Wissenschaft Männer sterben häufiger durch Coronavirus als Frauen - warum?

Suchen Männer etwa mehr Körpernähe als Frauen - oder wäscht sich das vermeintlich starke Geschlecht seltener die Hände? Die Statistiken zum Coronavirus sind eindeutig: Männer scheinen stärker an COVID-19 zu erkranken - und sterben häufiger daran als Frauen. Jetzt haben niederländische Wissenschaftler vielleicht eine Erklärung für dieses Phänomen gefunden.

Ein Mann liegt an einem Beatmungsgerät von Dräger.
Ein Patient an einem Beamtmungsgerät (Symbolbild). Bildrechte: --/Drägerwerk/dpa

Sind Männer vielleicht doch nicht das starke Geschlecht? Die deutschen Statistiken sind eindeutig: Zwar sind es prozentual etwas mehr Frauen als Männer, die sich mit dem Coronavirus infizieren, doch Männer stecken eine COVID-19-Erkrankung deutlich schlechter weg als die Frauen. Das zeigen auch die Sterbezahlen.

Unterschiede beim Immunsystem, beim Rauchen und der Hygiene

Ein Grund für die "Ungleichheit" in Sachen Krankheitsverlauf soll sein, dass Frauen ein stärkeres Immunsystem als Männer haben. Zudem sollen Männer durch Vorerkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Übergewicht, stärker belastet sein. Auch das Rauchen und die Hygiene - mutmaßen Mediziner - spielen beim schwereren Krankheitsverlauf eine Rolle. Es seien mehr Männer als Frauen, die bereits in jungen Jahren zum Glimmstängel greifen. Auch mit dem Einhalten der Hygieneregeln täten sich die Herren der Schöpfung schwerer, u.a. beim gründlichen Händewaschen.

Händewaschen mit Seife
Hilreiches Mittel gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus: Händewaschen! Bildrechte: IMAGO

Mehr ACE2 im männlichen Blut

Einen neuen Erklärungsansatz dafür, dass der männliche Körper eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus schlechter wegzustecken scheint, liefert jetzt eine Studie aus den Niederlanden. Dort haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Blut von Männern im Vergleich zu dem der Frauen einen höheren Wert eines Schlüsselenzyms namens ACE2 aufweist.

Dieses Enzym ACE2 ist notwendig, damit das Coronavirus in Zellen des menschlichen Körpers eindringen, sich vervielfältigen und in die Lunge wandern kann.

Wichtige Erkenntnis auch für Risikogruppen

Menschen, die an Herzinsuffizienz, Diabetes oder Nierenerkrankungen leiden, bekommen häufig Medikamente verschrieben, die als ACE-Hemmer oder -Blocker wirken. Obgleich sie eigentlich in Sachen Coronavirus zur Risikogruppe zählen, sind die Patienten dadurch vermutlich weniger anfällig für eine schwere COVID-19-Erkrankung.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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