer "umfassenden und bedingungslosen Entschuldigung" seitens der BBC und einem Schuldeingeständnis des verantwortlichen Journalisten Martin Bashir haben sich die beiden Söhne Dianas mit drastischen Worten zu den Untersuchungsergebnissen geäußert.

Prinz William
Prinz William wendet sich mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit. Bildrechte: dpa

Interview hat zur Zerrüttung der Ehe von Charles und Diana beigetragen

Die "hinterlistige Art", in welcher der Reporter das Interview bekommen habe, habe die Aussagen seiner Mutter "wesentlich beeinflusst" und so zur Zerrüttung der Ehe seiner Eltern beigetragen, erklärte Prinz William am Donnerstagabend.

Das Versagen der BBC in ihrer Aufsichtsfunktion habe zu der "Furcht, Paranoia und Isolation" seiner Mutter in ihren letzten Lebensjahren "wesentlich beigetragen", kritisierte der Prinz. Er forderte, dass das Interview von Lady Di niemals wieder ausgestrahlt werden dürfe.

Prinz Harry: Medien sind für Dianas Tod verantwortlich

Prinz Harry meldete sich aus den USA zu Wort und machte die Medien für Dianas Tod verantwortlich. "Der Welleneffekt einer Kultur der Ausbeutung und der unethischen Praktiken hat sie letztendlich das Leben gekostet", sagte Harry einer Mitteilung zufolge. Diana starb bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi mit ihrem damaligen Freund Dodi Al Fayed in Paris.

Eine Bild-Kombo zwigt Prinz Harry bei "Vax Live: The Concert to Reunite the World" und Moderatorin Oprah Winfrey bei den 75. Golden Globe Awards.
Für die Doku-Serie "The Me You Can't See" hat Prinz Harry Starmoderatorin Oprah Winfrey erneut ein Interview gegeben. Bildrechte: dpa

Prinz Harry erneuert Vorwürfe gegen britische Königsfamilie

Der Tod seiner Mutter spielt auch in der seit Freitag (21. Mai) veröffentlichten Doku-Serie "The Me You Can't See" ("Das Ich, das Du nicht siehst"), für die Prinz Harry Talkshowlegende Oprah Winfrey erneut ein Interview gegeben hat, eine zentrale Rolle. Darin spricht er über seine Emotionen nach dem Tod seiner Mutter und erhebt neue Vorwürfe gegen die Royals.

Prinz Harry schaut aufs Meer.
In der Doku-Serie spricht Prinz Harry über seine Emotionen nach dem Tod seiner Mutter und erhebt neue Vorwürfe gegen die Royals. Bildrechte: dpa

Drogen und Alkohol, um "etwas zu verbergen"

Zeitweise habe er zu Alkohol und Drogen gegriffen, um mit seinen Gefühlen fertig zu werden. "Ich war bereit zu trinken, ich war bereit, Drogen zu nehmen (...)", gesteht der 36 Jahre alte Royal. Er habe an einem einzigen Freitag oder Samstag Alkohol für eine ganze Woche getrunken, "nicht, weil mir das Spaß gemacht hat, sondern weil ich versucht habe, etwas zu verbergen".

In seiner Familie sei nicht über den Tod Dianas gesprochen worden, so Harry weiter. Sein Vater habe immer zu ihm und seinem Bruder William gesagt: "So war es für mich, dann wird es auch für euch so sein". Das ergebe aber keinen Sinn. "Der einzige Weg, sich zu befreien und auszubrechen, ist, die Wahrheit zu sagen", so Harry. Er werde sich nie wieder zum Schweigen bringen lassen. Das klingt so, als ob Prinz Harry noch nicht das letzte Wort gesprochen hätte.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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