Gefängnis (Archivbild)
Bildrechte: Colourbox

Seit zehn Jahren im Knast Manfred Genditzki zu Unrecht wegen Mordes verurteilt?

BRISANT | 21.08.2019 | 17:15 Uhr

Hat Manfred Genditzki eine 87-jährige Frau kaltblütig in der Badewanne ertränkt oder ist die alte Dame unglücklich gestürzt? Der Mann wurde für eine Tat verurteilt, die er möglicherweise nicht begangen hat.

Gefängnis (Archivbild)
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Am 23. Oktober 2008 wird die 87-jährige Lieselotte Kortüm tot in ihrer Badewanne gefunden - ertrunken. Schnell gerät der Hausmeister Manfred Genditzki ins Visier der Ermittler. Er soll die alte Damen bewusstlos geschlagen und sie dann in ihrer Badewanne ertränkt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes. Genditzki wird verurteilt. In der Revision bestätigt dasselbe Gericht das Urteil: Der Hausmeister hat die 87-Jährige Lieselotte K. 2008 ermordet, weil es zu einem Streit gekommen war. Doch es gibt Zweifel. Ist Lieselotte K. möglicherweise in die Badewanne gestürzt und ertrunken? Vielleicht also kein Mord, sondern ein Unfall? Experten halten dies für denkbar. Auch Regina Rick, die Anwältin von Manfred Genditzki, glaubt fest an die Unschuld des Mannes.

Als ich mich mit dem Fall erstmalig auseinandergesetzt und die Urteile gelesen habe - das ist unfassbar! Um diesen Mann zu verurteilen werden Dinge ausgeschlossen, die sind unglaublich. Dass eine 87-jährige, schwer kranke Frau im Bad stürzen kann, wird ausgeschlossen. Oder dass sie Wasser in ihre eigene Badewanne einlassen würde, wird ausgeschlossen.

Regina Rick | Anwältin von Manfred Genditzki

Simulation soll Unschuld beweisen

Die Anwältin hat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht. Doch die Hürden sind hoch. Denn nur mit neuen Beweisen oder Tatsachen kann ein neuer Prozess eingeleitet werden. Zwei Jahre hat es gedauert, bis alle relevanten Daten eingerechnet waren. Eine Simulation soll nun die Unschuld von Manfred Genditzki beweisen. Sie ist der wichtigste Punkt im Wideraufnahmeverfahren. "Wir haben damit alles Wesentliche widerlegt, was das Urteil ausmacht", erklärt Rick. "Vor allem diesen Ausschluss des Sturzgeschehens, der ist einfach vom Tisch."

Reportage zum Thema

Nachgestellte Szene aus "Spur der Täter". 30 min
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Diverse Vorerkrankungen und mehrere Stürze vor dem Tod

Das Gericht geht davon aus, dass ein Sturz - zum Beispiel durch eine kurze Ohnmacht, wie es in einer Animation dargestellt ist - ausgeschlossen ist. Doch die alte Dame hatte diverse Vorerkrankungen. Der Leipziger Rechtsmediziner Dr. Carsten Babian hat die Akten analysiert. "Sehr typisch für ihr Alter, hatte Frau Kortüm ein Bluthochdruckleiden", erklärt er. "Sie hatte ein Herzleiden, eine Herzinsuffizienz. Und es waren auch bereits mehrfache Stürze beschrieben infolge von kurzer Bewusstlosigkeit, die nach Einschätzung der damals behandelnten Ärzte am ehesten auf kurzzeitige Durchblutungsstörungen des Gehirns zurückzuführen waren."

Landgericht München prüft Wiederaufnahmeantrag

Zentraler Punkt der Verurteilung war laut Rick aber genau das: der Ausschluss eines Sturzgeschehens. "Das Gericht hatte Sturzgeschehen insbesondere deswegen ausgeschlossen, weil Frau Kortüm sich nicht zweimal den Kopf an der Badewanne hätte anhauen können", so Rick. Genau das widerlegt die Computersimulation, sagt Rick. "Die haben ein exakt der Frau Kortüm nachgebildetes Modell vor die Badewanne gestellt und sie dann daüber gebeugt. Genau so, als würde sie sich zu den Wasserhähnen beugen. In der Simulation schlägt sie sich den Kopf zweimal an genau den Stellen, an denen sie auch die Hämatome hatte", so Rick. Dies könnte der entscheidende Punkt sein, dass der Wiederaufnahmeantrag angenommen wird. Der wird aktuell vom Landgericht München geprüft.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. August 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 09:15 Uhr

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