Öffentliche Aufbahrung So wird der Leichnam der Queen konserviert

Queen Elizabeth II. ist am Donnerstag, dem 8. September, verstoben. Die Beerdigung findet erst elf Tage später statt. Dazwischen reist der Sarg der verstorbenen Monarchin fast 300 Kilometer und sie wird öffentlich aufgebahrt, damit sich auch das Volk von ihr verabschieden kann. Wie muss der Leichnam dafür vorbereitet werden?

Königin Elizabeth II, 2019
Für ihre letzte Reise wurde auch der Leichnam von Queen Elizabeth II. konserviert. Bildrechte: IMAGO / PA Images

Ab Mittwoch, dem 14. September 2022 wird Queen Elizabeth II. in Westminster Hall in London aufgebahrt. Das nennt man auch "lay in state". So sollen Fans und Untertanen Abschied von der verstorbenen Königin nehmen können. Damit ein Leichnam aufgebahrt werden kann, muss er dafür vorbereitet werden.

Was passiert nach dem Tod?

Die sogenannte hygienische Totenversorgung wird immer vorgenommen, wenn ein Mensch verstorben ist. Darum kümmert sich der Bestatter, der den Toten nach der Leichenschau abholt und ins Bestattungsunternehmen bringt.

Dafür wird die Person entkleidet und alle medizinischen Hilfsmittel entfernt, also Verbände und Pflaster wie Katheter oder Herzschrittmacher. Alle Körperöffnungen werden desinfiziert und mit Watte oder einem Pulver verschlossen, damit keine Flüssigkeiten austreten können. Auch die Augen werden verschlossen - bei Bedarf mit einer Plastikklappe, damit sie sich nicht mehr öffnen können. Trug der Verstorbene Zahnprothesen, kommen die wieder in Mund. Dann wird der Mund mit einer chirurgischen Naht von innen verschlossen, damit er sich nicht öffnet, wenn die Muskeln erschlaffen.

Sarg von Queen Elizabeth II. in Westminster Hall
Bis zur Bestattung am Montag, dem 19. September, wird der Sarg der Queen in Westminster Hall aufgebahrt sein. Bildrechte: dpa

Der gesamte Körper wird außerdem desinfiziert und gewaschen. Dabei werden auch Überreste von Blut oder anderen Flüssigkeiten entfernt. Wunden werden vernäht. Die Haare werden gewaschen und geföhnt, der Bart geschnitten oder rasiert. Auch die Fingernägel werden gesäubert und geschnitten.

Der Leichnam wird außerdem eingecremt und massiert, um die Totenstarre zu lösen und die Haut möglichst natürlich wirken zu lassen. Blaue Flecken werden deshalb auch abgedeckt. Dann wird der Tote wieder angezogen. So soll er für die Aufbahrung möglichst ästhetisch aussehen.

Wie wird der Leichnam der Queen konserviert?

Die hygienische Totenversorgung bekommen alle Verstorbenen. Wie genau der Leichnam der Queen konserviert wird, ist nicht bekannt. Allerdings gibt es nur bestimmte Möglichkeiten, um einen Leichnam für eine so lange Reise wie die der Queen vorzubereiten. So geht auch Rechtsmediziner Benjamin Ondruschka vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf davon aus, dass die ehemalige Königin durch die sogenannte "Einbalsamierung" auf ihre letzte Reise vorbereitet wurde.

Benjamin Ondruschka
Prof. Dr. Benjamin Ondruschka ist Chef der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) Bildrechte: dpa

Das führt zu einer Fixation des Gewebes und stoppt damit das Fortschreiten von Fäulnisveränderungen. Und dann gibt es ein sehr ausgeklügeltes System, wie lange ich diesen Fixationsprozess laufen lasse, um die Lebensechtheit eines Körpers nicht zu verändern, dass also eine Person immer noch aussieht - rosige Haut, keine Schwellungen von Weichteilen - wie man sie kennt.

