Sommerurlaub Mit Maske und ohne Ballermann: Mallorca-Urlaub in Corona-Zeiten

Sie ist der Deutschen liebstes Reiseziel: die Balearen-Insel Mallorca. Nachdem immer wieder exzessiv und ohne Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands gefeiert worden ist, gilt auf Mallorca eine verschärfte Maskenpflicht. Jetzt haben auch noch der Ballermann und Party-Hotspots in Magaluf geschlossen.

Ein Mann und eine Frau mit Maske an einem Strand
Mallorca-Urlaub gibt's ab dem 13. Juli nur noch mit Maske! Bildrechte: imago images/Chris Emil Janßen

Mallorca - für Corona-Ausbruch gewappnet ...

Ab nach Malle! Doch ist die Insel überhaupt gegen einen Corona-Ausbruch gewappnet? Die Behörden versichern es. Mallorca hat 105 Krankenschwestern und 45 Pfleger eingestellt, die nur dafür da sind, im Notfall Kontakte zurückzuverfolgen. 18 Krankenhäuser sorgen auf der Insel zusätzlich für Sicherheit.

Aktuell stehen 141 Intensivbetten in privaten und öffentlichen Krankenhäusern zur Verfügung. Und die könnten notfalls noch aufgestockt werden.

Nach Ballermann-Partys: Verschärfte Maskenpflicht

Damit es so weit nicht kommt, haben die mallorquinischen Behörden jetzt die Reißleine gezogen. Nachdem in den letzten zwei Wochen sowohl am Ballermann als auch im Party-Hotspot Magaluf immer wieder exzessiv und ohne Einhaltung des Mindestabstands gefeiert worden ist, gilt ab seit dem 13. Juli auf ganz Malle eine strengere Maskenpflicht.

Menschen müssen auf Mallorca und den Nachbarinseln einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie in öffentlichen Räumlichkeiten oder auf öffentlichen Gehwegen unterwegs sind. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld von 100 Euro rechnen.

Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder unter sechs Jahren, ebenso Personen, die unter Atemnot leiden oder aus anderen medizinischen Gründen durch eine Maske beeinträchtigt wären. Auch wer sich am Strand oder in der Natur aufhält, muss keine Atemschutzmaske tragen, wenn ein Sicherheitsabstand von anderthalb Metern eingehalten wird. Neben Essen und Trinken darf man auch beim Rauchen auf eine Maske verzichten.

Dennoch haben die ersten deutschen und britischen Urlauber entschieden, aufgrund der strengeren Auflagen ihren Urlaub zu stornieren. Zumal alle Briten nach ihrem Spanienurlaub für 14 Tage in Quarantäne müssen! Die verschärfte Maskenpflicht ist aber kein Grund für eine kostenlose Stornierung. Vielmehr wird vor Ort alles getan, damit Mallorca zu keinem zweiten "Ischgl" wird.

Palma de Mallorca: Straßenverkäufer stehen vor dem von Touristen gut besuchten Lokal "Las Palmeras" in der so genannten Bierstraße. In der vorigen Nacht sollen hunderte Urlauber aus Deutschland am Ballermann auf Mallorca Party gemacht haben, ohne sich um die derzeit in Spanien geltenden Corona-Regeln zu scheren. Die Regionalregierung der Balearen hat die Einführung einer strengen Maskenpflicht angekündigt, die am Montag, 13. Juli 2020 in Kraft treten soll. Dann müssen alle Menschen in der Öffentlichkeit Mund- und Nasenschutz tragen, selbst dann, wenn der Sicherheitsabstand gewahrt werden kann.
Die Corona-Regeln der spanischen Regierung sind vor allem am Ballermann und in Magaluf missachtet worden. Bildrechte: dpa

Bier- und Schinkenstraße am Ballermann geschlossen

Wegen der zahlreichen illegalen Feiern hat Mallorca die Schließung sämtlicher Lokale der vor allem von deutschen Touristen besuchten Bier- und Schinkenstraße am Ballermann beschlossen. Gleiches gilt für die Lokale der Straße Puerto Ballena im Ort Magaluf, der vorwiegend von britischen Touristen besucht wird. Die Anordnung soll bis zum 15. September - also quasi bis zum Ende der Saison - gelten.

