Eine auf den Gehweg gesprühte Internetadresse "offener-prozess.de" vor dem ehemaligen NSU-Haus in Zwickau-Weißenborn.
Vom Mehrfamilienhaus in Zwickau, in dem das NSU-Trio um Beate Zschäpe im Untergrund lebte, ist nichts mehr zu sehen. Nach einer Explosion 2011, die Zschäpe verursacht hatte, musste es abgerissen werden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Reaktionen auf Gerichtsurteil Anwohner in Zwickau erleichtert über NSU-Urteil gegen Zschäpe

Wegen zehnfachen Mordes hat Beate Zschäpe die Höchststrafe bekommen: lebenslange Haft. Das Urteil hat das Oberlandesgericht München im NSU-Prozess gefällt. Reaktionen dazu aus Zwickau, wo Zschäpe dreieinhalb Jahre lang mit Komplizen lebte und ein Mehrfamilienhaus in die Luft sprengte.

Eine auf den Gehweg gesprühte Internetadresse "offener-prozess.de" vor dem ehemaligen NSU-Haus in Zwickau-Weißenborn.
Vom Mehrfamilienhaus in Zwickau, in dem das NSU-Trio um Beate Zschäpe im Untergrund lebte, ist nichts mehr zu sehen. Nach einer Explosion 2011, die Zschäpe verursacht hatte, musste es abgerissen werden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Das Urteil gegen Beate Zschäpe und weitere Angehörige der rechtsextremistischen Szene im Münchner NSU-Prozess ist in Zwickau positiv aufgenommen worden. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß sagte in einer Gedenkveranstaltung im Zwickauer Rathaus, das Urteil habe ihr Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat bestärkt. Beim Kampf gegen Rechts reiche es aber nicht aus, "dass wir uns darüber verständigen, wogegen wird sind. Mindestens ebenso wichtig ist, ein gemeinsames Ziel zu haben." Denn eine demokratische und lebenswerte Gesellschaft entstehe nicht von selbst und sie sei stets angreifbar. Auch wenn jetzt ein Urteil gefallen sei, blieben noch viele Fragen offen, so Findeiß. "Welche Unterstützer gab es noch, neben denen, die in München auf der Anklagebank saßen?" In dieser Frage dürfe kein Schluss-Strich gezogen werden.

Zwickauer finden Urteil angemessen

Gerhard Müller, ein alter Mann mit Brille, blickt in die Kamera.
Gerhard Müller aus Zwickau Weißenborn findet, Zschäpe habe ein gerechtes Urteil bekommen Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Auch Zwickauer Bürger zeigten sich erleichtert über das Urteil. "Ich bin mit dem Urteil zufrieden und finde gut, dass sie so hart bestraft wurde", sagte Anwohner Gerhard Müller MDR SACHSEN. Der 92-Jährige lebt in der Siedlung, in der Beate Zschäpe im November 2011 ihr Wohnhaus in Brand setzte, um Beweismitel zu vernichten. Etwa dreieinhalb Jahre lang hatte sie mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Zwickau-Weißenborn gelebt. Dennoch glaubt Müller, dass noch nicht alle Schuldigen gefasst wurden. "Diese Straftaten haben doch nicht nur die Drei begangen. Die wirklich Schuldigen saßen wahrscheinlich gar nicht auf der Anklagebank."

Das Urteil ist ein Zeichen, dass solche rechten Straftaten nicht geduldet werden.

Gerhard Müller Anwohner in Zwickau-Weißenborn

Ein anderer Nachbar, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben wollte, sagte dem MDR-Reporter, er habe nicht gedacht, "dass Beate Zschäpe so hart bestraft wird". Gleichzeitig atmete der Mann auf. "Jetzt wo der Prozess vorbei ist, zieht hoffentlich wieder Ruhe ein." Der Zwickauer hatte Zschäpe bis zur Verhaftung 2011 gelegentlich als Nachbarin gegrüßt und sie beim Wäsche aufhängen gesehen. "Ich glaube nicht, dass sie von den Straftaten gewusst hat. Ich trau' der das nicht zu." Sie habe immer so einen normalen, harmlosen Eindruck auf ihn gemacht.

Eine Frau vor der Sparkassenfiliale in Zwickau-Eckersbach betrachtet ein auf den Gehweg gesprühtes Zeichen.
An der Sparkassenfiliale, die 2006 wahrscheinlich von Uwe Böhnhardt überfallen wurde, brachte ein Bürgerbündnis Graffitis auf dem Gehweg an. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Auch an der Sparkassenfiliale in Zwickau-Eckersbach, die 2006 mutmaßlich von Böhnhardt überfallen worden war, sprachen die Kunden am Mittwoch über das NSU-Urteil. "Das Urteil ist okay - auch, dass sie lebenslang bekommen hat", sagte Dietmar Münch MDR SACHSEN.

Quelle: MDR/mwa/kk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 11.07.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2018, 16:21 Uhr