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Die Zulassung des Novavax-Impfstoffs steht offenbar kurz bevor. (Archiv) Bildrechte: imago images/Sven Simon

NuvaxovidImpfung mit Novavax-Impfstoff: Zulassung, Wirksamkeit, Nebenwirkungen

Stand: 28. Februar 2022, 14:35 Uhr

Fünf Imfpfstoffe gegen das Coronavirus sind in der EU zugelassen. Zuletzt kam Nuvaxovid hinzu, nachdem die EMA Ende Dezember den Weg für das Vakzin des Herstellers Novavax frei gemacht hatte. Mittlerweile hat die Ständige Impfkommission (Stiko) das Vakzin auch für Deutschland empfohlen und wer mag, kann sich mit dem Proteinimpfstoff von Novavax impfen lassen. Was kann der Impfstoff - und worin unterscheidet er sich? BRISANT beantwortet die wichtigsten Fragen.

Stiko empfiehlt Impfung mit Nuvaxovid in Deutschland

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt auch den Corona-Impfstoff "Nuvaxovid" des Herstellers Novavax für Menschen ab 18 Jahren, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Das Vakzin solle zur Grundimmunisierung mit zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen eingesetzt werden. Der Impfstoff soll Studien zufolge mit einem Infektionsschutz von etwa 90 Prozent hochwirksam sein.

In der EU ist der Protein-Impfstoff mit Wirkverstärker, der keine vermehrungsfähigen Viren enthält, bereits seit dem 20. Dezember zugelassen. In Deutschland ist die Impfung mit dem Vakzin erst seit kurzem möglich.

Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff Nuvaxovid?

Das Mittel Nuvaxovid ist ein protein-basierter Impfstoff mit Virusantigen. Konkret verwendet Novavax für sein Vakzin das sogenannte Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren.

Zudem enthält das Novavax-Vakzin Saponin als sogenanntes Adjuvans, das die Wirkung der Impfung verstärken soll. Die Immunisierung mit dem Novavax-Impfstoff erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Wie die bereits in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe wird das Mittel ins Muskelgewebe des Oberarms gespritzt.

Die mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mit Hilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna funktionieren anders als der von Novavax. (Themenbild) Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Was spricht für den Einsatz des Novavax-Impfstoffs?

Bislang sind in der EU zum Schutz vor dem Coronavirus die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sowie die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson zugelassen. Mit dem Novavax-Impfstoff bekämen die Menschen in der EU einen anderen Typ von Corona-Impfstoff zur Auswahl. Dies könnte interessant sein für jene, die Vorbehalte gegen die bislang zugelassenen Vakzine haben oder bei denen medizinische Gründe gegen deren Einsatz sprechen.

Wie wirksam ist Nuvaxovid - auch gegen die Omikron-Variante?

Novavax hatte im Juni mitgeteilt, sein Corona-Vakzin habe eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent gegen die Alpha-Variante des Coronavirus. Außerdem schütze es auch vor Virusvarianten und zudem zu 100 Prozent vor "moderaten und schweren" Krankheitsverläufen.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass in der Studie insgesamt zu wenige Krankheitsfälle auftraten, um verlässlich beurteilen zu können, wie gut der Impfstoff schwere Verläufe verhindern kann. 

Wie gut das Mittel gegen die erst Ende November entdeckte Coronavirus-Variante Omikron schützt, ist bislang noch unklar. Das soll in aktuell laufenden Studien herausgefunden und der Impfstoff gegebenenfalls angepasst werden.

Eignet sich Nuvaxovid für eine Booster-Impfung?

Bisher empfehlen Experten ausdrücklich nur mRNA-Impfstoffe zum Boostern. Eine Studie im Fachmagazin "Lancet" hat Novavax als Booster mit anderen Impfstoffen verglichen: Da schnitt der Proteinimpfstoff nach zweimal Biontech genauso gut ab wie Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Noch sehr viel besser war aber das Ergebnis nach einem Booster mit Biontech oder Moderna. Omikron spielte bei dieser Untersuchung allerdings noch keine Rolle.

Mit welchen Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen ist zu rechnen?

Impfreaktionen und Nebenwirkungen können grundsätzlich bei allen Impfungen auftreten - auch bei den Corona-Schutzimpfungen, unabhängig vom Impfstoff. Beim Impfstoff Nuvaxovid von Novavax können nach der Impfung sogenannte Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- sowie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Müdigkeit auftreten. Die klingen normalerweise in wenigen Tagen wieder ab und stellen in der Regel keinen Anlass zur Sorge dar.

In der Zulassungsstudie gab es keine Hinweise darauf, dass es durch die Impfung mit Nuvaxovid zu schweren Nebenwirkungen kommen kann. 

Wie wird Nuvaxovid gelagert?

Anders als beispielsweise der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer lässt sich das Novavax-Vakzin bei Kühlschranktemperatur lagern. Das erleichtert die Logistik und macht das Mittel auch für Schwellen-Länder interessant.

Novavax-Vakzin - Totimpfstoff oder Proteinimpfstoff?

Das kommt auf die Definition an, denn der Begriff "Totimpfstoffe" wird auch von Experten uneinheitlich verwendet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) etwa erklärt, da das Mittel von Novavax keine vermehrungsfähigen Viren enthalte, könne es "mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden". Diese breit gefasste Definition umfasst aber auch die mRNA- und Vektorimpfstoffe.

Das Bundesforschungsministerium fasst den Totimpfstoff-Begriff enger und zählt dazu solche Vakzine, die Bestandteile oder einzelne Moleküle des Erregers enthalten, also auch das Novavax-Vakzin.

Nach der noch engeren Definition, dass Totimpfstoffe das abgetötete Virus oder zumindest Teile davon enthalten müssen, zählt das Novavax-Vakzin allerdings nicht zu dieser Gruppe. Schließlich enthält es keine abgetöteten Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden, sondern gentechnisch hergestellte Virus-Proteine.

Kann der Novavax-Impfstoff schon bald eingesetzt werden?

Die EU-Kommission schloss Anfang August im Namen der Mitgliedstaaten mit Novavax einen Kaufvertrag über bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen in diesem und im kommenden Jahr. Außerdem enthält der Vertrag eine Option auf 100 Millionen weitere Impfdosen in den Jahren 2021, 2022 und 2023. Das deutsche Gesundheitsministerium hat den Impfstoff für kommendes Jahr bereits eingeplant.

(BRISANT/dpa/afp/swr.de)

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 28. Februar 2022 | 17:15 Uhr