Unterbrechung von Infektionsketten Die neue Corona-Warn-App - das müssen Sie wissen!

Über die Corona-Warn-App der Bundesregierung wird seit Monaten diskutiert. Ab Dienstag soll die Anwendung endlich zum Herunterladen zur Verfügung stehen. Mit ihr soll es gelingen, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. Wie kann das funktionieren?

Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist der Startschirm einer Corona Warn-App abgebildet
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Die seit Monaten angekündigte Corona-Warn-App von Bundesregierung, Telekom und SAP soll den Weg aus der Corona-Krise zurück in die Normalität erleichtern, indem Infektionsketten frühzeitig erkannt und durchbrochen werden können. Wie das möglich sein kann, ohne die Privatsphäre des Einzelnen zu gefährden und dem Datenschutz gerecht zu werden, darüber ist im Vorfeld viel diskutiert worden. Jetzt kann es endlich losgehen: Ab Dienstag (16.06.) steht die neue Anwendung zum Download bereit.

Was kann die neue Corona-Warn-App leisten?

Die App kann dazu beitragen, dass Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Doch wer diese Personen waren und ob man sich aktuell neben infizierten Personen befindet, das erfährt man nicht.

Wie funktioniert die App?

Mit der App verwandelt sich ein Smartphone in einen kleinen "Bluetooth-Leuchtturm", der permanent eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die beide die App aktiv nutzen, für eine bestimmte Zeit nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Woher erfährt die App, dass jemand infiziert ist?

Ausschließlich dadurch, dass positiv getestete Nutzer das selbst in der App eintragen. Um falsche Meldungen zu verhindern, soll das nur mit einer Verifikation durch einen Code vom Gesundheitsamt möglich sein.

Gefährdet die App die Privatsphäre der Anwender?

Bei der Programmierung der App und der dazugehörigen Dienste wurde ein mehrstufiges Konzept umgesetzt, um einen möglichst hohen Datenschutz zu gewährleisten. Es werden nicht die Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern anonymisierte IDs, die sich in einer Stunde mehrfach ändern.

Die IDs der Kontaktpersonen werden nicht zentral gespeichert, sondern dezentral auf den jeweiligen Smartphones. Nur die Liste der anonymisierten IDs der Infizierten wird auf einem zentralen Server vorgehalten. Der Abgleich findet aber ausschließlich auf den einzelnen Smartphones statt.

Besteht die Gefahr, dass die Corona-Warn-App zur Überwachung der Bevölkerung eingesetzt wird?

Nein, das ist quasi ausgeschlossen. Der Quell-Code der App kann auf der Plattform GitHub transparent eingesehen werden. Bei etlichen Analysen des Codes wurden keine Hintertüren oder andere Anomalien entdeckt.

Wie unterscheidet sich die deutsche App von den Anwendungen anderer Länder?

Apps in asiatischen Ländern wie China, Singapur, Südkorea oder Indien erfüllen nicht die deutschen Datenschutzanforderungen, weil sie beispielsweise die Nutzer bloßstellen oder durch die Analyse der GPS-Signale ein Bewegungsprofil erstellen können. Die App in Frankreich ähnelt dem Ansatz in Deutschland, besteht aber auf einer zentralen Speicherung der Kontaktdaten.

Andere Länder, wie die Schweiz oder Österreich, folgen wie Deutschland den Datenschutzvorgaben von Apple und Google und können dadurch auch die technischen Schnittstellen (APIs) der Tech-Konzerne nutzen.

Auf welchen Smartphones kann die App installiert werden?

Beim iPhone ist das aktuelle Betriebssystem iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Ein altes iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht aus.

Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier muss zum einen Bluetooth LE unterstützt werden. Das ist ab Android 6 der Fall. Zum anderen müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Android-Handys ohne Google Play Services, wie die neuesten Huawei-Modelle, bleiben außen vor.

Wie viele Menschen müssen die App nutzen, damit der gewünschte Effekt eintritt?

Eine Studie aus Oxford sagt, dass der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr die App downloaden. Das wird aber vermutlich nicht zu erreichen sein. Selbst eine populäre App wie WhatsApp hat Jahre gebraucht, um eine so hohe Installationsquote zu erreichen. Doch Experten weisen darauf hin, dass jede Installation zählt und Effekte schon bei einer deutlich niedrigeren Quote erreicht werden können.

Wie sicher kann die Warn-App gegen Fehlalarme sein?

Da die Bluetooth-Technik nicht für das Messen von Abständen entwickelt wurde, wird es sicherlich Fehlalarme geben. Es kann auch sei, dass sich Infizierte hinter einer Glaswand befunden haben und einen Alarm auslösen, obwohl durch den "Kontakt" keine Infektionsgefahr ausging. Daher verweisen selbst die Entwickler darauf, dass die App nur einen begrenzten Beitrag zur Normalisierung liefern kann. Sie ist keine Wunderwaffe. Wer sich und andere vor einer Infektion schützen will, sollte auch mit der App Abstand wahren und eine Maske tragen.

Funktioniert die App im Zusammenspiel mit Apps anderer europäischer Staaten?

Ob die der App mit ähnlichen Anwendungen anderer europäischer Staaten zusammenspielt, ist eine bislang ungeklärte Frage. Dieses Problem soll nach der Veröffentlichung der deutschen App verstärkt angegangen werden. Als schwierig gilt insbesondere die Kompatibilität mit der französischen App "StopCovid" - das Nachbarland hat sich für eine zentrale Datenspeicherung entschieden, die dem dezentralen und anonymen Ansatz der deutschen Variante widerspricht.

(ten/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Juni 2020 | 17:15 Uhr

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