Erste Urlauber auf Mallorca in Quarantäne

Am 31. Juli mussten Touristen erstmals wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne. Über die Herkunft oder die Nationalität der Betroffenen ist nichts bekannt. Es soll sich Medienberichten zufolge um zehn Menschen handeln.

Die Urlauber seien in dem von der Regionalregierung eigens für Quarantäne-Maßnahmen angemieteten Hotel "Morlans Garden" in der Stadt Peguera knapp 25 Kilometer westlich von Palma de Mallorca untergebracht worden, hieß es von Behördenseite. Die Regionalregierung übernehme alle Kosten für Unterbringung und Verpflegung, aber nicht möglicherweise anfallende Kosten für eine medizinische Behandlung. Alle zehn sollen nur leichte oder gar keine Krankheitssymptome aufweisen.

Auch neun Angestellte eines Hotels in der Nähe der Stadt Portopetro im Südosten der Insel sind in Quarantäne. Sie alle sins positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Spanische Miniatur-Flaggen, die am Strand in den Boden gesteckt sind, sollen den Mindestabstand markieren.
Badespaß gibt's für zehn Personen in Quarantäne erstmal nicht. Bildrechte: dpa

Was mache ich bei Covid-19-Symptomen?

Derzeit gibt es zwei Telefonnummern, die Einheimische und Touristen anrufen können, wenn der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht: 902 079 079 oder 971 437 079. Daneben gibt es die Notfallnummer 061.

Am besten wenden Sie sich an die Rezeption Ihres Hotels. Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, werden Sie in Quarantäne gebracht, vermutlich in ein Ferienappartment, damit Sie keine anderen Gäste infizieren können.

Anreise mit dem Flugzeug: Nur mit QR-Code

Jeder Fluggast muss 48 Stunden vor Anreise nach Spanien ein Formular ausfüllen. Einfacher geht es mit der kostenfreien App "Spain Travel Health SpTH". Ähnlich wie bei der Reise nach Griechenland bekommt der Reisende einen QR-Code zugeschickt, den er bei der Gesundheitskontrolle am Zielflughafen vorlegen muss. Das geht entweder per Handy oder ausgedruckt auf Papier - letzteres aber nur bis zum 31. Juli.

Anhand dieses Codes bzw. der gegebenen Antworten (die genauen Kriterien sind unbekannt) wird entschieden, ob vereinzelte Einreisende auf Covid-19 getestet werden. 

Zutritt nur mit QR-Code auf dem Smartphone
Zutritt nur mit QR-Code, z.B. auf dem Smartphone Bildrechte: imago images / Hans Lucas

Zugangsbeschränkungen für Strände

Höchstens 27.600 Menschen dürfen sich in diesem Sommer gleichzeitig am Sandstrand der Playa de Palma aufhalten, damit die Sicherheitsabstände gewährleistet werden können. Außerdem wird der Strand in vier Abschnitte unterteilt. Jeder Besucher soll vier Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben. Rettungsschwimmer sollen die Zahl der Badegäste kontrollieren. Kommen zu viele, wird der jeweilige Strandabschnitt gesperrt.

Hinweisschild am Strand - zwei Meter Abstand halten, daneben zwei junge Frauen auf dem Weg ins Wasser.
Am Strand erinnern Schilder die Besucher an die Einhaltung der Abstandsregel. Bildrechte: imago images/Agencia EFE

Was gilt im im Hotel?

In den Hotels setzt man vor allem auf Abstandhalten, das Desinfizieren und die Vermeidung von direktem Kontakt, um das gesundheitliche Wohl der Gäste nicht zu gefährden. Letztere sollten sich darauf einstellen, vorab online in ihr Hotel einzuchecken und zu bezahlen. Informationen zum Aufenthalt oder auch die Speisekarte können via QR-Code auf dem Smartphone empfangen werden. Über selbiges soll man auch Frühstückszeiten und andere Serviceangebote buchen.

