Deutscher unter Mordverdacht. Fall Maddie: Verbindung zur verschwundenen Inga?

Christian B. steht in Verdacht, vor 13 Jahren die kleine Maddie McCann emordet zu haben. Doch ist der 43-Jährige vielleicht auch Schuld am Verschwinden der fünfjährigen Inga aus Schönebeck?

Die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord gibt am 08.05.2015 ein Foto der seit 02.05.2015 vermissten fünfjährigen Inga heraus.
Christian B. taucht auch in der Akte zum Fall Inga auf. Bildrechte: Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord/dpa

Hat Christian B., der unter Verdacht steht, die damals dreijährige Maddie ermordet zu haben, auch etwas mit dem Verschwinden der kleinen Inga aus Schönebeck zu tun? Seit 2015 fehlt von der damals Fünfjährigen jede Spur. Das untersucht nun die Staatsanwaltschaft Stendal.

Nach Medienberichten lebte der vorbestrafte Sexualstraftäter in der Nähe vom sachsen-anhaltischen Wilhelmshof. Für den 2. Mai, als Inga verschwand, fehle ein Alibi. Und nur einen Tag zuvor war er nachweislich auf einem Parkplatz bei Helmstedt, nur 85 Kilometer vom Tatort entfernt - mit dem Kleinbus eines Freundes.

Dem "Spiegel" zufolge könnte Christian B. Kontakt zu einem Mitarbeiter der Suchteinrichtung gehabt haben, von deren Gelände die kleine Inga verschwand. Der Mann - ein möglicher Komplize - soll sich nach der Tat merkwürdig verhalten haben.

MDR um 4 - Inga
Weder Fuß- noch Reifenspuren wurden am Tatort gefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Grundstück in der Börde

Zudem soll der 43-Jährige ein verwahrlostes Grundstück in Neuwegersleben, nördlich von Halberstadt, besessen haben. Nach Zeugenaussagen hatte sich Christian B. bis zum 6. Mai fast täglich dort aufgehalten. Bis zum Diakoniewerk in Wilhelmshof, das zwischen Stendal und Gardelegen liegt, sind es mit dem Auto nur 1,5 Stunden Fahrt.

2016 durchsuchte die mit dem Fall Inga betraute Polizei sogar sein Grundstück, da der Mann wegen Kindesmissbrauchs bereits vorbestraft war. Neben Kinderkleidung für Mädchen fanden die Ermittler offenbar auch einen Daten-Stick mit Kinderpornos. Diese Spur wurde aber nicht weiter verfolgt.

Polizisten durchsuchen ein Waldstück
Mit Hundertschaften durchkämmte die Polizei den Wald bei Wilhelmshof. Bildrechte: dpa

Akte zu Christian B. wurde rasch geschlossen

Erst im vergangenen Jahr hatte eine neue Ermittlergruppe die Akten zum Fall Inga erneut studiert, sie aber rasch wieder geschlossen. Zu rasch, findet Anwältin Petra Küllmei, die Ingas Mutter vertritt.

Leider hat niemand ernsthaft genau diesen Zusammenhang zwischen dem Verdächtigen und Wilhelmshof gesucht.

Petra Küllmei Volksstimme

Aus ihrer Sicht gibt es auffällige Parallelen zu beiden Fällen. Sowohl in Portugal als auch in der Börde habe der Verdächtige zum Zeitpunkt der Taten auf abgelegenen Grundstücken gewohnt, teilweise in Wohnwagen. Und er soll jeweils mehrere Autos besessen haben.

In Portugal fuhr er einen dunklen Jaguar und einen VW Kleinbus. In Neuwegersleben soll er unter anderem einen Wohnwagen vom Typ "Winnebago" genutzt haben.

Suche wird 30 Jahre lang fortgesetzt

Der Fall Inga ist mittlerweile ein "Cold Case". Das sind Fälle, die nach einem Jahr noch nicht gelöst werden konnten. Bei ihnen werden regelmäßig neue Ermittlungsansätze geprüft.

Bei der Suche nach Kindern hilft zum Beispiel die Initiative "Vermisste Kinder". Unter der europaweit einheitlichen Notrufnummer 116 000 können sich Eltern rund um die Uhr an den Verein wenden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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