Computeranimation von einem Volocopter. Sicht aus dem Cockpit, während des Fluges über eine Stadt.
Noch ist es eine Computeranimation von einem Volocopter. Aber ein solches Fluggerät ist Mitte September 2019 über Stuttgart gestartet. Bildrechte: dpa

Vision wird Wirklichkeit Mobile Zukunft - Taxis in der Luft

BRISANT | 04.10.2019 | 17:15 Uhr

Flugtaxis sind keine ferne Vision mehr. Sie werden in Städten wie Stuttgart, Wien oder Los Angeles erprobt und sollen zeitnah zum Einsatz kommen. Startups mit deutscher Unterstützung und Uber werkeln an den Fliegern.

Computeranimation von einem Volocopter. Sicht aus dem Cockpit, während des Fluges über eine Stadt.
Noch ist es eine Computeranimation von einem Volocopter. Aber ein solches Fluggerät ist Mitte September 2019 über Stuttgart gestartet. Bildrechte: dpa

"Ich heb gerade ab", wird wohl ein Satz werden, an den wir uns sehr bald neu gewöhnen müssen. Denn derzeit wird an innovativen Mobilitätskonzepten nicht nur geforscht, sondern sie heben zum Testbetrieb ab. So geschehen in diesem Jahr in New York - aber auch in Stuttgart und Wien. Aber der Reihe nach:

Visualisierung eines Fahrerraums in einem selbstfahrenden Auto, in dem statt eines Armaturenbretts ein großer Bildschirm ist.
Bildrechte: Italdesign

Visionärer Vorreiter "Uberair"

Bereits 2017 hat Fahrdienstvermittler "Uber" sein Konzept "Uberair" in einem Film fliegen gelassen. Nur ein Jahr später im Mai 2018 wurde auf der Elevate-Konferenz in Los Angeles ein Prototyp präsentiert. Per App wird die Reise vorgebucht und dann geht es autonom von A nach Z. Sofern Uber seinen Fahrplan einhalten kann, soll es bis 2023 serienreif werden und Fluggäste transportieren.

Ziel: rein elektrischer Betrieb und autonomes Fliegen

Das Konzept des Lufttaxis sieht einen rein elektrischen Betrieb vor, mit einer Flughöhe zwischen 300 und 600 Metern. Die Lufttaxis sollen auf sogenannten Skyports auf Dächern von Hochhäusern starten und landen, sowie auf eigenen Landeplätzen in Städten. Zu Beginn sollen menschliche Piloten die Fluggeräte steuern. Die Zukunft: Autonomes Fliegen.

Die Realität sieht derzeit noch anders aus. Das bestehende Angebot des milliardenschweren Start-ups mit Sitz in San Francisco firmiert unter dem Namen „Uber Copter“. Simpel gesagt: ein Charter-Helikopter, der vor allem Flug- und Nutzerdaten sammeln und auswerten soll. Das Unternehmen möchte auf der Straße und in der Luft unterwegs sein. Als "Betriebssystem für den Alltag" bezeichnet Konzerchef Dara Khosrowshahi die Grundidee. Das Projekt ist ab sofort in New York am Start - von Manhattan zum JFK-Flughafen.

"Volocopter"-Testflug über Stuttgart

Ähnliche Angebote sind in Mexiko-City und Paris geplant. Und auch deutsche Hersteller wollen abheben und so dem Stau davonfliegen. Mitte September hob ein "Volocopter" über Stuttgart ab. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) würde auf jeden Fall einsteigen, Daimler-Chef Ola Källenius will damit die Staus in Städten verringern. Am 14. September hob ein Ultraleicht-Hubschrauber des Bruchsaler Start-ups Volocopter erstmals vor Publikum in einer europäischen Stadt ab. Daimler ist daran beteiligt. Auch Daimlers chinesischer Großaktionär Geely ist jüngst über eine Finanzierungsrunde bei Volocopter eingestiegen. Insgesamt hat das Start-Up bislang 85 Millionen Euro von Investoren eingesammelt.

Ein Volocopter
Bildrechte: dpa

Mischung aus Drohne und Helikopter

Der Ultraleicht-Hubschrauber ist mit 18 Rotoren ausgestattet. Er sieht aus wie eine Mischung aus Hubschrauber und Drohne. Er wird mit Strom angetrieben, verursacht also in der Stadt keine Abgase und ist deutlich leiser als normale Helikopter. Bei dem Test in Stuttgart drehte das Fluggerät gut vier Minuten lang vor dem Mercedes-Museum seine Runden. Der Volocopter flog dabei ohne Passagiere. Ein Pilot steuerte das Fluggerät vom Boden aus auf gut 30 Meter Höhe und blieb etwa 100 Meter vor den etwa 12.500 Zuschauern in der Luft stehen.

Unter dem Motto «Urbane Mobilität» fliegt der Volocopter (r) zum ersten Mal unter den Augen vieler Zuschauer in der ֖ffentlichkeit.
Bildrechte: dpa

Viele offene Fragen bis zum ersten Start in Deutschland

Deutschlandweit wird an Flugtaxis gearbeitet: So hat das fünfsitzige elektrische Flugtaxi Lilium Jet im Mai in Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Der Flugzeugbauer Airbus hatte kurz davor in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Forscher der RWTH und der Fachhochschule Aachen wollen bis 2024 ihr elektrohybrides Kleinflugzeug Silent Air Taxi in Betrieb nehmen. Wann allerdings tatsächlich Flugtaxis in deutschen Innenstädten unterwegs sein werden, ist noch völlig offen. Der Flug in Stuttgart war Teil eines Forschungsprojekts der Stuttgarter Hochschule für Technik. Ziel ist es unter anderem herauszufinden, was ein möglicher 15-minütiger Taxiflug von der Innenstadt an den Flughafen Stuttgart einmal kosten darf. Eine vergleichbare - bei freien Straßen etwa halbstündige - Taxifahrt liegt bei rund 35 Euro. Dabei gehen die Forscher auch der Frage nach, wer sich überhaupt einem Taxiflieger ohne Piloten anvertrauen würde.

Quelle: red/dpa/uber

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 15:44 Uhr

Das könnte sie auch interessieren