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Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen - auch wegen des Krieges in der Ukraine. Bildrechte: coulourbox

Steigende PreiseTanken, Essen, Heizung - Welche Kosten jetzt steigen und warum

Stand: 28. Oktober 2022, 14:34 Uhr

Die Fahrt zur Tankstelle, der Einkauf im Supermarkt oder die Kosten für das Heizen tun gerade richtig weh. Doch nicht nur die Inflation sorgt für Drehungen der Preisspirale, auch der Krieg in der Ukraine hat Auswirkungen auf deutsche Geldbeutel.

Ob Nudeln, Kaffee, Bier oder Toilettenpapier: Für die Preise in Supermärkten und beim Discounter scheint es im Moment nur noch eine Richtung zu geben - aufwärts. Einer der Gründe dafür: Der Krieg in der Ukraine, der den Preisen nach den Steigerungen in den vergangenen Wochen und Monaten noch zusätzlich einen Schub gibt.

Herausforderung für sozial schwächere Familien

"Der Anstieg der Energiepreise und der Logistikkosten durch den Ukraine-Krieg wird sich bei den Menschen im Alltag bemerkbar machen - bei jedem Einkauf im Supermarkt oder beim Discounter", prognostizierte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde. Denn die Preise würden nun noch stärker steigen als sie es zuletzt ohnehin schon taten. "Das wird eine Herausforderung sein - gerade für sozial schwächere Familien."

Ein gut gefüllter Einlaufswagen wird in Zukunft wohl immer teurer werden. (Archiv) Bildrechte: imago images/photothek

Lebensmittel 5,3 Prozent teurer als vor einem Jahr

Mit dieser Einschätzung steht Hedde nicht allein. Auch der Handelsexperte Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK ist überzeugt: "Durch den Konflikt wird der Druck, die Preise zu erhöhen, noch weiter steigen. Die Teuerung wird mit Sicherheit erheblich sein." Dabei waren die Preise im deutschen Lebensmittelhandel bereits vor dem Ukraine-Krieg durch steigende Rohstoffpreise und Energiekosten sowie coronabedingte Probleme in den Lieferketten in Bewegung geraten. Schon im Februar mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für Nahrungsmittel 5,3 Prozent mehr zahlen als zwölf Monate zuvor.

Kaffee, Bier, Fleisch und Co. betroffen

Die Preiserhöhungen findet man fast überall: Tchibo machte Kaffee teurer. Große deutsche Brauereien kündigten reihenweise Preisaufschläge an, ebenso Hersteller von Toilettenpapier und Taschentüchern. Rindfleisch verteuerte sich enorm, ebenso Geflügel und Tomaten. Rewe-Chef Lionel Souque klagte schon Ende vergangenen Jahres: "Es gab noch nie so viele Forderungen nach Preiserhöhungen von der Industrie wie in diesem Jahr." Und das war vor dem Ukraine-Krieg.

Deutsche Brauereien haben Preisaufschläge angekündigt. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Kostspieliges Heizen

Denn der durch den Krieg ausgelöste weltweite Anstieg der Energiepreise verteuert nicht nur das Heizen der eigenen vier Wände und das Autofahren. Auch die Herstellung vieler Produkte vom Brot bis zum Waschmittel wird kostspieliger. "Alle arbeiten mit Strom und Gas - auch Nestlé und Unilever", betonte ein Branchenkenner. Bei Fleisch etwa flössen die Energiekosten von der Herstellung des Saatguts für das Tierfutter über die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Kühltruhe im Supermarkt in die Kosten ein. Und auch die Logistikkosten dürften nach der russischen Invasion noch einmal kräftig steigen, befürchtet die Branche. "Die Hersteller werden mit Sicherheit versuchen, diese Mehrkosten an den Handel und die Verbraucher weiterzugeben", sagte Kecskes.

Spritpreise steigen - Diesel teurer als Super E10

Vor allem an den Tankstellen ist das bereits jetzt deutlich zu spüren. Russlands Krieg gegen die Ukraine hat die Spritpreise auf Rekordhöhen getrieben. Für den Liter Diesel mussten Verbraucher am Sonntag (06.03.) mehr bezahlen als für Super E10, wie der ADAC am Montag mitteilte. Bundesweit kostete ein Liter Super E10 im Durchschnitt 1,965 Euro. Diesel war sogar noch zwei Cent teurer als Super und stieg auf 1,984 Euro. Entspannung ist nicht in Sicht: Ein möglicher Importstopp für Öl aus Russland hat die Ölpreise zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums stammen aktuell noch rund 40 Prozent der Rohöl-Importe Deutschlands aus Russland.

Experten: Einkaufsverhalten wird sich ändern

Branchenkenner gehen davon aus, dass die Belastungen aus dem Zusammenspiel von höheren Lebenshaltungskosten, drohenden Heizkostennachzahlungen und gestiegenen Spritpreisen das Einkaufsverhalten der Bundesbürger in den nächsten Monaten deutlich verändern könnte. "Die zu erwartenden Preiserhöhungen könnten das Shopping-Verhalten verändern und dafür sorgen, dass wieder mehr bei den Discountern eingekauft wird", glaubt Hedde. Kleiner Trost für die geplagten Kunden: Sonderangebote wird es weiterhin geben. Weil sich der Wettbewerb um das knapper werdende Haushaltsgeld der Kunden noch verschärfen dürfte, könnte es in Zukunft sogar mehr Preisaktionen geben als in den vergangenen Jahren, so Kecskes.


(BRISANT/ten/dpa)

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