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Nach zwei Jahren Pause ist die Vorfreude auf das diesjährige Oktoberfest groß. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Ralph Peters

Nach zwei Jahren PauseOktoberfest trotz Corona - Begründete Sorgen vor der Wiesn?

Stand: 25. August 2022, 11:03 Uhr

Nach zwei Jahren coronabedingter Pause ist die Vorfreude auf das diesjährige Oktoberfest besonders groß. In den Jahren zuvor waren rund sechs Millionen Besucher aus dem In- und Ausland auf der Wiesn zu Gast. Für Manchen durchaus auch Anlass zur Sorge: Wird das größte deutsche Volksfest zu einem Superspreader-Event - und wie kann man sich davor schützen?

In vier Wochen geht es los. Am 17. September wird Deutschlands größtes Volksfest eröffnet: das Münchner Oktoberfest. Nach zwei Jahren Pause ist die Vorfreude bei Fans der Veranstaltung groß. Auch aus dem Ausland werden zahlreiche Besucher erwartet. Überstanden ist die Corona-Pandemie noch immer nicht. Volksfeste wie das Bergfest in Erlangen und die Bierwoche im oberfränkischen Kulmbach haben gezeigt: Corona feiert mit. Dort, wo viele Menschen zusammenkamen, stiegen im Nachgang die Fallzahlen.

Kein Zweifel am Anstieg der Infektionszahlen

Dass es durch das Oktoberfest einen Anstieg der Infektionszahlen geben wird, bezweifelt kaum jemand. Millionen Gäste teils aus fernen Ländern werden in München zur Wiesn erwartet - Ansteckungen sind vorprogrammiert. "Natürlich wird es dazu führen, dass eine Erhöhung der Fallzahlen auftreten wird", sagt Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Uni München. Eine Zunahme der Erkrankungsfälle nach lokalen Ereignissen sei sehr gut dokumentiert, so Bogner weiter.

Abstand halten? Auf der Wiesn ein Ding der Unmöglichkeit. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Ralph Peters

Rückkehr zum normalen Leben

Trotz der absehbaren Wiesn-Welle sehen Mediziner keinen Grund, das größte Volksfest der Welt abzusagen, das wegen seiner Internationalität noch eine größere Verbreitungswirkung haben könnte. "Wenn man sich für die Wiesn entscheidet, muss man ein gewisses Infektionsrisiko in Kauf nehmen", sagte Ulrike Protzer, Leiterin der Virologie an der TU und am Helmholtz-Zentrum München. "Eines Tages muss man zum normalen Leben zurückkehren, und das geht mittlerweile auch, wenn man dabei vernünftig ist."

Experten erwarten "kein Katastrophen-Szenario"

Hinzu kommt, dass die Krankheits-Schwere durch die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 geringer ist als in den Jahren zuvor. "Das ist eine komplett andere Erkrankung als die Wuhan-Erkrankung und die Alpha- und Delta-Erkrankung. Die Omikron-Erkrankung, mit der wir es jetzt zu tun haben, hat ganz erheblich an krankmachender Kraft verloren", sagt Bogner. Zudem gebe es durch überstandene Infektionen und Impfungen bei vielen eine gute Immunitätslage. "Deshalb wird zwar die Krankheitszahl hoch sein nach der Wiesn, aber es wird kein Katastrophenszenario geben."

Wegen der Omikron-Subtypen erwarten Exerten kein Katastrophen-Szenario nach der Wiesn. (Symboldbild) Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Abstand halten und Maske? Auf dem Oktoberfest wohl eher keine Option. Spätestens bei Maß und Weißwurst wird der Mund-Nasen-Schutz zum Problem. Ganz zu schweigen vom Bussi. Und wo sich Tausende Menschen tummeln, sind 1,50 Meter Abstand eine Illusion.

Auffrischungs-Impfung vorm Wiesn-Besuch?

Christoph Spinner, Pandemie-Beauftragter der TU München, und auch der Berliner Epidemiologe Timo Ulrichs raten Wiesn-Besuchern zu einer Auffrischungsimpfung. Außerdem sollten sich die Oktoberfest-Besucher anschließend testen, um eine mögliche Infektion nicht unbemerkt weiterzutragen.

Dass der Booster einen Nutzeffekt hat, steht für Spinner außer Frage: "Die Optimierung des Impfschutzes, beispielsweise durch einen zweiten Booster zwei bis vier Wochen vor der Wiesn, kann das Infektionsrisiko noch einmal merklich senken."

Ein zweiter Booster für einen unbeschwerten Wiesn-Besuch? Dazu rät der Pandemie-Beauftragte der TU München. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / McPHOTO

Wie sinnvoll ist der zweite Booster?

Wie sinnvoll ein weitere Booster wäre, darüber diskutieren Experten seit Wochen. Aktuell empfiehlt die Ständige Impfkommission den zweiten Booster nur für Risikogruppen und Menschen ab 70 Jahren. Auf EU-Ebene wird die Auffrischung allen Menschen ab 60 Jahre und sogenannten Risikogruppen fürs das Coronavirus empfohlen.


(BRISANT/dpa/afp/spiegel/br)

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