Kritik von Greenpeace Lippenstift und Co. - Mikroplastik in zahlreichen Kosmetik-Artikeln

Trotz einer freiwilligen Selbstverpflichtung von Herstellern zum Verzicht auf Plastik enthalten nach Angaben von Greenpeace drei Viertel der Kosmetikprodukte weiterhin Kunststoff.

Hautpflegeprodukte im Regal einer Drogerie.
Kosmetik ist offenbar nicht ganz so Plastik-frei, wie angenommen. (Archiv) Bildrechte: imago/INSADCO

Die bisher freiwilligen Maßnahmen von Herstellern zum Verzicht auf Plastik in Kosmetika reichen aus Sicht von Greenpeace nicht aus. Die Umweltorganisation prüfte nach eigenen Angaben 664 Produkte von elf unterschiedlichen internationalen Marken und fand in 502 davon Rückstände von festen Plastikpartikeln (Mikroplastik) sowie von Plastik in flüssiger, halbfester oder löslicher Form. Greenpeace sprach am Montag (22.03.) im Report "Zum Abschminken - Plastik in Kosmetik" von "alarmierenden" Ergebnissen.

Sensible Körperteile am meisten betroffen

"Die Ergebnisse zeigen, dass Plastik-Inhaltsstoffe ausgerechnet in den Produkten, die mit sensiblen Körperteilen wie Augen und Lippen in Kontakt kommen, häufig enthalten sind und so von Verbraucher:innen eingeatmet oder verschluckt werden können", heißt es in dem Bericht. Die höchsten Konzentrationen an Kunststoffen enthielten Augen-Make-up, Lipgloss und Lippenstifte.

"Die Firmen vermeiden oft nur die festen Plastikpartikel und bewerben ihre Produkte dann werbewirksam als Mikroplastik-frei", erklärte Greenpeace. Das grenze an "Verbrauchertäuschung". Die Kunststoffe dienen unter anderem als Schleifmittel für den sogenannten Peeling-Effekt oder verleihen einem Produkt "Glanz und Konsistenz", wie Greenpeace erläuterte. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel IKW verweist hingegen auf mehrere behördliche Untersuchungen, nach denen eine Gesundheitsgefahr durch Mikroplastik nicht belegt sei.

Greenpeace nimmt Politik in die Pflicht

Für Greenpeace ist der Versuch der Bundesregierung gescheitert, zusammen mit der Industrie auf freiwilliger Basis Plastik aus Kosmetika zu verbannen. "Sieben Jahre Dialog sind vorbei und die ungeschminkte Wahrheit ist jedoch, dass wir uns weiterhin regelmäßig Plastik ins Gesicht schmieren. Sei es in Form von Make-up, Puder oder Lippenstift", sagte die Greenpeace-Expertin für Konsum und Chemie, Viola Wohlgemuth.

Greenpeace forderte von der Bundesregierung ein Verbot von Kunststoffen in Kosmetika. "Umweltministerin Svenja Schulze muss ein klares Verbot von Plastik jeder Konsistenz in Kosmetik vorantreiben - auf deutscher und EU-Ebene", sagte Wohlgemuth. Dort werde derzeit nur ein Verbot von festem Mikroplastik in Kosmetikprodukten verhandelt.

dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. März 2021 | 17:15 Uhr

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