Blick auf die Eingangstür des Gebäudes auf dem Campingplatz Eichwald, das mit Polizeisiegeln versehen ist.
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Missbrauchskandal Lügde: Keine Ermittlungen gegen Behörden?

BRISANT | 14.02.2019 | 17:15 Uhr

Blick auf die Eingangstür des Gebäudes auf dem Campingplatz Eichwald, das mit Polizeisiegeln versehen ist.
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Im Missbrauchsfall von Lügde könnte das Verhalten von Jugendämtern und der Polizei ohne rechtliche Konsequenzen bleiben. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Innenministeriums an den NRW-Landtag hervor, der dem WDR vorliegt. Darin wird eine Einschätzung der Generalstaatsanwältin aus Hamm von Anfang Februar zitiert.

Nach meiner Bewertung rechtfertigt der berichtete Sachstand nicht die Annahme des Anfangsverdachts strafrechtlich relevanten Verhaltens gegen Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont.

Petra Hermes | Generalstaatsanwältin von Hamm

Aufsichtsbehörde: Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Die Aufsichtsbehörde der ermittelnden Staatsanwaltschaft Detmold betont aber, dass die Ermittlungen gegen Polizisten und Jugendämter noch nicht abgeschlossen seien. Es handle sich um eine vorläufige Bewertung. Die Staatsanwaltschaft Detmold müsse noch einen ergänzenden Bericht nach Hamm liefern. "Dieser Bericht liegt noch nicht vor", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwältin.

Lüdge: Ein Absperrband der Polizei ist vor einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen.
Die bisherigen Ermittlungen lassen befürchten, dass die Täter sich in mehr als 1.000 Fällen an den Kindern vergangen haben. Das bei den Tatverdächtigen sichergestellte Beweismaterial ist sehr umfangreich. Bildrechte: dpa

Hinweise auf 31 Opfer

Im lippischen Lügde an der Grenze zu Niedersachsen sollen drei Männer Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Haupttatort soll ein Campingplatz sein, auf dem der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte. Vermutlich mehr als 1.000 Mal sollen sich die Täter an Kindern vergangen und Kinderpornografie verbreitet haben. Die Zahl der identifizierten Opfer ist nach Angaben der Ermittler zuletzt auf 31 gestiegen. Die mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Einer der Täter aus Stade hat laut Ermittlern ein Teilgeständnis abgelegt.

Jugendämter und Polizei im Fokus

Gleichzeitig ist auch die Arbeit der Behörden in den Fokus geraten. Denn bei dem Hauptbeschuldigten lebte ein Pflegekind. Laut Staatsanwaltschaft in Detmold hatten Polizei und Jugendämter bereits seit 2016 wiederholt Hinweise auf einen möglichen Missbrauch erhalten. Ein Verfahren wurde aber nicht eingeleitet.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 20:11 Uhr

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