Bedingte Zulassung empfohlen Novavax-Impfstoff Nuvaxovid: Zulassung, Wirksamkeit, Protein- oder Totimpfstoff

Bislang sind in der EU vier Imfpfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Nun könnte ein fünfter hinzukommen, nachdem die EMA am Montag den Weg für das Vakzin des Herstellers Novavax frei gemacht hat. BRISANT beantwortet die wichtigsten Fragen zum Vakzin.

Novavax-Impfdosen mit Impfstoff zur Injektion mit einer Kanuele
Die Zulassung des Novavax-Impfstoffs steht offenbar kurz bevor. (Archiv) Bildrechte: imago images/Sven Simon

Nach einem beschleunigten Prüfverfahren hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA am Montag (20.12.) den Weg frei gemacht für eine Zulassung des Corona-Impfstoffs des US-Pharmaunternehmens Novavax in der EU.

Der zuständige Ausschuss empfahl zunächst eine bedingte Zulassung. Die finale Entscheidung muss nun die Europäische Kommission fällen. Das gilt allerdings nur als Formsache. Die Zulassung des Präparats Nuvaxovid (NVX-CoV2373) würde das Spektrum der in der EU erhältlichen Corona-Vakzine erweitern.

Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff Nuvaxovid?

Das Mittel ist ein protein-basierter Impfstoff mit Virusantigen. Konkret verwendet Novavax für sein Vakzin das sogenannte Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren.

Zudem enthält das Novavax-Vakzin Saponin als sogenanntes Adjuvans, das die Wirkung der Impfung verstärken soll. Die Immunisierung mit dem Novavax-Impfstoff erfolgt mit zwei Dosen im Abstand von drei Wochen. Wie die bereits in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe wird das Mittel ins Muskelgewebe des Oberarms gespritzt.

Die mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mit Hilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Impfstoff-Phiolen. Moderna und Comirnaty
Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna funktionieren anders als der von Novavax. (Themenbild) Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Was spricht für den Einsatz des Novavax-Impfstoffs?

Bislang sind in der EU zum Schutz vor dem Coronavirus die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sowie die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson zugelassen. Mit dem Novavax-Impfstoff bekämen die Menschen in der EU einen anderen Typ von Corona-Impfstoff zur Auswahl. Dies könnte interessant sein für jene, die Vorbehalte gegen die bislang zugelassenen Vakzine haben oder bei denen medizinische Gründe gegen deren Einsatz sprechen.

Wie wirksam ist Nuvaxovid - auch gegen die Omikron-Variante?

Novavax hatte im Juni mitgeteilt, sein Corona-Vakzin habe eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent. Es schütze auch vor Virusvarianten und zudem zu 100 Prozent vor "moderaten und schweren" Krankheitsverläufen. Wie gut das Mittel gegen die erst Ende November entdeckte Coronavirus-Variante Omikron schützt, ist noch unklar.

Nach Angaben des Pharmaunternehmens Novavax soll auch Nuvaxovid einen wirksamen Schutz gegen die Omikron-Variante bieten. Das Vakzin rufe eine wirksame Immunreaktion gegen die Variante hervor, eine zusätzliche Auffrischungsimpfung erhöhe die Immunantwort. Das hätten erste Ergebnisse einer noch nicht abgeschlossenen Studie ergeben.

Wie wird Nuvaxovid gelagert?

Anders als beispielsweise der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer-Vakzin lässt sich das Novavax-Vakzin bei Kühlschranktemperatur lagern. Das erleichtert die Logistik und macht das Mittel auch für Schwellen-Länder interessant.

Eine Frau trägt ein Symbol gegen die Impfpflicht auf ihrem Rücken
Der Impfstoff von Novavax könnte auch Menschen ansprechen, die sich bisher gegen eine Impfung geweigert haben. (Archiv) Bildrechte: dpa

Novavax-Vakzin - Totimpfstoff oder Proteinimpfstoff?

Das kommt auf die Definition an, denn der Begriff "Totimpfstoffe" wird auch von Experten uneinheitlich verwendet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) etwa erklärt, da das Mittel von Novavax keine vermehrungsfähigen Viren enthalte, könne es "mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden". Diese breit gefasste Definition umfasst aber auch die mRNA- und Vektorimpfstoffe.

Das Bundesforschungsministerium fasst den Totimpfstoff-Begriff enger und zählt dazu solche Vakzine, die Bestandteile oder einzelne Moleküle des Erregers enthalten, also auch das Novavax-Vakzin.

Nach der noch engeren Definition, dass Totimpfstoffe das abgetötete Virus oder zumindest Teile davon enthalten müssen, zählt das Novavax-Vakzin allerdings nicht zu dieser Gruppe. Schließlich enthält es keine abgetöteten Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden, sondern gentechnisch hergestellte Virus-Proteine.

Coronavirus
Der Impfstoff Nuvaxovid enthält keine abgetöteten Bestandteile des Coronavirus. Deshalb wird er eher als Protein-, denn als Totimpfstoff bezeichnet. Bildrechte: Colourbox.de

Kann der Novavax-Impfstoff schon bald eingesetzt werden?

Die EU-Kommission schloss Anfang August im Namen der Mitgliedstaaten mit Novavax einen Kaufvertrag über bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen in diesem und im kommenden Jahr. Außerdem enthält der Vertrag eine Option auf 100 Millionen weitere Impfdosen in den Jahren 2021, 2022 und 2023. Das deutsche Gesundheitsministerium hat den Impfstoff für kommendes Jahr bereits eingeplant.

(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Dezember 2021 | 17:15 Uhr

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