Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof Marlies Krämer pocht auf weibliche Anrede

BRISANT | 20.02.2018 | 17:15 Uhr

Haben Frauen das Recht auf eine weibliche Anrede in Formularen und Verträgen? Das prüft der Bundesgerichtshof (BGH) anhand der Klage einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland. Klägerin Marlies Krämer fühlt sich mit männlichen Formulierungen wie "Kunde" oder "Kontoinhaber" nicht angesprochen und besteht auf die Ansprache als "Kundin" oder "Kontoinhaberin".

 Marlies Krämer sitzt in ihrem Wohnzimmer vor aufgeschlagenen Aktenordnern. Die Rentnerin klagt vor dem BGH, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von Konotoinhaber, also Kontoinhaberin, nennen müssen.
Marlies Krämer in ihrer Wohnung. Bildrechte: dpa

Nach der mündlichen Verhandlung vor dem BGH am Dienstag (20.02.2018) in Karlsruhe sagte sie: "Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde." Es sei ihr Recht, als Frau in Sprache und Schrift erkennbar zu sein.

Benachteiligung durch unweibliche Aussprache?

Für den BGH geht es im Kern darum, ob die 80 Jahre alte Klägerin durch die unweibliche Ansprache wegen ihres Geschlechts benachteiligt wird, machte der Vorsitzende Richter klar. Wann der BGH sein Urteil spricht, steht noch nicht fest. In den Vorinstanzen war die Seniorin mit ihrem Vorstoß erfolglos. Das Landgericht Saarbrücken sah es wie die beklagte Sparkasse: Shwierige Texte würden durch die Verwendung beider Geschlechter nur noch komplizierter. Zugleich verwies das Gericht darauf, dass die männliche Form schon "seit 2.000 Jahren" im allgemeinen Sprachgebrauch bei Personen beiderlei Geschlechts als Kollektivform verwendet werde.

Frau Krämer sorgte für weibliche Wetter-Hochs

Die Seniorin hat in der Vergangenheit wiederholt als engagierte Vorkämpferin für Frauenrechte von sich reden gemacht: So sammelte sie unter anderem erfolgreich Unterschriften für weibliche Wetter-Hochs - davor wurden Frauennamen nur für Tiefs verwendet.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Februar 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 10:06 Uhr

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