Was steckt dahinter? Wolken leuchten nachts über Deutschland

BRISANT | 22.06.2019 | 17:10 Uhr

Von Bremen bis Mitteldeutschland hat sich vergangene Nacht ein Himmels-Phänomen gezeigt: leuchtende Nachtwolken. Wie kommt das Spektakel zustande und wann ist es wieder zu sehen? BRISANT hat die Informationen für Sie.

Leuchtende Nachtwolken
Leuchtende Nachtwolken fotografiert gegen 23 Uhr am Nordhimmel über Annaberg-Buchholz. Bildrechte: imago images / Uwe Meinhold

Von Mai bis August können die Wolken nachts leuchten. Dieses Phänomen ist Meteorologen auch als "NLC" bekannt - Englisch: noctilucent clouds, also "leuchtende Nachtwolken". Aber wie kommt das Phänomen am Himmel zustande?

Leuchtende Nachtwolken sind keine Schönwetterwolken

Regenwolken heißen "Cumulus nimbostratus" und Gewitterwolken "Cumulonimbus". Die "Cumulus humilis" sind Schönwetterwolken. Für ein Lichtspekatkel in der Nacht sind sie alle nicht geeignet. Dafür fehlen ihnen entscheidende Voraussetzungen: Mit meist unter 10 Kilometer Höhe sind sie viel zu niedrig. Damit es weithin sichtbar glitzert und funkelt, brauchen die Wolken eine große Höhe, wenig Wasser, eine dünne Atmosphäre und richtig frostige Temperaturen in der Höhe.

Leuchtende Nachtwolken über dem Bootshafen von Kühlungsborn.
Leuchtende Nachtwolken über dem Bootshafen von Kühlungsborn. Bildrechte: IMAGO

Leuchtende Nachtwolken im Juni und Juli bestmöglich sichtbar

Das alles finden wir in der Mesopause der Erdatmosphäre. Das ist die Grenzschicht zwischen der Mesosphäre (zwischen 50 und 80 Kilometer) und der Thermosphäre (bis 500 Kilometer). Wenn es bei uns im Sommer warm ist, gibt es in dieser Schicht von Mai bis August sehr tiefe Temperaturen. Bis zu minus 120 Grad sind nötig, damit das wenige Wasser, das in dieser Höhe vorhanden ist, zu Eiskristallen gefriert. Diese Kristalle werden dann von der gerade auf- oder untergegangenen Sonne angestrahlt und reflektieren dieses Licht und leuchten Silbrigweiss. Die meisten Sichtungen in Mitteleuropa gibt es von Anfang Juni bis Ende Juli. Das ist wie bei der ISS, die wir zu ähnlichen Zeiten sehen können, weil sie ebenfalls die Sonne reflektiert.

Augen nachts gen Nordhimmel richten

Wer die leuchtenden Nachtwolken sehen will, muss nach Sonnenunter- oder morgens vor Sonnenaufgang nach Nordwest (abends) oder Nordost (morgens) schauen. In etwa zwischen 22 Uhr und Mitternacht oder halb drei bis halb fünf am Morgen sind die Chancen am größten, das Phänomen zu erleben.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. Juni 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 18:01 Uhr

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