Covid-19 Genesen und nicht gesund - Das ist über Long Covid bekannt

Langzeitstudien zeigen: Wer Covid-19 überstanden hat, kann dennoch an Spätfolgen leiden. Lunge, Muskeln, Gehirn, Herz oder Nieren können dauerhaft bzw. langanhaltend geschädigt sein. Und es trifft auch Kinder. Mediziner nennen diese Symptome "Long Covid" oder "Post Covid". Was die Unterschiede sind und ob es schon Medikamente dagegen gibt, erfahren Sie hier.

Mann an einem Schreibtisch vor einem Laptop wirkt erschöpft
Viele Genesene werden von den Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankungen geplagt. (Symbol) Bildrechte: Colourbox.de

"Genesen" steht in vielen deutschen Corona-Statistiken in den Fallzahl-Tabellen. Mehr als 20 Millionen sind es inzwischen. Doch bedeutet "genesen" auch "wieder fit"?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin kämpfen bis zu 15 Prozent aller Erkrankten mit Long Covid und 2 Prozent mit Post Covid.

Spätfolgen auch bei leichtem Covid-19-Verlauf möglich

Bei schweren Verläufen der Erkrankung oder wenn eine medizinische Intensiv-Behandlung nötig wird, lassen sich häufig Langzeitfolgen beobachten, die die Organe betreffen: Herz, Lunge, Leber, Nieren.

Aber auch weniger schwer Erkrankte können über die akute Krankheitsphase hinaus gesundheitliche Symptome zeigen oder auch neu entwickeln.

Ein junger Mann liegt im Bett und hält sich ein Taschentuch vor den Mund
Ein bisschen Fieber? Covid-19 kann im Körper langfristigen Schaden anrichten. Bildrechte: Colourbox.de

Mögliche Covid-19-Spätfolgen

Unabhängig von ihrem Verlauf kann eine Covid-19-Erkrankung diese bereits beobachteten Spätfolgen nach sich ziehen:

  • chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom)
  • Antriebslosigkeit
  • Taubheitsgefühle
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Nervenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Atemnot oder Husten
  • Herzinsuffizienz
  • Thrombosen oder Lungenembolien
  • Konzentrationsstörungen
  • Depression
  • Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns
  • Haarausfall
  • Ekzeme

Fatigue = Langzeitfolge und Symptom einiger Virusinfektionen. Dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung. Tritt häufiger bei Frauen auf.

Post Covid und Long Covid - was ist der Unterschied?

Mediziner bezeichnen die Langzeitfolgen als Post-Covid- oder Long-Covid-Syndrom - je nach Länge des Zeitraums, in dem die Beschwerden bestehen. Bei der genauen Bezeichnung richten sich viele Experten nach dem Vorschlag des britischen National Institute for Health an Care Excellence:

Von "Long Covid" spricht man bei Symptomen, die mindestens vier Wochen nach der Infektion oder Erkrankung fortbestehen.

Von "Post Covid" spricht man bei Symptomen oder Gesundheitsstörungen, die mindestens zwölf Wochen nach der Erkrankung bestehen oder neu auftreten. In beiden Fällen geht es um Beschwerden, die ursächlich mit der Corona-Infektion zusammenhängen.

Eine Frau hat den Kopf auf den Armen liegend vor einem Laptop
Das Fatigue-Syndrom - eine chronische Müdigkeit - ist eine der häufigsten Langzeitfolgen von Corona. Bildrechte: Colourbox.de

Long Covid auch bei Kindern?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geht davon aus, dass auch Kinder mit einem schwerem Covid-19-Verlauf an anhaltenden Symptomen leiden können. Einem Artikel der Fachzeitschrift "Nature" zufolge, sollen rund zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre noch fünf Wochen nach der Diagnose an mindestens einem Symptom der Erkrankung gelitten haben.

Mediziner berichten von Patienten, die nicht zur Schule gehen, weil sie sich nicht lange konzentrieren können. Andere haben Schmerzsymptome wie Bauch-, Kopf- oder Gliederschmerzen. Typisch seien zudem Riechstörungen. Sportliche Kinder leiden unter extremer Erschöpfung, sind nicht mehr belastbar.

