Die Angeklagten Holger G. (hinten) und Ralf Wohlleben sitzen im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München.
Er war zwar kein Mitglied des NSU-Trios um Beate Zschäpe. Dennoch ist Ralf Wohlleben einer der entscheidenden Männer im Hintergrund gewesen. Schließlich soll er die Pistole besorgt haben, mit der die neun Opfer erschossen worden sind. Den Rest seiner zehnjährigen Haftstrafe darf er wahrscheinlich außerhalb der Gefängnissmauern verbringen. Bildrechte: dpa

Für die Angehörigen der Opfer ein Schock! NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben aus Haft entlassen

BRISANT | 18.07.2018 | 17:25 Uhr

Diese Nachricht ist für alle Angehörigen der NSU-Opfer ein Riesenschock! Der gerade erst als NSU-Helfer zu zehn Jahren Haft verurteilte, frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben ist freigelassen worden.

Die Angeklagten Holger G. (hinten) und Ralf Wohlleben sitzen im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München.
Er war zwar kein Mitglied des NSU-Trios um Beate Zschäpe. Dennoch ist Ralf Wohlleben einer der entscheidenden Männer im Hintergrund gewesen. Schließlich soll er die Pistole besorgt haben, mit der die neun Opfer erschossen worden sind. Den Rest seiner zehnjährigen Haftstrafe darf er wahrscheinlich außerhalb der Gefängnissmauern verbringen. Bildrechte: dpa

Der verurteilte NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben ist aus der U-Haft entlassen worden. Wie das Oberlandesgericht München mitteilte, wurde der Haftbefehl aufgehoben. Laut Gericht besteht nach dem Urteil von vergangener Woche keine Fluchtgefahr mehr.

Zehn Jahre wegen Beihilfe zum Mord

Das Oberlandesgericht München hatte Wohlleben vergangenen Mittwoch zu zehn Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Er soll die Mordwaffe für das NSU-Trio beschafft haben. Wohlleben hat bereits mehr als sechs Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Die Reststrafe ist laut Oberlandesgericht nun nicht mehr so hoch, dass ein erhöhter Fluchtanreiz bestehe, sollte das Urteil rechtskräftig werden.

"Schallende Ohrfeige" für die Familien der Opfer

Die Entlassung sei "eine schallende Ohrfeige" für die Familien der NSU-Opfer, sagt Doris Dierbach. Sie hat während der vergangenen Jahre die Eltern von Halit Yozgat als Anwältin vertreten. Der damals 21-Jährige wurde in Kassel erschossen. Er war das neunte Opfer des Mordtrios.

Die Familie ist schockiert über diese Entscheidung und hat dafür wenig Verständnis. Das kann man wohl auch nicht anders erwarten. [...] Es ist natürlich schon so, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat und in demokratische Strukturen als Korrektiv solcher Verhaltensweisen massiv erschüttert wird.

Doris Dierbach | Anwältin von Familie Yozgat

Verfassungsschutz warnt vor "Held in der Szene"

Wohlleben plant angeblich nach Sachsen-Anhalt zu gehen. Dort soll sich seine Familie aufhalten. Derzeit wird zwischen verschiedenen Verfassungsschutzämtern die Überwachung von Wohlleben koordiniert. Außerdem wird in der Thüringer Polizei eine entsprechende Gefährdungsanalyse erstellt. Hintergrund sind Informationen, dass Wohlleben möglicherweise bei einem großen Neonazifestival in Thüringen auftreten könnte. Nach einer internen Lageeinschätzung des Verfassungsschutzes könnte Wohlleben nach seiner Verurteilung im NSU-Prozess zu einer Helden-Ikone der rechtsextremen Szene in Deutschland werden.

Er ist ein Held in der Szene. Er hat stets geschwiegen. Wir werden aber ein besonderes Auge auf ihn haben.

Stephan Kramer | Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Juli 2018 | 17:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2018, 21:16 Uhr

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