Medizinische Einrichtungen "Oben ohne" beim Arzt - Debatte um Ende der Maskenpflicht

Nach den festgelegten Lockerungen der Maskenpflicht am Arbeitsplatz und im Bahnverkehr rückt nun das Gesundheitswesen in den Fokus. Als erstes Bundesland will Bayern die Maskenpflicht in Arztpraxen für Beschäftigte kippen. Dafür gibt es Zuspruch, aber auch Kritik. Anderen geht der Schritt nicht weit genug.

Mädchen nimmt sich Maske ab
Ist die Maskenpflicht für Patienten auch bald in Arztpraxen Geschichte? (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Bernd Friedel

Nachdem Bayern als erstes Bundesland angekündigt hat, die Maskenpflicht für Beschäftigte in Arztpraxen ab dem 1. Februar aufzuheben, gibt es auch aus anderen Bereichen Zuspruch für diesen Schritt. So plädieren Vertreter von Krankenhäusern und Krankenkassen ebenfalls für ein Ende der Maskenpflicht in anderen medizinischen Einrichtungen. "Konsequent wäre es, am 1. März kostenlose Tests, Testpflicht und Maskenpflicht in Gesundheitseinrichtungen gemeinsam zu beenden", sagte der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DGG), Gerald Gaß.

Patienten brauchen weiterhin eine Maske

Aufgrund bundesweiter Regelungen bleibt es aber auch in Bayern weiterhin bei der FFP2-Maskenpflicht unter anderem in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie für Patienten und Besucher von Arztpraxen - nach aktuellem Stand bis zum 7. April. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek forderte die Bundesregierung allerdings auf, diese Maßnahmen vor dem 7. April enden zu lassen, am besten ab Februar.

"Klar ist, dass wir das Tragen von Masken in bestimmten Situationen weiterhin empfehlen", sagte der Minister. "Aber die Zeiten, in denen der Staat die Maßnahmen anordnen musste, werden nach jetzigem Stand bald überwunden sein."

Klaus Holetschek
Bayern Gesundheitsminister Holeteschek fordert ein Ende der Maskenpflicht in Gesundheitseinrichtungen. (Archiv) Bildrechte: imago images/Sven Simon

Geringere Krankheitslast durch Corona

Unterstützung bekommt der Minister von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die ebenfalls eine bundesweite Aufhebung der Maskenpflicht in Arztpraxen fordert. KBV-Chef Andreas Gassen sagte, er halte es für "folgerichtig, die Maskenpflicht in Arztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen aufzuheben, wie das Bayern nun angekündigt hat". Den anderen Bundesländern empfahl er, "sich diesem Schritt anschließen".

"Die pandemische Lage ist vorbei", sagte Gassen. So sei die Krankheitslast durch Corona und Grippe geringer geworden. Zu dem würden "nicht in allen Praxen Hochrisikopatienten behandelt". Es sollte "generell den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen überlassen werden, ob sie das Tragen von Masken in ihren Praxen verpflichtend machen wollen", sagte Gassen.

Die Situation zum Beispiel beim Psychotherapeuten sei eine ganz andere als bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder in einer Infektsprechstunde", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt. "Menschen, die gesundheitlich besonders gefährdet sind, sollten eigenverantwortlich eine Maske aufsetzen oder mit dem Arzt vereinbaren, dass sie zu Randzeiten der Sprechstunde vorbeikommen", empfahl der Ärztefunktionär.

Zwei Männer und eine Frau sitzen mit Maske auf Stühlen vor einer geschlossenen Tür
Praxen sollen selbst entscheiden können, ob Masken verpflichtend sind oder nicht. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO/Westend61

Mehr als 10.000 Corona-Tote seit Oktober

Anders sieht das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der den Vorstoß von Bayern kritisiert. "In Bayern kann es jetzt passieren, dass ein infizierter asymptomatischer Arzt viele alte oder chronisch kranke Patienten infiziert. Weil er keine Maske trägt", schrieb Lauterbach auf Twitter. Für dieses Risiko seien die Fallzahlen im Moment noch zu hoch.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigt sich angesichts der jüngsten Debatte besorgt. Wer jetzt die Hygieneschutzmaßnahmen in der Alten- und Krankenpflege abschaffen wolle, dürfe die Fakten zu Corona nicht ignorieren, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Er verwies darauf, dass seit dem 4. Oktober vergangenen Jahres 11.498 Menschen an Corona gestorben seien. Im gleichen Zeitraum habe das Robert-Koch-Institut 558 Grippe-Tote vermeldet, "Diese traurigen Zahlen machen deutlich, dass Covid-19 weder eine Erkältung noch eine Grippe ist", so Brysch.


BRISANT/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Januar 2023 | 17:15 Uhr

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