Saufen statt Lernen? Alkohol-Experiment an Schulen löst Diskussionen aus

BRISANT | 22.02.2019 | 17:15 Uhr

In Brandenburg sollen Schüler im Selbsttest Alkohol trinken und ihr eigenes Trinkverhalten überdenken. Aufklärung in der Schule mal praktisch. Nicht allen Eltern gefällt das.

Jugendliche feiern
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„Lieber schlau als blau“ lautet das Motto eines Schüler-Projekts, das bei Eltern aktuell für Diskussionen sorgt. In dem Projekt der Suchtprävention des Landes Brandenburg sollen Jugendliche in der Schule lernen, wie man Alkohol „richtig“ trinkt. Aufklärung nicht nur theoretisch, sondern eben auch in der Praxis.

Alkohol für Minderjährige

Das Projekt ist als Experiment angedacht, welches unter Aufsicht und innerhalb eines sicheren Rahmens für die Schüler stattfindet. Das Vorhaben soll der Sucht-Vorbeugung dienen. Selbst Eltern, deren Kinder noch nie Alkohol getrunken haben, sollen der Teilnahme zustimmen. Viele Mütter und Väter sind davon nicht begeistert.

Sensibilisierung für das Thema Alkoholkonsum

Der Test wurde von der Suchtklinik Salus Lindow entwickelt und wurde seit 2008 mehrfach angewendet. Schwerpunkte des Experiments sind vor allem die Sensibilisierung für das Thema Alkoholkonsum. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Trinkmenge, den Trinkort (nicht im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz etc.), wie man Trinkangebote ablehnt und an wen sich die Jugendlichen wenden können, wenn im Zusammenhang mit Alkohol etwas passiert.

So läuft das Experiment an Schulen ab:

  • Innerhalb von zwei Stunden bekommen die Schüler eine vorgegebene Menge von 22g Alkohol (Bier, Sekt oder Wein)
  • Es werden zwei Trinkeinheiten (zum Beispiel zwei 0,33l-Flaschen Bier) empfohlen, maximal werden vier Trinkeinheiten gereicht
  • Die Jugendlichen haben am Ende des Experiments durchschnittlich 0,63 Promille Alkohol im Blut
  • Während des Versuchs sollen die Schüler ihre Eindrücke vom Experiment schriftlich festhalten
  • Nach dem Versuch werden die Notizen im Unterricht ausgewertet

Eltern im Projekt mit einbezogen

Eine junge Frau trinkt eine Flasche Bier.
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Auch die Eltern der Jugendlichen werden eng in das Projekt mit einbezogen. Laut Angaben des Landes Brandenburg sollen sie sich gemeinsam mit ihren Kindern über dessen zukünftigen Umgang mit Alkohol auseinandersetzen. Zudem verpflichten sich die Eltern der teilnehmenden Jugendlichen dazu, sie nach dem Trinkversuch in der Schule persönlich abzuholen. Dadurch gibt es die Möglichkeit mit Lehrern und Schülern ins Gespräch zu kommen.Die Schüler bekommen zudem die Hausaufgabe über ihren Umgang mit Alkohol zu schreiben und gemeinsam mit den Eltern den Versuch kritisch zu betrachten.

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2019, 08:54 Uhr