Coronavirus Flugzeug und Bahn - Was spricht für, was gegen eine Maskenpflicht?

Im Flugzeug soll sie fallen, in der Bahn weiter gelten: Die Maskenpflicht. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist für bestimmte Bereiche ein großer Befürworter, andere sehen den verpflichtenden Einsatz eines Mund-Nasen-Schutzes eher kritisch. Ein Pro-und-Contra zum Thema Masken.

Eine Frau trägt in einer Haltestelle eine FFP2-Maske.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Marijan Murat

Kaum hatte das Bundeskabinett für Herbst und Winter eine FFP2-Maskenpflicht für bestimmte Situationen auf den Weg gebracht, schon begann die Debatte um den Mund-Nasen-Schutz. Am Donnerstag (08.09.) hat der Bundestag das neue Infektionsschutzgesetz beschlossen. Darin enthalten: die Empfehlung des Gesundheitsausschusses, die Maskenpflicht in Flugzeugen auszusetzen. In der Bahn bleibt sie bestehen, weil die Belüftung dort nicht so gut sei, wie im Flugzeug. Wie wirksam sind Masken eigentlich und haben sie auch negative Effekte? Ein Überblick:

Studienlage zur Wirksamkeit von Masken

Wissenschaftliche Analysen belegen, dass Masken vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Mitte 2020 ergab etwa eine Überblicks-Studie, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde: Gesichtsmasken können das Infektionsrisiko deutlich senken.

Konkrete Zahlen dazu liefert auch eine Studie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Tragen eine nicht-infizierte und eine infizierte Person gut sitzende FFP2-Masken, beträgt das maximale Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz in einem Raum kaum mehr als ein Promille. Selbst OP-Masken - die nicht so dicht anliegen und nicht so gut potenziell infektiöse Tröpfchen aus der Atemluft filtern - verringern das Risiko deutlich: Die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken, liegt dann bei höchstens zehn Prozent, so das Ergebnis der Untersuchung.

Auf einer Wäscheleine hängen vor schwarzem Hintergrund 6 Stück FFP2-Einweg-Masken.
FFP2-Masken verringern das Ansteckungsrisiko Studien zufolge enorm. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / C3 Pictures

Was spricht gegen Masken?

Ganz praktisch: Sie können unbequem sein und nerven. Besonders, wenn man sie über eine längere Zeit trägt. "Wenn ich ein Modell habe, das nicht gut sitzt, die Bänder an den Ohren drücken - das ist unangenehm", sagt Verhaltenstherapeutin Cornelia Beeking, die in ihrer Praxis in Münster Kinder und Jugendliche behandelt. Deshalb sei es wichtig, eine bequeme Maske zu finden. Wenn Kinder in der Schule Masken tragen, sollte es regelmäßige Maskenpausen draußen geben.

Haben Masken negative psychologische Effekte?

Bisherige Studien lassen keine allgemeingültigen Aussagen zu möglichen psychischen Problemen bei Kindern zu. "Zu den Auswirkungen des Masketragens auf verschiedene Entwicklungsbereiche von Kindern und Jugendlichen lassen sich basierend auf der unzureichenden Studienlage nur wenige Erkenntnisse ableiten", heißt es etwa in einer Übersichtsarbeit von Oktober 2021. Es fehle an Forschungsdaten zu den Folgen für psychische Entwicklung, Sprachentwicklung und soziales Verhalten. Psychotherapeutin Beeking betont: "Ich kenne kein Kind, das allein durch das Masketragen psychisch erkrankt ist."

Angebliche Probleme durch die Maske bei der Kommunikation in der Schule? Bei Kindern in diesem Alter sei die Sprachentwicklung schon so weit abgeschlossen, dass nicht nur das Sehen des Mundes relevant sei, erklärt Beeking. "Da spielen andere Faktoren eine zusätzliche Rolle, zum Beispiel die Intonation. Das ist mit Maske kein Problem - sonst könnten übrigens blinde Kinder nie sprechen lernen."

Ein Mädchen mit Maske in der Schule
Die Maske ist in Sachen Kommunikation bei Kindern kein Problem, sagen Experten. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Rupert Oberhäuser

Gibt es körperliche Einschränkungen durch Masken?

Durch FFP2-Masken erhöht sich der Atemwiderstand, was unangenehm sein kann. Für alle Menschen, die nicht beispielsweise an (chronischen) Atemwegserkrankungen leiden, ist das Tragen indes gesundheitlich unbedenklich. Übersichtsarbeiten ergeben ein eindeutiges Bild: Durch das Tragen von Masken bei körperlicher Belastung verändern sich die Vitalparameter wie Herzschlag und Atemfrequenz praktisch nicht. Eine Untersuchung der Bergischen Universität Wuppertal bestätigt: FFP2-Masken beeinflussen die Ausdauer-Leistungsfähigkeit bei gesunden Personen nicht - obwohl die Probanden hohe Atemleistungen erbringen mussten.

Schränken Masken die geistige Leistungsfähigkeit ein?

Die Technische Universität Berlin untersuchte jüngst in einem Experiment, ob Masken Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit haben können. Dabei kam heraus, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Stresssituation mit Kopfrechen-Aufgaben mit und ohne Maske gleich gut bewältigen konnten. Zudem gaben die Probanden an, dass sich ihre mentale Belastung durch das Tragen nicht verändert habe.


BRISANT/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. September 2022 | 17:15 Uhr

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