Demonstranten in Chemnitz
Der noch ungeklärte und gewaltsame Tod eines Chemnitzers, für den drei junge Männer, mutmaßlich aus dem Irak und Syrien, verantwortlich sein sollen, war Auslöser der anhaltenden Unruhen in Chemnitz. Bei Kundgebungen vor mehr als einer Woche war es auch zu Übergriffen auf Ausländer gekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vorfälle in Chemnitz Maaßen äußert Zweifel an "Hetzjagd"

Die Debatte, ob Übergriffe auf Ausländer während der Demonstrationen in Chemnitz als "Hetzjagd" bezeichnet werden können, hält an. Nun hat sich in der "Bild" auch Verfassungsschutzpräsident Maaßen zu der Frage geäußert. Am Abend sind in Chemnitz neue Kundgebungen geplant.

Demonstranten in Chemnitz
Der noch ungeklärte und gewaltsame Tod eines Chemnitzers, für den drei junge Männer, mutmaßlich aus dem Irak und Syrien, verantwortlich sein sollen, war Auslöser der anhaltenden Unruhen in Chemnitz. Bei Kundgebungen vor mehr als einer Woche war es auch zu Übergriffen auf Ausländer gekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat Zweifel an den Berichten über "Hetzjagden" auf Ausländer am Rande von Demonstrationen in Chemnitz geäußert. Der "Bild"-Zeitung sagte Maaßen, er teile "die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz".

Dem Verfassungsschutz lägen auch "keine belastbaren Informationen" dazu vor. Zu einem Video im Internet, das solche Szenen in Chemnitz zeigen soll, sagte der Behördenleiter, es gebe "keine Belege dafür", dass es authentisch sei.

"Vorsichtige Bewertung"

Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV)
Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) Bildrechte: IMAGO

Vielmehr, sagte Maaßen weiter, es "sprechen nach meiner vorsichtigen Bewertung gute Gründe dafür, dass es sich um gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken".

Neben Medien hatten vor mehr als einer Woche auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Sprecher ihrer Regierung mit Berufung auf Videos von solchen Szenen gesprochen.

In seiner Regierungserklärung im Landtag hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dann am Mittwoch medialen Darstellungen widersprochen und gesagt, dass es "keinen Mob, keine Pogrome oder Hetzjagden" in Chemnitz gegeben habe. Sein Innenminister Roland Wöller (CDU) sieht es ähnlich:

Neue Kundgebungen am Freitagabend

Dort stehen inzwischen neue Kundgebungen an. Nach Angaben der Stadtverwaltung will die rechte Gruppierung "Pro Chemnitz" am Freitagabend wieder am Karl-Marx-Monument in der Innenstadt demonstrieren. Dafür angemeldet seien rund 1.000 Teilnehmer.

Auf dem Theaterplatz, nur wenige hundert Meter entfernt, findet zeitgleich ein Open-Air-Gratis-Konzert des Chemnitzer Theaters statt. Unter dem Motto "Kultur für Offenheit und Vielfalt" wolle man Beethoven spielen, hieß es. Auch die Theatersparten Ballett, Schauspiel und Figuren sollen mitwirken. Man wolle ein Zeichen setzen und den Tendenzen zu Fremdenfeindlichkeit, Hetze und Gewalt konsequent entgegentreten, erklärten die Veranstalter.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. September 2018 | 06:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2018, 11:19 Uhr