Junge macht einen Lungenvolumentest
Auch Kinder können an Long oder Post Covid leiden. (Archiv) Bildrechte: Tom Fleckenstein.

Weitere Studien legen nahe, dass die Ursachen für die auftretenden Symptome bei Kindern (und Erwachsenen) im psychischen Bereich liegen könnten. Hier geht es vor allem um Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wie geschlossene Schulen und Kontaktbeschränkungen.

An der Medizinischen Hochschule in Hannover startet eine wissenschaftliche Studie. Die Datenbasis soll helfen, die Krankheit besser zu verstehen.

Wie kann man sich vor Post- und Long Covid schützen?

Eine im Fachblatt "The Lancet" erschienene Studie legt nahe, dass vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen, sondern im Fall eines Impfdurchbruches auch vor den Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion gut geschützt sind.

Den Forscherinnen und Forschern zufolge haben vollständig geimpfte Erwachsene im Falle einer Corona-Infektion ein deutlich geringeres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist sogar noch geringer. Offenbar leiden aber weniger Menschen unter Long Covid, wenn sie mit der Omikron-Variante infiziert wurden - das legt eine Studie aus dem Juni 2022 nahe.

Die Stadt Köln wirbt auf Plakattafeln für ihr Impfangebot.
Die Corona-Schutzimpfung hilft nicht nur gegen schwere Krankheitsverläufe, sondern auch gegen Post- und Long Covid. Bildrechte: imago images/Future Image

Behandlung von Long-Covid-Patienten

Die Spätsymptome von Covid-19 sind sehr unspezifisch. Gleichzeitig werden Vorkehrungen getroffen, um Betroffenen zu helfen und weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Primäre Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Post oder Long Covid sind in der Regel Hausärztinnen und Hausärzte, die häufig gemeinsam mit niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten gute Netzwerke bilden und somit eine optimale Versorgung sicherstellen können.

Auch wenn es noch kein gezieltes Medikament gegen Long oder Post Covid gibt, existiert eine Vielzahl an Therapie-Optionen. So kann der Hausarzt beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie und/oder Atemtherapie, je nach Ausprägung der Symptome, verordnen. Bestimmte, durch Covid-19 ausgelöste, Mangelerscheinungen können zudem medikamentös gelindert werden.

Herzmedikament gegen schädliche Autoantikörper?

Nach Angaben von Experten wird bei etwa einem Viertel der Patienten nach der Covid-19-Erkrankung eine erhöhte Anzahl von Autoantikörpern festgestellt. Das sind Antikörper, die sich wie bei Autoimmun-Erkrankungen fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richten. Je höher die Antikörperzahl, desto schwerer der Symptome. Zudem hätten sie Einfluss auf Körperfunktionen wie Atmung oder Herzschlag, sagt die Immunologin Carmen Scheibenbogen im NDR.

Ihr zufolge liefere das Herzmedikament BC 007 vielversprechende Ansätze, um die Autoantikörper zu neutralisieren. Aber genau wie die Immunadsorption, bei der Antikörper aus dem Blutplasma herausgewaschen werden, sind diese Ansätze noch im Studien-Status. Ob sie bei Long Covid wirklich helfen, wurde wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen.

Maschine für Blutwäsche.
Eine solche Maschine zur Blutwäsche soll die Autoantikörper entfernen. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Ambulanzen und Selbsthilfegruppen als Anlaufpunkte

Als Anlaufstellen haben Kliniken in ganz Deutschland Long-Covid-Ambulanzen eingerichtet, die sich um Patientinnen und Patienten mit Langzeitfolgen kümmern. Darüber hinaus gibt es Selbsthilfegruppen im ganzen Land.


(BRISANT/rki/zusammengegencorona/ndr/spiegel)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Juni 2022 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren

Tobias D. wurde in Bayern vermisst
Bildrechte: Bayerische Polizei/https://www.polizei.bayern.de/aktuelles/pressemitteilungen/034100/index.html