Covid-19 Long & Post Covid: Das sind die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion

Erste Langzeitstudien zeigen: Wer Covid-19 überstanden hat, leidet oft an Spätfolgen. Lunge, Muskeln, Gehirn, Herz oder Nieren können dauerhaft geschädigt sein. Betroffene leiden an chronischer Müdigkeit oder gar Haarausfall. Mediziner nennen das Syndrom "Long Covid" oder auch "Post Covid". Worin liegt der Unterschied - und wo finden Betroffene Hilfe?

Eine Frau hat den Kopf auf den Armen liegend vor einem Laptop
Das Fatigue-Syndrom - eine chronische Müdigkeit - ist eine der häufigsten Langzeitfolgen von Corona. Bildrechte: Colourbox.de

"Genesen" steht in vielen deutschen Corona-Statistiken in den Fallzahl-Tabellen. Mehr als vier Millionen zählt das Robert-Koch-Institut (Stand 19.10.2021). Doch bedeutet das auch "wieder fit"?

Spätfolgen auch bei leichtem Covid-19-Verlauf möglich

Rund 80 Prozent aller Infizierten spüren wenig bis gar nichts von ihrer Corona-Infektion. In leichten Fällen dauert eine SARS-CoV-2-Infektion etwa zwei bis drei Wochen. Bei schweren Verläufen kann die akute Krankheitsphase doppelt so lang anhalten.

Nach Intensivbehandlungen lassen sich häufig organspezifische Langzeitfolgen beobachten. Aber auch weniger schwer Erkrankte können über die akute Krankheitsphase hinaus gesundheitliche Symptome zeigen oder auch neu entwickeln.

Von Atemnot bis Schwindel - mögliche Covid-19-Spätfolgen

Unabhängig von ihrem Verlauf, kann eine Covid-19-Erkrankung gravierende Spätfolgen nach sich ziehen: chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom), Antriebslosigkeit, Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen, Atemnot, Husten oder ein Druckgefühl auf der Brust.

Fatigue = Langzeitfolge und Symptom einiger Virusinfektionen. Dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung. Tritt häufiger bei Frauen auf.

Auch Thrombosen oder Lungenembolien, Konzentrationsstörungen, Depressionen oder der Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns werden beobachtet. Selbst Haarausfall kann eine Folge von Covid-19 sein - warum, wissen Mediziner bislang nicht.

Ein junger Mann liegt im Bett und hält sich ein Taschentuch vor den Mund
Ein bisschen Fieber? Covid-19 kann im Körper langfristigen Schaden anrichten. Bildrechte: Colourbox.de

Post und Long Covid - was ist der Unterschied?

Mediziner bezeichnen die Langzeitfolgen als Post oder Long Covid Syndrom - je nach Länge des Zeitraums, in dem die Beschwerden bestehen.

Von "Long Covid" spricht man bei Symptomen, die mehr als vier Wochen nach der Infektion oder Erkrankung fortbestehen. Von "Post Covid" bei Symptomen oder Gesundheitsstörungen, die mehr als zwölf Wochen nach der Erkrankung weiterhin bestehen oder neu auftreten und anderweitig nicht erklärt werden können.

Möglicherweise haben bis zu zehn Prozent aller Erkrankten mit Langzeitfolgen dieser Art zu kämpfen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Verlässliche, repräsentative Daten dazu liegen allerdings noch nicht vor.

Erste Ergebnisse: Long Covid auch bei Kindern?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht davon aus, dass auch Kinder mit einem schwerem Covid-19-Verlauf an anhaltenden Symptomen wie Abgeschlagenheit, Konzentrationsproblemen oder Muskelschmerzen leiden können.

Einem Artikel der Fachzeitschrift "Nature" zufolge, sollen rund zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre noch fünf Wochen nach der Diagnose an mindestens einem Symptom der Erkrankung gelitten haben.

Andere Studien legen hingegen nahe, dass die Ursachen für die auftretenden Symptome bei Kindern neben dem Virus auch bei den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie - wie geschlossene Schulen und Kontaktbeschränkungen - zu suchen sind.

Wie kann man sich vor Post und Long Covid schützen?

Eine im Fachblatt "The Lancet" erschienene Studie legt nahe, dass vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen, sondern im Fall eines Impfdurchbruches auch vor den Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion geschützt sind.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge haben zweifach (mit einem mRNA-Impfstoff oder dem Impfstoff von AstraZeneca) geimpfte Erwachsene im Falle einer Corona-Infektion ein um 47 Prozent geringeres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, sinkt bei vollständig geimpften infizierten Personen sogar um 73 Prozent.

Die Stadt Köln wirbt auf Plakattafeln für ihr Impfangebot.
Die Corona-Schutzimpfung hilft nicht nur gegen schwere Krankheitsverläufe, sondern auch gegen Post und Long Covid. Bildrechte: imago images/Future Image

Hilfe für Post-Covid-Patienten

Die Spätsymptome von Covid-19 sind sehr unspezifisch, auch in Bezug auf bleibende Schäden. Gleichzeitig werden Vorkehrungen getroffen, um Betroffenen zu helfen und weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Primäre Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten mit Long Covid sind in der Regel Hausärztinnen und Hausärzte, die häufig gemeinsam mit niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten gute Netzwerke bilden und somit eine interdisziplinäre, ambulante Versorgung sicherstellen können.

Darüber hinaus haben Kliniken bereits Long-COVID-Ambulanzen eingerichtet, die sich um Patientinnen und Patienten mit Langzeitfolgen kümmern, etwa die Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik oder das Universitätsklinikum Jena. Das Universitätsklinikum Charité Berlin bietet eine Post-Covid-Fatigue-Sprechstunde an.

Quellen: rki/zusammengegencorona.de/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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