Wem das lieber ist, kann auch auf seinem Zimmer essen. Sollte dennoch ein Gang zur Rezeption notwendig sein, werden Gäste und Angestellte durch Plexiglasscheiben und Alltagsmaske geschützt. Die gibt es übrigens auch an den allseits beliebten Büffets, an denen man in diesem Jahr bedient wird.

In den Eingangsbereichen sollen mit Desinfektionsmittel getränkte Teppiche ausgelegt werden. Auch die Zimmer und Gemeinschaftsräume werden deutlich häufiger gereinigt. Handtücher, Fernbedienung u.a. finden die Gäste eingeschweißt in ihren Zimmern vor. "Keimschleudern" wie Kaffeemaschinen wurden aus den Räumlichkeiten entfernt.

In den gemeinschaftlich genutzten Teilen der Anlagen sollen maximal 60 Prozent der Kapazitäten ausgeschöpft werden, um Social Distancing zu gewährleisten. Zwei Meter Abstand zwischen den Liegen am Pool sind Pflicht. Die Spa-Bereiche vieler Häuser bleiben vorerst ganz geschlossen.

Swimming Pool in Hotel ANlage
Social Distancing gilt auf Mallorca auch am Pool. Bildrechte: imago images/Agencia EFE

Essen und Trinken auf Mallorca

Mit Ausnahme der erneut geschlossenen Hotspots am Ballermann und in Magaluf, sind Bars und Restaurants in Spanien geöffnet. Doch ähnlich wie in Deutschland, kann auch hier nur eine abgespeckte Gästezahl bewirtet werden, um die geltenden Abstandsregeln umzusetzen. Derzeit dürfen 75 Prozent der vorhandenen Kapazitäten ausgeschöpft werden, egal ob im Innen- oder Außenbereich. Auch am Tresen darf man mittlerweile wieder seinen Kaffee trinken - allerdings mit 1,50 Metern Abstand zum nächsten Gast. Und mit mehr als 15 Personen darf man derzeit sowieso nicht unterwegs sein.

Diskotheken und Nachtclubs mit Einschränkungen geöffnet

Auch die Diskotheken und Nachtclubs haben auf den Balearen wieder ihre Pforten geöffnet. Allerdings dürfen die Betriebe nur ein Drittel der erlaubten Besucherzahlen einlassen. Und statt das Tanzbein zu schwingen, müssen Gäste nun (eigentlich) sitzen. Eine vom spanischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Verordnung besagt, dass auf Tanzflächen nun Tische und Stühle stehen müssen. Zudem muss auch hier der Abstand von zwei Meter eingehalten werden. Dass das nur bedingt umgesetzt wird, haben die vergangenen Wochen gezeigt.

Im Vordergrund stehen lange bunte Strohhalme, im Hintergrund sitzen und stehen Partygäste, teilweise Oberkörperfrei.
Ob Clubs wie der "Megapark" ab dem 1. Juli öffnen dürfen, ist fraglich. Bildrechte: dpa

Shopping mit Hindernissen

Abends clubben, tagsüber shoppen - beides steht für Mallorca-Reisende in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Zwar sind die beliebten Shopping-Meilen und auch der Einzelhandel geöffnet, doch der Zugang ist auf 50 Prozent streng limitiert. Wer lange Wartezeiten vermeiden will, sollte bereits eingekleidet auf die Insel reisen.

Wer auf der eigenen Finca kochen möchte, kann sich dennoch auf den Märkten mit regionalen Köstlichkeiten eindecken - allerdings an deutlich weniger Ständen als gewohnt.

Gute Chancen für Individualtourismus

Die zögerliche Rückkehr zum Ballermann-Tourismus könnte eine Chance für alle sein, die wegen der landschaftlichen Schönheit nach Mallorca reisen möchten. Weniger Touristen auf des Deutschen liebster Insel, könnte Orten wie dem wunderschönen Pollenca, der Kartause von Valldemossa oder den Gärten von Alfabia durchaus ihren Reiz zurückgeben. Und wer durch die Berge des Tramuntana oder zu einer abgelegenen Badebucht wandert, der begegnet sowieso nur selten einer Menschenseele.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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