Fuchs und Co. im Stadtgebiet Positive Folgen des Coronavirus - Natur erobert Städte zurück

Vögel zwitschern zwischen den Häuserreihen, Füchse spazieren durch die Städte, im Stadtpark von Tel Aviv tummeln sich die Schakale und in Santigo de Chile läuft sogar ein Puma durch die Straßen: Von den weltweiten Ausgangsbeschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie profitiert besonders die Tier- und Pflanzenwelt.

Rotfuchs bei Schneefall
Füchse und andere Tiere erobern Stadtgebiete während der Corona-Krise. (Archiv) Bildrechte: imago images / imagebroker

Tiere reagieren auf veränderte Bedingungen

Angesichts des massiven Rückgangs der menschlichen Interaktionen haben die Wildtiere "freie Bahn, um sich in den Städten zu bewegen", sagt Romain Julliard, Forschungsdirektor am französischen Nationalmuseum für Naturgeschichte (MNHN). Die Tiere registrieren die plötzliche Ruhe und reagieren darauf. Füchse zum Beispiel "ändern ihr Verhalten sehr schnell", so Julliard. Sei ein Gebiet ruhig, gingen sie dort hin.

In vielen Städten ist jetzt lautes Vogelgezwitscher zu hören, und zwar von Arten, die normalerweise schweigen, wenn es um sie herum laut ist. Mit dem wegfallenden Lärm singen sie nun aus vollen Kehlen. MNHN-Akustikexperte Jérôme Sueur vermutet, dass die fehlende Lärmbelastung mitten in der Fortpflanzungsperiode auch positive Auswirkungen auf die Brutzeit der Vögel haben könnte.

Good News: Weniger Autoverkehr - mehr Tiernachwuchs

Die derzeitigen Empfehlungen zum eingeschränkten Ausgang kommen für viele Arten inmitten ihrer Paarungszeit, wie bei der Erdkröte und dem gefleckten Salamander. Diese würden normalerweise "regelmäßig die Straßen überqueren und dabei überfahren ", sagt Jean-Noël Rieffel, Regionaldirektor des französischen Büros für biologische Vielfalt in Val-de-Loire. Weniger Verkehr könnte jetzt automatisch mehr Nachwuchs bedeuten.

Für Romain Julliard jedoch "ist das vielleicht wichtigste Phänomen, dass sich unsere Aufmerksamkeit für die Natur verändert: In ihren Häusern eingesperrte Menschen merken, wie sehr sie die Natur vermissen." Dafür könnten sie nun die Zeit nutzen, um die Natur von ihren Fenstern und Gärten aus zu beobachten - und neu zu entdecken.

Feuersalamander (Salamandra salamandra), auf Moos.
Für Feuersalamander könnte die Corona-Pandemie mehr Nachwuchs bedeuten. (Archiv) Bildrechte: imago/blickwinkel

Fokus rückt auf die Natur

In Deutschland merkten die Menschen nun, "wie wertvoll Stadtnatur ist", erklärt Afra Heil, Expertin für Stadtnatur beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Parks und andere Grünanlagen bieten auch in Krisen wie dieser in unseren dicht bebauten Städten die Möglichkeit, sich mit Abstand außerhalb der eigenen vier Wände zu bewegen und leisten somit einen positiven Beitrag für das Wohlbefinden." Trotz der positiven Nachrichten für Natur und Umwelt ist die Bewegungseinschränkung der Menschen nicht für alle Tiere gut - allen voran Arten, die daran gewöhnt sind, sich von den Abfällen der Menschen zu ernähren.

Und auch über die Zeit nach der Quarantäne macht sich das OFB Gedanken und fordert eine organisierte Aufhebung der Ausgangssperren für die Natur. "Es wird ein Bedürfnis nach Natur und eine Überfüllung geben, die für Flora und Fauna ungünstig sein kann", warnt OFB-Regionaldirektor Rieffel. Die Ruhepause bleibt für die Natur nur von kurzer Dauer.

(bri/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. April 2020 | 17:15 Uhr

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