Mörderische Miezen Streunen untersagt - dürfen Katzen bald nicht mehr raus?

Das Thema sorgt für Zündstoff nicht nur unter Katzenliebhabern: Juristen fordern ein Streunverbot für die Tiere - zum Schutz von Vögeln. Die Räuber bedrohten die Artenvielfalt, heißt es zur Begründung.

Eine Katze schaut duch ein Gitter im Tierheim.
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Geht es nach dem Willen niederländischer Juristen, dürfen Hauskatzen bald nicht mehr draußen herumstreunen. Die Tiere gefährdeten die Artenvielfalt insbesondere von Vögeln, begründen Arie Trouwborst und Han Somsen von der Universität Tilburg ihren radikalen Vorstoß.

Forscher: Die Schäden sind riesig!

Katzen seien eine invasive Art, die vor Jahrtausenden von Vorderasien nach Europa gebracht wurde, erklären Trouwborst und Somsen. Sie zählten inzwischen global zu den am weitesten verbreiteten Räubern und richteten riesige Schäden an. Dies liege auch daran, dass die Tiere sehr zahlreich seien und eine wesentlich höhere Populationsdichte aufwiesen als Fleischfresser ähnlicher Größe. Mit Zahlen aus den USA unterstreicht das Duo die Größenordnung. Dort töten Katzen demnach jährlich geschätzt knapp 100 bis 300 Millionen Amphibien, rund 260 bis 820 Millionen Reptilien, 1,3 bis vier Milliarden Vögel und 6,3 bis 22,3 Milliarden Säugetiere. Die juristische Grundlage für ein radikales Vorgehen gegen freilaufende Katzen liefern die Forscher gleich mit - bestehend aus Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutz-Richtlinie.

Weltweit waren Hauskatzen an der Ausrottung von mindestens zwei Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten beteiligt – das heißt an 26 Prozent aller bekannten derzeitigen Ausrottungen in diesen Tiergruppen. […] Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar.

Arie Trouwborst und Han Somsen

Nabu: Rechtlich nicht begründbar

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bewertet die Forderung allerdings skeptisch. "Das Katzenproblem muss man ernst nehmen", sagt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Er schätzt, dass in Deutschland etwa 15 Millionen Katzen leben. Davon seien ein bis zwei Millionen verwildert. Die Tiere erlegen laut Lachmann in Deutschland pro Jahr 25 bis zu 100 Millionen Vögel - bei einem Gesamtbestand von 500 Millionen. "Das ist schon eine große Zahl." Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar.

Eine Katze auf einem Balkon.
Fast geräuschlos schleichen sich mörderische Mietzen mit ihren scharfen Krallen an ihre Beute. Ein beliebtes Ziel: vom Aussterben bedrohte Vogelarten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Dezember 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 16:19 Uhr

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