Galleri-Test Blutprobe reicht: Test erkennt 50 Krebsarten im Frühstadium

Es klingt nach einem Wunder: Ein Bluttest soll erkennen können, ob man Krebs im Frühstadium hat oder nicht. BRISANT erklärt, wie der Test funktioniert und wo seine Grenzen liegen.

Eine Hand hält eine Blutprobe
20 Milliliter Blut reichen aus, um Krebs im Frühstadium diagnostizieren zu können. Bildrechte: imago/Westend61

Der Test namens "Galleri" erkennt nach eigenen Angaben mehr als 50 verschiedene Krebsarten, lange bevor sich Symptome im Körper zeigen. Und je früher Krebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen.

Der Test wurde vom US-Unternehmen Grail entwickelt. Derzeit ist Galleri nur in den USA erhältlich und ist dort verschreibungspflichtig. Doch in Großbritannien läuft derzeit ein Großversuch. Der dortige Nationale Gesundheitsdienst NHS hat 140.000 Menschen angeschrieben und sie gebeten, eine Blutprobe abzugeben, um die Wirksamkeit des Tests zu überprüfen. Immerhin ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in den Industrieländern - nach Herz-Kreislauferkrankungen. Der Versuch in Großbritannien ist auf zwei Jahre angelegt.

Grail ist allerdings nicht das einzige Forschungsunternehmen, das Krebs-Tests entwickelt. Verschiedene Konkurrenten arbeiten an eigenen universellen Bluttests für Krebs.

So funktioniert der Krebs-Test

Die menschliche DNA - die Bausteine unseres Körpers - befindet sich gewöhnlicherweise innerhalb einer Zelle. Doch weil immer wieder neue Zellen wachsen, sterben auch immer wieder welche, und mit ihnen die DNA. Bruchstücke davon schwimmen dann im Blut, sind also "zellfrei".

Im Blut von Tumorkranken lassen sich daher neben "normalen" Erbgut-Resten immer auch Reste abgestorbener Krebszellen auffinden. Der Galleri-Test erkennt spezifische chemische Veränderungen dieses zellfreien Erbguts, die sogenannte Methylierungen, und kann sogar den Herd des Tumors lokalisieren - zum Beispiel Hüfte, Brust oder Prostata. 20 ml Blut reichen dafür aus. Die Ergebnisse kommen innerhalb von zwei Wochen aus dem Labor.

Schlägt der Test Alarm, stehen natürlich eine Überprüfung beim Arzt und eine abschließende Diagnose an. Bei rund 5 Prozent gibt es ein falsch-positives Ergebnis, der Patient hat also gar keinen Krankheitsherd in sich.

Blutproben in einem Labor
Binnen zwei Wochen ist das Ergebnis des Krebs-Tests da. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Was der Test nicht erkennt

Der Galleri-Test erkennt zwar nach eigenen Aussagen mehr als 50 Krebsarten, für die es keine regelmäßigen Screening-Verfahren gibt, zum Beispiel Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Speiseröhrenkrebs. Doch er erkennt nicht alle Krebsarten und auch mit sehr frühen Stadien hat er noch ein Problem.

Denn kleine Tumore entlassen noch nicht so viele zellfreie DNA ins Blut wie weiter fortgeschrittene Krebsherde. Derzeit erkennt Galleri rund 20 Prozent der Krebsarten im frühen Stadium. Doch auch das ist schon ein Fortschritt, wenn es für diese Krebsarten eben keine Früherkennung gibt.

Daher sollte der Bluttest zusätzlich zur empfohlenen Krebsvorsorge verwendet werden. Dazu zählen Mammographie, Darmspiegelung, Untersuchungen für Prostatakrebs oder Gebärmutterhalskrebs.

Patientin und Ärztin bei Mammographie
Trotz Labor-Ergebnis ist die ärtzliche Abklärung ein Muss. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Der Galleri-Test wird für die Anwendung bei Erwachsenen mit einem erhöhten Krebsrisiko empfohlen, z. B. bei Personen im Alter von 50 Jahren oder älter.

Mehr zur Früherkennung von Krebs

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren