Eine Krankenschwester eilt durch einen Krankenhausflur
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Klinik Dresden-Neustadt Multiresistente Keime: Zweiter Patient stirbt in Krankenhaus

BRISANT | 30.10.2018 | 17:15 Uhr

Bei mehreren Patienten im Krankenhaus Dresden-Neustadt ist ein gefährlicher Keim nachgewiesen worden. Jetzt ist ein zweiter Patient gestorben. Die Intensivstation der Klinik wurde bereits vergangene Woche geschlossen.

Eine Krankenschwester eilt durch einen Krankenhausflur
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In einem Dresdner Krankenhaus ist ein weiterer Patient gestorben, der mit einem multirestistenten Keim infiziert war. Das hat das Städtische Klinikum Dresden-Neustadt mitgeteilt. Er wurde zuvor mit sogenannten Reserve-Antibiotika behandelt.

Mit schweren Erkrankungen ins Krankenhaus gekommen

Bereits am Sonntag war ein Patient gestorben - laut Krankenhaus an seiner schweren Grunderkrankung. Inwiefern der multiresistente Erreger zum Tod des Patienten beigetragen habe, sei aufgrund der komplexen Erkrankung allerdings unklar. Beide Patienten waren mit schweren Erkrankungen ins Krankenhaus gekommen.

Beide Patienten sind im Rahmen ihrer schweren Grunderkrankung verstorben. Ob und inwiefern der Keim dazu beigetragen hat, das wissen wir nicht.

Dr. Lutz Blase Medizinscher Direktor Städtisches Klinikum Dresden-Neustadt

Gefahr der Keimausbreitung wächst

Bereits vor einer Woche war bekannt geworden, dass auf der neuen Intensivstation des Krankenhauses in Dresden-Neustadt fünf Patienten von einem multirestistenten Keim befallen worden sind. Inzwischen wurde der Erreger auch bei einem Patienten nachgewiesen, der bereits von der Intensivstation verlegt wurde. Er ist nicht erkrankt, liegt aber zur Beobachtung auf der Infektiologie. Alle Betroffenen werden abgeschirmt behandelt. Der Keim ist besonders gefährlich, weil er die Resistenzen auch an gleichartige, unbelastete Keime weitergeben kann, sagt der medizinische Direktor der klinik, Dr. Lutz Blase.

Unserer Einschätzung nach infizieren sich von den etwa 18 Millionen Patienten in Deutschland mindestens vier Prozent, also 720.000 Menschen, im Krankenhaus mit Keimen. Wir vermuten, dass es sogar eher fünf Prozent sind. Das wären 900.000 Infektionen.

Prof. Klaus-Dieter Zastrow (DGKH) Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V.

Intensivstation weiter geschlossen

Die Intensivstation des Krankenhauses bleibt weiterhin für Neuaufnahmen gesperrt. Das Krankenhaus behalte alle Hygiene-Schutzmaßnahmen bei, die seit mehr als einer Woche gelten. Die Betroffenen werden von extra Personal behandelt, das nicht mit anderen Patienten in Berührung kommen darf. Das gelte auch für medizinisches Gerät und Räume im Klinikum. Operationen, nach denen eine intensivmedizinische Betreuung wichtig ist, finden in einem anderen Krankenhaus statt. Eine Ausnahme stellen Schlaganfallpatienten und neuroradiologische Behandlungen dar. Die werden laut Klinikleitung uneingeschränkt auf der Schlaganfallstation versorgt.

Keime für Kranke gefährlich

Der medizinische Direktor Blase erklärte, dass gesunden Menschen gar nichts passiert, die einen multirestisten Keim in sich tragen. "Gefährlich wird es für den Menschen, wenn er erkrankt und mit Antibiotika behandelt wird. Das tötet viele Bakterien, aber nicht den multiresistenten Keim", so Blase. Dadurch habe der Keim keine Konkurrenten mehr im Körper, könne sich ausbreiten und seine Resistenzen weitergeben. Mit Antibiotika seien solche Keime nur schwer behandelbar.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2018, 11:54 Uhr

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