Sexualstraftäter Fall "Maddie": Deutscher steht unter Mordverdacht

Vor 13 Jahren verschwand die kleine Maddie in Portugal spurlos. Jetzt kommt Bewegung in den Fall. Das BKA ermittelt gegen einen 43 Jahre alten Deutschen. Der mehrfach vorbestrafte Sexualtäter steht unter Mordverdacht.

Blumen stehen 2007 vor einem Bild der verschwundenen Madeleine McCann.
Die kleine Maddie verschwand 2007. Bildrechte: dpa

Im spektakulärsten Vermisstenfall der jüngsten Geschichte führt die Spur nach Deutschland. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermitteln gegen einen 43-jährigen Deutschen wegen Mordverdachts. Der Mann ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft. Er verbüßt derzeit wegen Vergewaltigung eine längere Haftstrafe.

Nach Angaben der "Braunschweiger Zeitung" deute vieles darauf hin, dass der Verdächtigte identisch ist mit dem Mann, der sich Ende 2019 wegen der Vergewaltigung einer Amerikanerin im portugiesischen Praia da Luz vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten musste. Das Urteil, eine siebenjährige Freiheitsstrafe, sei noch nicht rechtskräftig. Daher sitzt der 43-Jährige noch wegen einer anderen Straftat in Kiel hinter Gittern. Das teilte die Deutsche Presse-Agentur mit.

Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist.

Hans Christian Wolters Staatsanwaltschaft Braunschweig

Sollte sich der Mordverdacht erhärten, zerschlägt sich die Hoffnung der Eltern, dass Madeleine "Maddie" Beth McCann noch leben könnte. Das Mädchen aus England wäre jetzt 17 Jahre alt.

Kate und Gerry McCann mit einem Foto ihrer vermissten Tochter.
Kate und Gerry McCann mit einem Foto ihrer vermissten Tochter. Bildrechte: Sang Tan/AP/dapd

Tatverdächtiger lebte nahe der Ferienanlage

Die dreijährige Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zum Tatzeitpunkt in einem nahegelegenen Restaurant essen. Das Mädchen und ihre beiden jüngeren Geschwister schliefen in der Ferienwohnung.

Der Tatverdächtige soll zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt haben - unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Der Deutsche soll sich dort mit Gelegenheitsjobs in der Gastronomie über Wasser gehalten haben, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit.

Außerdem sei er in Hotelzimmer und Ferienhäuser eingebrochen und habe mit Drogen gehandelt, um sein Leben zu finanzieren. Laut Scotland Yard trug der Mann zur Tatzeit kurzes, blondes Haar und war etwa 1,80 Meter groß.

Menschen laufen 2017 an einem Appartmentkomplex in Praia da Luz vorbei
Der Appartmentkomplex in Praia da Luz. Bildrechte: dpa

Ex-Nachbarin: "Mann war aggressiv"

Dem britischen Sender Sky News beschrieb eine frühere Nachbarin aus Portugal den Verdächtigen als aggressiv. "Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort", sagte sie. Beim Aufräumen des Hauses hätten beschädigte Sachen wie Computer herumgelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke - möglicherweise für Kostümierungen - gewesen.

Hinweise in Fernsehsendung

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" bat das BKA am Mittwochabend erneut um Hinweise in dem Vermisstenfall. Die Ermittler erhoffen sich unter anderem Hinweise auf zwei Wagen, die der Beschuldigte in Portugal fuhr - einen dunklen Jaguar XJR 6 mit Augsburger Nummernschild und einen VW-Kleinbus T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden.

Jaguar
Der Jaguar XJR 6 Bildrechte: Uncredited/BKA - Bundeskriminalamt/AP/dpa

Die portugiesische Polizei befragt nun erneut Zeugen. Die Ermittlungen zum Verschwinden des britischen Mädchens würden fortgesetzt, teilten die Behörden in Faro am Mittwochabend mit. Auch britische und deutsche Ermittler arbeiten an dem Fall.

Maddies Eltern Kate und Gerry McCann begrüßten die neuen Ermittlungen. "Wir werden die Hoffnung nie aufgeben, Madeleine lebend zu finden. Aber was auch immer herauskommen mag, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen", schrieben sie auf ihrer Webseite.

Caravan vom Typ VW T3 Westfalia
Caravan vom Typ VW T3 Westfalia Bildrechte: Metropolitan Police/dpa

Ermittlungen zwischenzeitlich eingestellt

Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte jahrelang für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Die portugiesische Justiz hatte ihre Ermittlungen 2008 zunächst eingestellt, sie im Oktober 2013 aufgrund neuer Indizien aber wieder aufgenommen. Auch bei der britischen Polizei liefen Ermittlungen. 2013 waren die McCanns in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" zu Gast, um Augenzeugen für das Verschwinden ihrer Tochter zu finden.

Suche nach der vermissten Madeleine McCann
Mit Computertechnik wurde Maddie auf einem Suchfoto älter gemacht. Bildrechte: IMAGO

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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