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Viele Menschen haben nach einer Corona-Infektion noch mit Long oder Pist Covid zu tun. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Steinach

CoronainfektionLong Covid & Post Covid: Das ist über Langzeitfolgen von Covid-19 bekannt

Stand: 13. November 2022, 19:43 Uhr

Quälende Müdigkeit, Schwindel oder Luftknappheit - jeder 8 Corona-Infizierte leidet an Long Covid, schätzen Mediziner. Daneben gibt auch Post Covid den Experten nach wie vor Rätsel auf - vor allem was die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten betrifft. Was wir darüber wissen im Überblick.

Post Covid oder Long Covid?

Post Covid und Long Covid beschreibt die Langzeitfolgen, die nach einer Sars-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen, seltener auch bei Kindern und Jugendlichen, auftreten können.

Konkret definiert beschreibt Long Covid solche Symptome, die nach einer akuten Infektion oder Erkrankung auch nach mehr als vier Wochen noch nicht abgeklungen sind.

Das Post-Covid-Syndrom (PCS) bezeichnet Beschwerden, die sogar mehr als 3 Monate nach der Infektion oder Erkrankung noch immer bestehen oder neu auftreten, mindestens zwei Monate anhalten und anderweitig nicht erklärbar sind.

Treten mehr als zwölf Wochen nach einer Infektion noch Beschwerden auf spricht man von Post Covid. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Symptome von Long Covid und Post Covid

Post Covid kann mit einer Vielzahl körperlicher, kognitiver und psychischer Symptome einhergehen. Dies erschwert oft die Diagnose, ein einheitliches Krankheitsbild lässt sich bislang nicht abgrenzen.

Studien zufolge werden bisher mehr als 200 verschiedene Symptome auf Long Covid zurückgeführt. Einige der bereits beobachteten Spätfolgen im Überblick:

  • chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom)
  • Antriebslosigkeit
  • Taubheitsgefühle
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Nervenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Atemnot oder Husten
  • Herzinsuffizienz
  • Thrombosen oder Lungenembolien
  • Konzentrationsstörungen
  • Depression
  • Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns
  • Haarausfall
  • Ekzeme

Auch Organschäden, etwa an Herz, Lunge, Niere und Gehirn, sind möglich.

FatigueLangzeitfolge und Symptom einiger Virusinfektionen. Dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung. Tritt häufiger bei Frauen auf.

Das Fatigue-Syndrom - eine chronische Müdigkeit - ist eine der häufigsten Langzeitfolgen von Corona. Bildrechte: Colourbox.de

Wie häufig sind die Langzeitfolgen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen. In einer Übersichtsstudie variierte der Anteil von Long Covid bei Erwachsenen ohne Hospitalisierung laut Robert-Koch-Institut zwischen siebeneinhalb Prozent und 41 Prozent. Bei Erwachsenen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, wurde bei 37,6 Prozent von gesundheitlichen Langzeitfolgen berichtet.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin schätzt, dass bis zu 15 Prozent aller Erkrankten mit Long Covid und etwa zwei Prozent mit Post Covid kämpfen.

Eine niederländische Studie ergab, dass jeder achte Coronainfizierte Wochen oder Monate nach der Infektion an mindestens einem Symptom von Long Covid leidet.

Kaum Kenntnisse über Ursachen

Die zugrunde liegenden Mechanismen der Langzeitfolgen sind noch nicht geklärt. Zu den möglichen Ursachen, die derzeit erforscht werden, gehören andauernde Entzündungsreaktionen, die möglicherweise durch im Körper verbleibende Virusbestandteile ausgelöst werden.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Autoimmunprozesse an der Entstehung gesundheitlicher Langzeitfolgen beteiligt sind. Möglicherweise wenden sich Antikörper, die eigentlich Viren und Bakterien bekämpfen sollen, gegen körpereigene Nervenrezeptoren. Eine solide Datenlage gibt es dazu bislang aber nicht.

Sind Risikofaktoren bekannt?

Es gibt Hinweise darauf, dass Frauen über 40 Jahre doppelt so häufig unter Long Covid leiden wie Männer und dass sich die Häufigkeit von gesundheitlichen Langzeitfolgen je nach Virusvariante unterscheiden könnte. Auch chronische und psychische Vorerkrankungen sowie ein schwerer Covid-19-Krankheitsverlauf könnten Long Covid begünstigen.

Long Covid auch bei Kindern?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht davon aus, dass auch Kinder mit einem schwerem Covid-19-Verlauf an anhaltenden Symptomen leiden können. Einem Artikel der Fachzeitschrift "Nature" zufolge, sollen rund zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre noch fünf Wochen nach der Diagnose an mindestens einem Symptom der Erkrankung gelitten haben.

