Urteil fast 20 Jahre nach der Tat Lebenslange Haft für Mord an Johanna Bohnacker

BRISANT | 19.11.2018 | 17:15 Uhr

Erleichterung bei Johannas Angehörigen: Fast 20 Jahre nach der grausamen Tat an der damals Achtjährigen ist Rick J. wegen Entführung, Missbrauchs und Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Lebenslange Haft für Entführung, Missbrauch und Mord an der achtjährigen Johanna aus Hessen: Als Richterin Regine Enders-Kunze das Urteil gegen Rick J. verliest, atmen viele im Saal des Landgerichts Gießen erleichtert auf. Nachdem Enders-Kunze noch die besondere Schwere der Schuld feststellte, ist in den Zuschauerreihen eine Freude spürbar. "Ja", flüstert eine Zuschauerin ihrem Sitznachbarn zu und ballt die Faust zu einer Siegesgeste. Rick J. wurde fast 20 Jahre nach der Tat schuldig gesprochen, die damals achtjährige Johanna Bohnacker im September 1999 entführt, missbraucht und ermordet zu haben.

Große Anteilnahme

Der Fall hatte nicht nur Johannas Familie und den kleinen Heimatort des Mädchens tief bewegt. Dementsprechend groß war das Interesse am Prozess. Einige der Zuschauer mussten im Verhandlungssaal stehen. Auch Menschen aus der Umgebung, die mit dem Fall gar nichts zu tun haben, waren gekommen, weil sie Anteil nehmen wollen am Schicksal der Familie. "Er hat die Strafe bekommen, die er nur bekommen konnte", sagte Johannas Mutter, Gabriele Bohnacker. Ihr gehe es damit deutlich besser.

Gabriele Bohnacker, Mutter der ermordeten Johanna, betritt den Gerichtssaal.
Gabriele Bohnacker, die Mutter der ermordeten Johanna Bildrechte: dpa

Das Urteil hat eine Last von mir genommen. [...] Abschließen werde ich aber nie können.

Gabriele Bohnacker

Unmengen Kinderpornos sichergestellt

Richterin Enders-Kunze sparte bei der Urteilsbegründung nicht an Details aus J.s Sexualleben. Immer wieder griffen vereinzelt Angehörige zu Taschentüchern, um sich ihre Tränen abzuwischen. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden die Ermittler Unmengen an Kinderpornos. Die Polizei entdeckte Bilder, auf denen Kindern heimlich in Umkleidekabinen fotografiert wurden.

Klebeband 29 Mal um den Kopf des Kindes gewickelt

Seine Neigung brachte J. schon 1993 in Schwierigkeiten, nachdem er ein Kind wahllos angegriffen hatte. Auf seine Spur im Fall Johanna kam die Polizei nach jahrelangen Ermittlungen erst im Oktober 2017. J. wurde bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einer 14-Jährigen in einem Maisfeld von Passanten beobachtet. Johanna sei ein Zufallsopfer gewesen, um die sexuelle Lust des Angeklagten zu befriedigen, so die Richterin. J. habe Johanna vorsätzlich getötet, indem er den Kopf des Kindes 29 Mal mit Klebeband umwickelte und es so erstickte.

Experten der Polizei rekonstruieren auf einem Feldweg mit Hilfe eines VW-Jetta die Entführung der Johanna Bohnacker. 2017
Johanna wurde 1999 entführt. Jahrelang hatten die Ermittler vergeblich nach handfesten Hinweisen auf den Täter gesucht. Eine wichtige Spur war dabei das Fragment eines Fingerabdrucks, das am Leichenfundort auf dem Streifen eines Klebebands sichergestellt wurde. Bildrechte: dpa

Verteidigung will in Revision gehen

Abgeschlossen ist der Prozess mit dem Urteil wohl aber noch nicht. J.s Verteidiger kündigte Revision an.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 18:35 Uhr

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