Die Einbalsamierung ist nicht zwingend notwendig für die öffentliche Aufbahrung, dafür reicht bei einen kurzen Zeitraum auch die hygienische Totenversorgung aus. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Leichnam von Queen Elizabeth II. mit der Methode des sogenannten "Modern embalming" konserviert wird, weil das in Großbritannien üblich ist - und sie eben elf Tage unterwegs ist bis zu ihrer letzten Ruhestätte. Und noch etwas macht aus der Sicht des Experten die Einbalsamierung wahrscheinlich:

Ich glaube, die besondere Persönlichkeit der Queen wird sicherlich eher für die Variante der höchstgradigen Sorgfalt sprechen.

Es gebe aber auch andere Möglichkeiten, einen Leichnam zu konservieren. "Es gibt Kühlpads, es gibt auch kühlbare Räume und auch Särge, aber das ist natürlich aufwendig", sagt Rechtsmediziner Ondruschka. Dafür müsste der Verstorbene bei etwa vier Grad Celsius aufbewahrt werden.

Wie geht Einbalsamieren?

Beim sogenannten "Modern Embalming" wird das Blut des Verstorbenen durch Substanz ersetzt, die die Verwesung aufhält, meist eine Lösung mit Formaldehyd. Allerdings wird dabei der Verwesungsprozess nur rausgeschoben, nicht ganz aufgehoben. Die Prozedur dauert in der Regel wenige Stunden. Soll ein Leichnam für längere Zeit konserviert werden, wird der Prozess aufwändiger, weil der Leichnam dann zum Beispiel auch in ein Bad aus Formaldehyd gelegt werden muss. Das kann dann auch Wochen dauern.

Der Sarg von Königin Elizabeth II. wird am Dienstag, den 13. September 2022, von der St. Giles` Cathedral in Edinburgh, Schottland, zum Leichenwagen getragen.
Bis zu ihrer letzten Ruhestätte hat Queen Elizabeth II. einen weiten Weg vor sich. Bildrechte: dpa

In Deutschland werden Tote nur dann einbalsamiert, wenn sie ins Ausland überführt werden müssen. So wird sichergestellt, dass der Leichnam den langen Transport auch übersteht. Der sogenannte "Leichenbegleitschein" bestätigt dann, dass das Einbalsamieren professionell durchgeführt wurde.

Die öffentliche Aufbahrung

Der Sarg von Queen Elizabeth wird ab Mittwochnachmittag, dem 14. September, für vier Tage im britischen Parlament in London aufgebahrt. Allerdings wird ihr Sarg nicht geöffnet sein. Eine Besonderheit hat der Sarg aber doch: Er soll mit Blei ausgekleidet sein - eine royale Tradition. Der Sarg ist so luftdicht abgeschlossen, was verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt. Verfallsprozesse werden dadurch hinausgezögert.

Möchten Angehörige ihren Verstorbenen zum Abschied aufbahren lassen, geht das in Deutschland sowohl zu Hause als auch in einem Bestattungsinstitut oder auf dem Friedhof. Für die Aufbahrung zu Hause gelten allerdings bestimmte Regeln. So darf das zum Beispiel maximal 36 Stunden nach dem Tod der Person gemacht werden, im Bestattungsinstitut geht es länger.

Sarg in einer Aufbahrungshalle
Die Aufbahrung des Verstorbenen kann im offenen oder geschlossenen Sarg stattfinden. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO/PantherMedia / Wolfgang Spitzbart

Bis wann muss die Beerdigung durchgeführt werden?

Queen Elizabeth II. wird 11 Tage nach ihrem Tod beigesetzt. In Deutschland dürfen Verstorbene frühestens 48 Stunden nach dem Tod, spätestens innerhalb von acht Tagen bestattet werden. Da jedes Bundesland aber eine eigene Bestattungsordnung hat, kann das abweichen. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen können Tote auch früher bestattet werden.

Quellen: Brisant, Bundesverband Deutscher Bestatter e.V., mymoria.de, dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2022 | 17:15 Uhr

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