Uniklinik Ulm Corona-Studie: Jeder fünfte Long-Covid-Patient hat Organschäden

Ein Forscherteam der Uniklinik Ulm hat untersucht, was das Coronavirus langfristig im menschlichen Körper anrichtet. Ergebnis: Jeder fünfte Patient der Studie leidet unter Organschäden, vor allem an Herz und Lunge.

Patient bei einer Untersuchung.
Viele Menschen leiden unter Langfrist-Folgen nach einer Covid-19-Erkrankung. Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Schon länger stand Covid-19 in Verdacht, eine systemische Krankheit zu sein. Sie befällt also nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz, das Hirn, die Bauchspeicheldrüse, das Nervensystem.

Seit fast sechs Monaten untersuchten Spezialisten für innere Medizin an der Uniklinik Ulm 250 Corona-Genesene, die weiterhin über Beschwerden klagen. Sie fallen unter die "Long-Covid"-Patienten - bei denen Covid-19 ernsthafte und womöglich dauerhafte Schäden hinterlassen hat.

Organschäden an Herz und Lunge

Das Zwischenergebnis ist erschreckend: Bei jedem fünften Patienten stellten sie Organschäden fest, vor allem am Herzmuskel. Die Folge sind Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen.

In der Lunge habe sich das "Lungengerüst" verändert, sagte Dominik Buckert, betreuender Oberarzt der Spezialambulanz. Die Folge: Atemnot. Vor allem für Sportler oder Menschen, die körperlich schwer arbeiten müssen, kann das das Aus im Beruf bedeuten.

Der Internist Dominik Buckert nimmt in der Corona-Ambulanz des Universitätsklinikums an einem Patienten ein Ultraschall vor.
Viele Covid-Patienten leiden auch lange nach der Infektion noch an Atemnot. Bildrechte: dpa

Die meisten anderen Patienten fühlten sich subjektiv schlechter und kranker als vorher, ohne dass Schäden an den Organen messbar sind. Fast alle untersuchten Long-Covid-Patienten sind zwischen 40 und 50 Jahre alt und haben keine chronischen Vorerkrankungen. Die jüngsten sind sogar nur um die 20! Sie wurden also vom Coronavirus quasi aus dem Leben gerissen.

Neurologische Beschwerden bei Long-Covid

Das Uniklinikum hatte bereits im Februar eine Sprechstunde für Menschen mit Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Erkrankung eingerichtet. Ihr Fokus lag dabei auch auf Herz- und Lungenschäden.

Neben den nun bestätigten Organschäden klagen Long-Covid-Patienten in anderen Untersuchungen auch oft über neurologische Beschwerden wie Wortfindungsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Geschmacksstörungen, Nervenschmerzen und Taubheit. Auch Angstzustände und Depressionen wurden bereits beobachtet.

Abbildung von Neuronen auf einem farbigen Hintergrund
Warum das Coronavirus die Neuronen angreift, wird derzeit untersucht. Bildrechte: PantherMedia / 100502500

Reha-Angebote und Selbsthilfegruppen

Mittlerweile gibt es spezielle Reha-Kliniken für Covid-Patienten. Dort trainieren sie ihr Lungenvolumen, ihre Muskeln und ihr Herz. Einige große Kliniken haben sich auf Post-Covid-Patienten spezialisiert. Betroffene haben inzwischen Selbsthilfegruppen für Post-Covid-Patienten ins Leben gerufen.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Juli 2021 | 17:15 Uhr

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