Coronapandemie und Ukraine-Krieg Maserninfektionen nehmen rasant zu

Die Corona-Pandemie und mehrere Kriege haben Masern-Impfkampagnen in vielen Ländern unmöglich gemacht. Das hat vor allem für Kinder negative Auswirkungen. So stiegen die Infektionsraten bei den Masern rapide an. Was die Kinderkrankheit so gefährlich macht und wie sie leicht zu verhindern ist, erfahren Sie hier.

Kind mit Masern
Immer mehr Fälle von Masern, der Krankheit mit den roten Flecken, sind zuletzt aufgetreten. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Die Masern sind wieder auf dem Vormarsch: Nach WHO-Angaben ist die Zahl der gemeldeten Infektionen zu Jahresbeginn weltweit um fast 80 Prozent gestiegen. Die UN-Kinderschutzorganisation Unicef sieht deshalb Millionen Kinder in Gefahr.

Impflücken sorgen für Masern-Anstieg

Ursache für den Anstieg sei, dass zu viele Kinder nicht geimpft seien. Das liege teils daran, dass in der Corona-Pandemie Impfprogramme unterbrochen wurden, teils, weil Länder Mittel, die für Masern-Impfungen vorgesehen waren, anderweitig einsetzen mussten. Zudem gebe es durch Kriege und Konflikte Millionen Vertriebene in der Ukraine, Äthiopien, Somalia und Afghanistan, deren Kinder auf der Flucht nicht geimpft werden und die oft eng zusammenleben. Wenn die wegen Corona eingeführten Abstandsregeln aufgehoben werden, drohten größere Ausbrüche der hochansteckenden Virus-Krankheit.

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres wurden der WHO zufolge weltweit mehr als 17.300 Masernfälle registriert, deutlich mehr als die 9.600 Fälle in den gleichen Monaten des Vorjahres. Die meisten Masern-Ausbrüche gab es in Afrika und dem östlichen Mittelmeerraum. Besonders stark von Masern betroffen waren in den vergangenen zwölf Monaten Somalia, der Jemen, Afghanistan, Nigeria und Äthiopien. Die Experten befürchten im Zuge des russischen Angriffkrieges auch eine Zunahme der Fälle in der Ukraine. Das Land verzeichnete bereits in den Jahren von 2017 bis 2019 die höchsten Masern-Infektionsraten in Europa.

Masernimpfung bei einem Säugling in Liberia
In Afrika gab es die meisten Masern-Ausbrüche. (Archiv) Bildrechte: dpa

Masern-Ausbrüche als Alarmsignal

Als durch Impfungen vermeidbare Infektionskrankheit fungierten die Masern als ein Alarmsignal, sagte Unicef-Experte Christopher Gregory. Masernausbrüche deuteten auf Schwächen bei Immunisierungskampagnen hin. Den UN-Organisationen zufolge verpassten zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 mehr als 22 Millionen Kinder die routinemäßigen Masern-Impfungen. In 43 Ländern wurden die wegen der Pandemie verschobenen Impfkampagnen demnach bis heute noch nicht vollständig nachgeholt. Betroffen seien 203 Millionen Menschen, die meisten davon Kinder.

Die Folgen dieser Unterbrechungen der Impfkampagnen würden noch jahrzehntelang zu spüren sein, sagte WHO-Generalsekretär Tedro Adhanom Ghebreyesus. Es sei an der Zeit, die Grundimmunisierung gegen Infektionskrankheiten wieder zum Laufen zu bringen.

Warum sind Masern gefährlich?

Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Sie werden durch Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen. Die Inkuabtionszeit beträgt höchstens zehn Tage, die Gefahr einer Ansteckung gibt es aber bereits früher. Betroffene haben erst Grippe-Anzeichen, dann einen Hautausschlag, der sich oft hinter den Ohren oder im Gesicht bemerkbar macht und dann über den gesamten Körper ausbreitet. Hinzu kommen Symptome wie Müdigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen und eine Bindehautentzündung in Kombination mit Lichtempfindlichkeit.

Typische Komplikationen sind Mittelohr- und Lungenentzündungen, in schlimmen Fällen kann es auch zu einer Gehirnentzündung kommen. Die Krankheit kann tödlich verlaufen, vor allem bei Kindern. Außerdem ist bei Infizierten das Immunsystem geschwächt und sie können sich schneller als Gesunde andere Krankheiten zuziehen.

Eine Hand hält eine Fieberthermometer über einem Kleinkind
Vor allem bei Kindern kann eine Masern-Erkrankung tödlich verlaufen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfung schützt gegen Masern

Die Impfung ist der beste Schutz vor Masern. Dies geschieht in der Regel mit einem Kombinationsimpfstoff, der auch gegen Mumps, Windpocken und Röteln wirkt. Die Impfung wird für Kinder ab einem Alter von 11 Monaten empfohlen.

Das Masernschutzgesetz , dass am 1. März 2020 in Kraft getreten ist, sieht zudem vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten eine Masernimpfung vorweisen müssen. Auch Personen, die die Kinder betreuen, müssen einen Nachweis über die Masernimpfung haben. Eine Impfung ist auch dann ratsam, wenn Sie nach 1970 geboren sind und einen unzureichenden Impfschutz haben.


(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. April 2022 | 17:15 Uhr

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