Coronavirus BA.2.75 - Wie gefährlich ist die neue Omikron-Subvariante?

Viren entwickeln sich ständig weiter. Auch beim Coronavirus entstehen immer wieder neue Varianten, die sich aufgrund anderer Eigenschaften möglicherweise gegen ihre Vorgänger durchsetzen. Aktuell steht die Omikron-Subvariante BA.2.75 im Fokus der Forschung. Ist die neue Variante ein Grund zur Sorge?

Mundschutz liegt zwischen Löwenzahnblumen.
Von der Omikron-Variante BA.2 gibt es eine neue Subvariante - BA.2.75 Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

BA.2.75 wurde Anfang Juni erstmals in Indien entdeckt. Inzwischen scheint sich die Omikron-Subvariante zu verbreiten. Bestätigte Fälle in anderen Ländern, darunter auch Deutschland, lassen zumindest darauf schließen. Wie gefährlich die Subvariante ist, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. BA.2.75 habe zwar eine Reihe von relevanten Mutationen, sei aber bislang sehr selten und hauptsächlich in Indien beobachtet worden, sagt Virus-Experte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Er gibt aber auch zu bedenken, dass es durchaus möglich sei, dass BA.2.75 eine global erfolgreiche Variante werde. Um das mit Sicherheit zu sagen, sei es aber zu früh.

Bislang wenige bestätigte Fälle

Weltweit gebe es nach Angaben von Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien im ZDF etwa 70 Fälle. Die Dunkelziffer sei aber "mit Sicherheit wesentlich höher", so Elling weiter. Ihm zufolge soll es sich bei BA.2.75 um eine Variante zweiter Generation handeln. In diesem Fall um einen Abkömmling der Variante BA.2.

Die Diskussion über BA.2.75 hat in den vergangenen Tagen Fahrt aufgenommen. So hatten Wissenschaftler per Twitter auf die Sublinie hingewiesen und sich über mögliche Folgen der Veränderungen des Virus ausgetauscht. So schrieb zum Beispiel der britische Virologe Tom Peacock, dass der Erreger mehrere Mutationen am sogenannten Spike-Protein aufweise, mit dem das Virus menschliche Zellen entert. Einzeln betrachtet lasse keine der Veränderungen wirklich aufhorchen, aber wenn alle zusammen auftauchten, sei es eine andere Sache.

3D-Darstellung der ultrastrukturellen Morphologie von Coronaviren.
BA.2.75 soll Mutationen am Spike-Protein (rot) aufweisen und so dem Immunschutz möglicherweise besser ausweichen können. Bildrechte: IMAGO / StockTrek Images

Noch stärkerer Immun Escape bei BA.2.75?

Was das bedeutet, erklärt Ulrich Elling im ZDF: "BA.2.75 hat zusätzlich zu den 29 Mutationen, die die BA.2-Linie ohnehin schon im Spike-Protein hat, noch weitere acht Mutationen. Es ist davon auszugehen, dass eine derartige Fülle an neuen Mutationen die Eigenschaften, den Immunschutz zu unterlaufen, weiter verstärken wird." Schon die Subvarianten BA.4 und BA.5 sind dafür bekannt, den Immunschutz bei Geimpften und Genesenen umgehen zu können.

In den Covid-19-Wochenberichten des Robert Koch-Instituts (RKI), in denen auf relevante Virusvarianten eingegangen wird, ist über BA.2.75 bisher nichts zu finden. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird BA.2.75. aktuell nicht als besorgniserregend eingestuft. In Deutschland ist laut RKI-Daten klar BA.5 vorherrschend, die Anteile in Stichproben wuchsen zuletzt von Woche zu Woche.

Impfstoff, Spritze, Impfausweis
In Deutschland ist die Omikron-Subvariante BA.5 aktuell vorherrschend. Bildrechte: IMAGO/Bihlmayerfotografie

Ausbreitung aktuell nicht vorhersagbar

Vorhersagen über die künftige Verbreitung von BA.2.75 sind bislang eher Spekulationen. Das hängt nicht nur vom Virus selbst ab, sondern auch von der Immunität in der Bevölkerung. Und die kann von Land zu Land völlig unterschiedlich sein. Auch Aussagen, ob die Subvariante gefährlicher ist als bisherige Varianten, wären aktuell verfrüht. "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unmöglich", so Elling.


(BRISANT/dpa/zdf)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. Juli 2022 | 17:15 Uhr

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