Nach tödlichem Unfall auf der A3 Mangel an Beton-Lärmschutzwänden schon lange bekannt

Seit dem schrecklichen Unfall auf dem Kölner Ring werden in NRW Lärmschutzwände an Autobahnen geprüft. Mehrfach wurden bereits nicht korrekt angebrachte Platten an der A3 gefunden. Brisant: Der Mangel war schon bei der Abnahme des Baus im Jahr 2008 bemerkt worden.

Ein Betonteil einer Lärmschutzwand liegt auf der Autobahn 3 (A3) auf einem Pkw.
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Die mangelhafte Konstruktion von Lärmschutzwänden an der Autobahn 3 bei Köln war bereits 2008 bekannt. Im Abnahmeprotokoll aus diesem Jahr für das Bauwerk sei die "improvisierte Konstruktion als Mangel aufgeführt" worden, teilte der Landesbetrieb "Straßen.NRW" mit. Er sei "nur unter dem Vorbehalt eines statischen Nachweises abgenommen" worden. Dieser sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht worden. Die Baufirma sei mittlerweile insolvent.

Frau von Betonplatte erschlagen

Auf dem vielbefahrenen Kölner Ring war vor rund zwei Wochen eine Frau in ihrem Wagen von einer tonnenschweren Betonplatte erschlagen worden. Die Platte war aus der Schallschutzmauer heraus auf das Auto der Kölnerin gestürzt. Bei der Untersuchung hatte sich herausgestellt, dass die Platte fehlerhaft befestigt worden war. In der Nähe des Unfallorts zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück wurden laut "Straßen.NRW" inzwischen weitere Mängel an Lärmschutzwänden entdeckt. Dort seien sechs weitere Lärmschutzplatten nicht korrekt angebracht worden. Es sei "offenbar aus Platzgründen bewusst mit geschweißten Winkeln improvisiert" worden, heißt es weiter.

Ein Betonteil einer Lärmschutzwand liegt auf der Autobahn 3 (A3) auf einem Pkw.
Rettungsarbeiten auf der A3 nach dem schweren Unfall. (Archiv) Bildrechte: dpa

Ähnliche Konstruktionsarten werden gesichert

Als Konsequenz aus dem Unfall sichert die Stadt Düsseldorf ab Donnerstag (26.11.) in einem Straßentunnel Betonplatten an den Wänden zusätzlich ab. Es handele sich um eine ähnliche Konstruktionsart wie bei der Lärmschutzwand an der Unfallstelle auf der A3, wie ein Sprecher mitteilte. Bei der aktuell durchgeführten Hauptprüfung 2020 sei eine Schädigung an der "unteren Aufstandsfläche" der Betonplatten in dem Rheinallee-Tunnel aufgefallen. Deshalb sei nun im gesamten Tunnel ein zusätzlicher Betonverguss geplant. Wegen der Arbeiten wird bis Mitte Dezember außerhalb der Hauptverkehrszeit jeweils eine Spur gesperrt werden.

Verkehrsministerium stellt Abläufe auf den Prüfstand

Als Konsequenz aus dem Unfall an der A3 und dem offenbar nicht nachverfolgten Mangel will das Verkehrsministerium nach eigenen Angaben einen externen Gutachter engagieren, der die "Abläufe und Organisation der Bauwerksprüfung" bei "Straßen.NRW" überprüfen und bewerten soll: "Unabhängig davon, ob es sich an der A3-Unfallstelle um die Verkettung eines Baumangels mit individuellen Fehlern und Versäumnissen handelt, oder um ein generelles Defizit beim Prozess der Abnahme und Prüfung von Bauwerken."

Ein Polizeibeamter der Kriminalpolizei schaut sich auf der A3 die Aufhängung einer ersten entfernten Betonplatte an.
Sicherungsarbeiten nachdem eine Autofahrerin von einer Betonplatte erschlagen wurde. (Archiv) Bildrechte: dpa

Eigenes Gutachten der Staatsanwaltschaft

Bei den Ermittlungen zum tödlichen Unfall will die Kölner Staatsanwaltschaft das Ergebnis ihres Gutachtens abwarten. "Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen gegen Unbekannt", sagte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag. Die Erkenntnisse von "Straßen.NRW" flössen in die Ermittlungen mit ein, "aber wir warten, bis unser eigenes Gutachten vorliegt". Dies werde voraussichtlich gegen Ende des Jahres so weit sein.

ten/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. November 2020 | 17:15 Uhr

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