Mediziner berichten von Patienten, die nicht zur Schule gehen, weil sie sich nicht lange konzentrieren können. Andere haben Schmerzsymptome wie Bauch-, Kopf- oder Gliederschmerzen. Typisch seien zudem Riechstörungen. Sportliche Kinder leiden unter extremer Erschöpfung, sind nicht mehr belastbar.

An der Medizinischen Hochschule in Hannover hat eine wissenschaftliche Studie gestartet. Die Datenbasis soll helfen, die Krankheit bei Kindern besser zu verstehen.

Auch Kinder können an Long oder Post Covid leiden. (Archiv) Bildrechte: Tom Fleckenstein.

Wie kann man sich vor Post- und Long Covid schützen?

Eine im Fachblatt "The Lancet" erschienene Studie legt nahe, dass vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen, sondern im Fall eines Impfdurchbruchs auch vor den Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion gut geschützt sind.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge haben vollständig geimpfte Erwachsene im Falle einer Corona-Infektion ein deutlich geringeres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Offenbar leiden weniger Menschen unter Long Covid, wenn sie mit der Omikron-Variante infiziert wurden - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus dem Juni 2022.

Die Corona-Schutzimpfung hilft nicht nur gegen schwere Krankheitsverläufe, sondern auch gegen Post- und Long Covid. Bildrechte: imago images/Future Image

Behandlung von Long-Covid-Patienten

Ärzte und Therapeuten haben seit Ausbruch der Pandemie viel dazugelernt. Insbesondere beim Thema Bewegung gab es lange Unsicherheit. Schadet es den Patienten am Ende oder ist eine Bewegungstherapie inzwischen ein Schlüsselelement bei der Behandlung?

"Die riesige Mehrheit der Post-Covid-Patienten profitiert von einem wohldosierten Ausdauertraining und von Bewegungstherapie", sagt Volker Köllner, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Seehof im brandenburgischen Teltow. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin rät ebenfalls zur Bewegungstherapie. Patienten, die unter Myalgischer Enzephalomyelitis als seltenem Symptom leiden, wird Bewegung abgeraten.

Long und Post Covid - die richtigen Ansprechpartner

Patienten mit Verdacht auf Post oder Long Covid sollten zunächst zum Hausarzt gehen. Er überweist an niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte. Auch wenn es noch kein gezieltes Medikament gegen Long oder Post Covid gibt, existiert eine Vielzahl an Therapie-Optionen. So kann der Hausarzt in leichten Fällen Physiotherapie, Ergotherapie und/oder Atemtherapie, je nach Ausprägung der Symptome, verordnen. Bestimmte, durch Covid-19 ausgelöste Mangelerscheinungen können zudem medikamentös gelindert werden.

Pionierarbeit zu Long Covid

Ein nach eigenen Angaben deutschlandweit einzigartiges Institut in Rostock, das Anfang Oktober eröffnet wurde, will künftig zu einem besseren Umgang mit Corona-Spätfolgen beitragen. Die Einrichtung soll ein Experten-Netzwerk bilden und die Lücken in der Versorgungsstruktur für Betroffene schließen.

Die Firma CellTrend aus Luckenwalde hat gemeinsam mit der Charité Berlin einen Test entwickelt, der im Blutserum 15 verschiedene Antikörper aufspüren kann. Vor allem Antikörper, die das Nervensystem aus dem Gleichgewicht bringen und das Chronische-Fatigue-Syndrom auslösen. Als Therapie bietet sich ein entsprechendes Blutreinigungsverfahren, das sich Immunadsorption nennt, an.

In einer ARD-Doku stellt der bekannte Fernseh-Arzt Eckart von Hirschausen zudem die Blutwäsche (HELP-Apherese) als eine mögliche Therapie vor, die Heilung versprechen kann. Sie soll vor allem Patienten helfen, die über einen langen Zeitraum von Arzt zu Arzt irren und nirgends richtige Hilfe finden. Den Film gibt es hier in der ARD-Mediathek zu sehen.

Eine solche Maschine zur Blutwäsche soll die Autoantikörper entfernen. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Ambulanzen und Selbsthilfegruppen als Anlaufpunkte

Als Anlaufstellen haben Kliniken in ganz Deutschland Long-Covid-Ambulanzen eingerichtet, die sich um Patientinnen und Patienten mit Langzeitfolgen kümmern. Darüber hinaus gibt es Selbsthilfegruppen im ganzen Land.

BRISANT/dpa/afp/epd/rki

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