Alternative zu Abgasschleudern CargoBikes - Mit dem Lastenfahrrad in Richtung Klimaschutz

Die Kinder von der Kita abholen oder mal ein Möbelstück vom Baumarkt nach Hause fahren: Mit einem Lastenfahrrad ist das kein Problem - und zwar abgasfrei und damit umweltfreundlich. Doch die immer beliebteren Zweiräder haben einen Haken: den Anschaffungspreis. Um das abzufedern, werden von der Politik Anreize geschaffen.

Ein Mann fährt mit einem Lastenrad
Lastenräder erfreuen sich sowohl privat als auch in Unternehmen immer größerer Beliebtheit. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Lastenräder sieht man schon seit Jahrzehnten vereinzelt in deutschen Städten, doch mittlerweile erleben die CargoBikes, wie sie auch genannt werden, einen regelrechten Boom. Immer mehr Menschen, aber auch Unternehmen, tragen durch die klimafreundliche Alternative zum Auto zur Verkehrswende bei und sorgen damit für einen wichtigen Schritt in Richtung Co2-freie Städte.

Auch wenn die Räder sehr beliebt sind, nicht jeder kann sie sich leisten. Für ein Standardmodell kann bereits ein mittlerer vierstelliger Betrag fällig werden. Varianten mit Elektro-Antrieb sind sogar noch teurer. Doch es gibt Abhilfe: Sowohl der Bund als auch die Länder unterstützen die umweltfreundliche Mobilität und fördern eine Anschaffung - zumindest für Unternehmen.

Ein Mann fährt mit einem Lastenrad
Immer häufiger sieht man Lastenräder, hier ein Vorderlader, in deutschen Städten. (Symboldbild) Bildrechte: imago images/photothek

Welche Lastenräder gibt es?

Bei Lastenrädern gibt es viele verschiedene Modelle. Im Wesentlichen wird aber zwischen drei Arten unterschieden, die alle auch mit einem Elektro-Motor angeboten werden. Der Vorderlader, auch Long John genannt, hat eine tief gelegene Ladefläche zwischen Lenker und dem weiter nach vorne gerückten Vorderrad. Die Lenkbewegung wird über Gestänge oder Seilzug übertragen.

Longtails sind ebenfalls einspurig, sie haben die Transportkiste aber hinter dem Fahrer. Das Fahren mit einem Longtail kommt dem auf einem normalen Fahrrad sehr nah, da gewissermaßen nur der Gepäcjträger verängert ist. Die dritte Kategorie sind sogenannte haben drei Räder. Die sogenannten Christiania-Räder fahren zweispurig und haben die Transportkiste vorn zwischen den beiden Front-Rädern. Die Lenkung funktioniert über ein Drehgelenk zwischen Fahrer und Kiste. Christiania-Räder sind sehr schwer und kippanfällig, jedoch bei Nutzern sehr beliebt.

Bakfiets - traditionelles Lastenrad in Amsterdam
Zweispurige Lastenräder sind meist sehr schwer, erfreuen sich aber größter Beliebtheit. (Symboldbild) Bildrechte: Colourbox.de

Wie wird die Anschaffung von Lastenrädern gefördert?

Um sich ein Lastenrad anzuschaffen, können verschiedene Förderprogramme in Anspruch genommen werden. Sie richten sich meist an kleine und mittlere Unternehmen, Kommunen, Vereine und Verbände, aber - je nach Bundesland - auch an Privatpersonen.

Für die Förderung auf Bundesebene gilt nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: Förderfähig sind 25 Prozent der Ausgaben für die Anschaffung pro (E-)Lastenfahrrad, maximal jedoch 2.500 Euro. Einen Überblick über die einzelnen Kaufprämien der einzelnen Bundesländer gibt es hier.

Ein Mann fährt mit einem Lastenrad
Je nach Bundesland werden auch Privatpersonen bei der Anschaffung eines Lastenrads (hier ein Longtail) gefördert. (Symboldbild) Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich

CargoBikes für Unternehmen

Vor allem für Unternehmen können Lastenräder interessant sein, da sie gewerbliche Fahrten mit dem Auto ersetzen können und somit Kosten sparen - sowohl in der Stadt als auch in kleineren Gemeinden. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). 750 Unternehmen und andere Organisationen haben daran teilgenommen und drei Monate lang Lastenräder getestet.

Das Ergebnis ist vielversprechend in Sachen Klimaschutz: Ein Drittel der Unternehmen will laut DLR langfristig aufs Rad umsteigen. Die Unternehmen konnten dabei in der Testphase verschiedene Lastenräder kostenlos nutzen und haben in den drei Monaten insgesamt 30.000 Wege zurückgelegt. Bei zwei Dritteln dieser Fahrten ersetzte das Lastenrad laut DLR ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Die Befragung der Teilnehmenden ergab, dass die Hälfte am Ende der Testphase erwog, ein eigenes Lastenrad zu kaufen, ein Drittel schaffte sich tatsächlich eines an. Begründet wird der Umstieg auf das Lastenrad vor allem mit dem Umweltschutz. Gegen den Kauf sprechen laut Umfrage die hohen Anschaffungskosten - trotz der möglichen Förderung.

Eine Frau fährt auf einem Elektrolastenfahrrad bei einem Pressetermin im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Köln
Lastenräder können Autos in Unternehmen klimafreundlich ersetzen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Thilo Schmülgen

CargoBikes zur Leihe

Der Bikesharing-Anbieter nextbike ist bereits auf den Lastenfahrrad-Zug aufgesprungen und bietet CargoBikes nicht nur leihweise an, sondern nutzt sie auch selbst im Firmenalltag. Mareike Rauchhaus, Pressesprecherin von nextbike, sagte gegenüber der "MDR Umschau": "Wir nutzen die CargoBikes mittlerweile auch für den Service. Wenn es um kleine adhoc Reparaturen geht, muss nicht der Transporter rausfahren, um die Räder in die Werkstatt zu bringen. Da wird das Werkzeug mit dem Lastenrad transportiert und vor Ort repariert".

Insgesamt bieten Lastenfahrräder viele Vorteile, um Städte und Gemeinden vom dichten Autoverkehr zu befreien und somit zum Klimaschutz und zur Verkehrssicherheit beizutragen - eine entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt. Ausleihbare Lastenräder gibt es mittlerweile in den meisten größeren Städten und auch immer mehr kleinere Kommunen schließen sich an. Wer wissen will, wo Leih-Lastenräder zur Verfügung stehen, findet sie auf "cargobike.jetzt".

(BRISANT/afp/adfc/dlr/mdr umschau)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. November 2021 | 17:15 Uhr

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