Berlin und München "Letzte Generation" - Klimaaktivisten erneut mit Störaktionen auf deutschen Flughäfen

Für ihre Flughafen-Blockade in Berlin hat die Gruppe "Letzte Generation" viel Kritik geerntet. Dennoch versuchten die Aktivisten erneut, den Flugbetrieb lahmzulegen - dieses Mal nicht nur am BER, sondern auch in München.

Ein letzter von vier Klimaaktivisten sitzt mit angeklebter Hand auf dem Zubringer einer Start-und Landebahn am Airport Franz-Josef-Strauß
Ein Klimaaktivist hat sich auf dem Flughafen München festgeklebt. Bildrechte: dpa

Zwei Wochen nach einer viel kritisierten Störaktion am Hauptstadtflughafen haben Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" erneut versucht, mit Störungen des Flugbetriebs auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Am Flughafen München klebten sich laut Polizei mehrere Menschen am Donnerstagmorgen im nördlichen Bereich des Airports auf einem Rollweg fest. Auch am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gelang es zwei Aktivisten Polizeiangaben zufolge, sich auf einem Vorfeld nahe des Zauns festzukleben.

Sicherheitszaun überwunden

In München wurde nach Angaben eines Sprechers die Start- und Landebahn zeitweise gesperrt, die Flugzeuge nutzten stattdessen eine Landebahn im Südbereich. Laut Polizei wollten Aktivisten der Gruppe auch im Südbereich des Flughafens protestieren. Davon hätten sie die Beamten aber abgehalten. "Die sind sehr schnell von der Bundespolizei wieder entfernt worden", sagte ein Flughafen-Sprecher. Auch weil die südliche Start- und Landebahn durchgehend in Betrieb war, habe es keine Annullierungen und nur geringfügige Verspätungen gegeben. Die Polizei nahm die Aktivisten in Gewahrsam.

Am BER sei - anders als bei der Aktion vor zwei Wochen - der Flugbetrieb nicht beeinträchtigt gewesen, heißt es von der Bundespolizei. Die Klimaaktivisten hätten einen Zaun durchschnitten, und zwei von ihnen hätten sich auf einem Vorfeld nahe des Zauns festgeklebt. Bis zum Rollfeld seien sie aber nicht gekommen. Sechs weitere Aktivisten seien nicht auf das Gelände vorgedrungen. Der ganze Einsatz habe rund eine Stunde gedauert. Seit dem vergangenen Vorfall am BER, bei dem der Flugbetrieb für fast zwei Stunden lahmgelegt war, seien die Kräfte verstärkt worden.

"Letzte Generation" sorgt immer wieder für Schlagzeilen

Die "Letzte Generation" sorgt mit ihren Blockadeaktionen oder mit Attacken auf Kunstwerke derzeit oft für Schlagzeilen. Mit ihren Aktionen will die Gruppe den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, stärker gegen die Klimakrise vorzugehen. "Wir stellen uns den Ursachen der Klimakatastrophe direkt entgegen", teilte die Gruppe mit. "Wo bleiben zumindest erste Sicherheitsmaßnahmen wie ein Tempolimit oder 9-Euro-Ticket?"

Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) kritisierte die Aktion scharf. Dem Verband fehle dafür "jedes Verständnis", hieß es. Es sei nicht hinnehmbar, wenn die Sicherheit des Luftverkehrs gefährdet werde. "Schwerere Eingriffe in den Luftverkehr werden zurecht strafrechtlich verfolgt." Mitglieder der Gruppe stehen wegen ihrer Protestformen immer wieder vor Gericht und werden häufig zu Geldstrafen verurteilt.

Keine hundertprozentige Sicherheit möglich

Nach der Protestaktion am Münchner Flughafen forderte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine umgehende Überprüfung des dortigen Sicherheitskonzepts. Der Politiker sagte, es sei eine "unverfrorene Rücksichtslosigkeit", nicht nur laufend gegen Gesetze zu verstoßen, sondern mit irrsinnigen Aktionen auch eine Vielzahl anderer Menschen potenziell zu gefährden. Als Beispiel nannte er Flugzeuge, die trotz Notfällen nicht regulär landen könnten. "Diese Aktivisten sind offenbar so verbohrt, dass es ihnen egal ist, wenn andere Menschen zu Schaden kommen."

Als Konsequenz forderte die Fraktions-Vizechefin der Union, Andrea Lindholz, die Befugnisse der Polizei zu erweitern, sodass "renitente Straftäter" durch einen Präventiv-Gewahrsam von Wiederholungstaten abgehalten werden könnten. Einen hundertprozentigen Schutz gegen das Durchdringen der Absperrungen gebe es aber nach Angaben eines Flughafen-Sprechers nicht. Das liege auch an der schieren Größe des zu überwachenden Geländes. Schon der verhältnismäßig kleine BER hat die Größe von 2.000 Fußballfeldern. Der Sicherheitszaun, der ihn umgibt, ist 30 Kilometer lang.

BRISANT/dpa/afp

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BRISANT Mi 20.04.2022 17:15Uhr 04:30 min

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Dezember 2022 | 17:15 Uhr

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