ÖPNV Nachfolge für 9-Euro-Ticket: Kommt bald ein 49-Euro-Ticket?

Das Neun-Euro-Ticket - aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen ein voller Erfolg. Rund 52 Millionen Tickets seien im Aktionszeitraum verkauft und rund eine Milliarde Fahrten unternommen worden. Mittlerweile gibt es verschiedene Ideen, wie das "Günstigticket" verlängert werden könnte.

Symbolfoto: 9-Euro-Ticket, dahinter ein Regionalzug
Für Pendler eine Qual, für Spontanreisende super: günstig durch Deutschland mit dem 9-Euro-Ticket. Bildrechte: IMAGO / Panama Pictures

Das 9-Euro-Ticket war für viele Menschen eine tolle Sache. Einfach in Bus oder Nahverkehrszug einsteigen und losfahren - und das zu einem unschlagbar günstigen Preis. Dafür ließ man gerne das Auto stehen. Und das war auch der Sinn des Tickets.

9-Euro-Ticket war voller Erfolg

Dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge war die dreimonatige Sonderfahrkarten-Aktion im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein voller Erfolg. Rund 52 Millionen Tickets seien über den gesamten Zeitraum bundesweit verkauft worden. Hinzu kämen mehr als zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das Ticket automatisch erhalten hätten.

Gut fürs Klima: Jede Menge CO2-Einsparungen

Laut VDV soll es im Zeitraum Juni bis August rund eine Milliarde Fahrten pro Monat durch die Sondermaßnahme gegeben haben. Rund zehn Prozent davon wären sonst mit dem Auto erledigt worden. Dadurch seien über drei Monate rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden. Das sei in etwa der gleiche Effekt, als hätte es ein Jahr lang ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gegeben.

Jeder fünfte Käufer sei ein Neukunde gewesen, der den öffentlichen Nahverkehr normalerweise nicht nutze, so der VDV. Zum Einsatz gekommen sei das Ticket aber vor allem in Städten. In ländlichen Gebieten sei die Resonanz aufgrund der schlechteren Infrastruktur nur halb so hoch gewesen.

Zum Start des 9 Euro Tickets stürmten zahllose Reisenden am Essener Hauptbahnhof die Züge.
Dem Sommer in vollen Zügen genießen - das ging mit dem 9-Euro-Ticket. Bildrechte: IMAGO / Gottfried Czepluch

Wie geht es nach dem 31. August weiter?

Seit 31. August ist Schluss mit dem Neun-Euro-Ticket. Der Bund hat eine Verlängerung der Aktion aus Kostengründen abgelehnt. Doch vom Tisch ist die Diskussion um ein günstiges Ticket für den Nahverkehr deshalb noch lange nicht.

Weil ihnen das Hickhack zu lange dauert, machen einige Kommunen schon jetzt Nägeln mit Köpfen. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) soll es ab September ein 365-Euro-Jahresticket geben.

In Nordrhein-Westfalen werden SPD-Stimmen für ein 30-Euro-Monatsticket ab 1. Januar 2023 laut. Bereits reagiert haben Nahverkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen: Wer ein Abo-Ticket besitzt, kann an allen Wochenenden im September und Oktober ohne zusätzliche Kosten landesweit in ganz Nordrhein-Westfalen Fahrten mit Bussen, Bahnen und Nahverkehrszügen unternehmen.

Auch Berlin arbeitet an einem Nachfolgeangebot, das vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember gelten soll. Wieviel es kosten wird, ist noch offen. Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey spielt mit dem Gedanken, den Preis bei neun Euro zu belassen - zumindest in den Hauptverkehrszonen.

Nachfolge-Ticket kommt Anfang 2023

Auf Bundesebene hat sich die Regierung für eine Nachfolgeregelung für das Ticket ausgesprochen, das Ringen um die Ausgestaltung der Finanzierung ist in vollem Gange.

Der Bund will sich demnach mit 1,5 Milliarden Euro im Jahr an dem Ticket beteiligen - wenn die Länder ihrerseits zur Finanzierung beitragen. Das bundesweite Ticket soll dann zwischen 49 und 69 Euro kosten.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat das Neun-Euro-Ticket als Erfolg gelobt und eine Nachfolgeregelung bis Anfang kommenden Jahres versprochen. "Unser Ziel ist es, spätestens zu Beginn des Jahres 2023 ein neues Ticket zu haben", sagte er.

Fahrgäste steigen im Bahnhof aus einer Regionalbahn.
Berlin will ab Oktober ein günstiges Nahverkehrsticket einführen. Bildrechte: dpa

Bahn ist froh über Ende des 9-Euro-Tickets

Nach ersten Erkenntnissen sollen viele Menschen durch das Neun-Euro-Ticket nicht vom Auto auf den Bus oder den Regionalzug umgestiegen sein, sondern vor allem zusätzliche Fahrten unternommen haben.

75 Prozent der Fahrgäste sollen das 9-Euro-Ticket einer Umfrage der Deutschen Presse Agentur zufolge vor allem für private Wege genutzt haben. 25 Prozent davon unternahmen in erster Linie touristische Reisen und Ausflüge. Nur für 25 Prozent der Befragten kam das Ticket für den Arbeitsweg zum Einsatz.

Regionalzug und Auto fahren in Hügellandschaft aneinander vorbei.
Brachte das Billig-Ticket Autofahrer dazu, auf die Bahn umzusteigen? Bildrechte: IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Ärger und Mehrarbeit für Bahn-Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter der Bahn bedeutete die Aktion jede Menge Mehrarbeit. Die Gewerkschaft EVG betonte zwar, dass das Günstigticket eine tolle Sache sei, die Beschäftigten aber "am Ende" seien und "drei Kreuze am 31. August machen".

Aufgrund des enormen Ansturms auf Regionalzüge hätten Zugbegleiterinnen und -begleiter den Frust von Fahrgästen zu spüren bekommen. Denn viele Züge kamen zu spät, fielen ganz aus oder mussten Fahrgäste am Gleis zurücklassen, weil die Züge überfüllt waren.

Quellen: BRISANT/dpa/MDR/Reuters/AFP

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. August 2022 | 17:15 Uhr

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