Impfschutz Wie gut schützen die Corona-Impfstoffe vor Infektion mit Omikron?

Wie gut wirken die vorliegenden Impfstoffe gegen die neue Omikron-Mutante des Coronavirus? Neue Studien deuten auf eine schwächere Antikörper-Antwort gegen die Variante hin. Biontech/Pfizer kündigte einen Omikron-Impfstoff für März an.

Omikron 3D Collage mit Impfdose
Erste Studienergebnisse zeigen eine reduzierte Antikörper-Antwort auf Omikron. Bildrechte: imago images/Alexander Limbach

Seitdem die neue Coronavirus-Mutante namens Omikron bekannt ist und sich ausbreitet, untersuchen Mediziner, wie gefährlich sie ist und ob die Impfungen schützen.

Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte nun erste Labor-Daten zur Wirksamkeit der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gegen Omikron. Fazit: Wenig bis gar kein Schutz gegen eine Infektion.

Die Daten lassen aber keine Aussage zu, ob auch kaum Schutz gegen einen schweren Verlauf besteht. Denn in einem intakten Immunsystem sind nicht nur Antikörper, sondern auch T-Zellen, die "Gedächtniszellen" aktiv. Darauf macht auch Ciesek aufmerksam.

Geringerer Impfschutz gegen Omikron?

Die Forscher in Frankfurt haben Impfstoffe auf ihre Fähigkeit hin untersucht, das Omikron-Virus zu "neutralisieren". Drei Monate nach einer Booster-Impfung mit Biontech lag der Antikörper-Effekt bei nur 25 Prozent - im Vergleich zu 95 Prozent bei der Delta-Variante.

Bei einer sechs Monate zurückliegenden zweifachen Impfung mit Biontech, Moderna sowie einer Kreuzimpfung von AstraZeneca/Biontech war eine Antikörper-Antwort nicht mehr messbar. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", twitterte Ciesek. Die Daten sind bislang weder von Fachkollegen begutachtet noch in einem Fachmagazin veröffentlicht.

Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist.

Sandra Ciesek Twitter

Eine Spritze wird aufgezogen
Impfen wirkt noch immer gegen einen schweren Verlauf von Covid-19. Bildrechte: imago images/Einsatz-Report24

Biontech plant Impfstoff für März

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer ist eigenen Studiendaten zufolge nach zwei Dosen tatsächlich geringer wirksam gegen Omikron. Drei Dosen des Impfstoffs konnten hingegen das Virus neutralisieren. Der Hersteller kündigte einen angepassten Impfstoff für März 2022 an.

"Diese ersten Daten lassen darauf schließen, dass eine Auffrischungsimpfung immer noch einen ausreichenden Schutz gegen eine durch die Omikron-Variante ausgelöste Erkrankung jeglicher Schwere bieten kann", sagte Biontech-Chef Uğur Şahin.

Studie aus Afrika: Biontech-Impfstoff wirkt teilweise

Ähnliche Daten hatte bereits das Africa Health Research Institut in Südafrika vorgelegt. Auch dort legen die Ergebnisse nahe, dass Omikron zumindest dem untersuchten Impfstoff von Biontech/Pfizer "entkommt". Im Labor wurde ein 41-facher Rückgang der neutralisierenden Antikörper gegen die Variante beobachtet.

Allerdings konnte das Blut von fünf der sechs geimpften und zuvor mit Covid-19 infizierten Personen die Omikron-Variante noch immer neutralisieren. Ob die geringe Zahl an Probanden aussagekräftig ist, sei dahingestellt. Auch diese Ergebnisse sind noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.

Zwei Frauen sitzen mit Kindern auf einer Sitzgelegenheit und ruhen sich aus.
In Südafrika breitet sich die Omikron-Variante besoders schnell aus - dort sind wenige Menschen geimpft. Bildrechte: dpa

Was sagen Fauci, Drosten und Kekulé?

Anthony Fauci Experte für Infektionskrankheiten in den USA, hält Omikron zwar für ansteckender als andere Mutanten, aber auch für weniger schwerwiegend. Beobachtungen aus Südafrika deuten darauf hin, dass sich zwar mehr Menschen mit Omikron anstecken, aber wenige einen schweren Krankheitsverlauf haben.

Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, warnte hingegen, Omikron für Ungeimpfte zu verharmlosen. "Es sieht nicht gut aus, für zweifach Geimpfte. Dritte Dosis ist nötig", schrieb er auf Twitter. "Das Deltavirus ist unser Problem bis in den Januar rein, das Omikronvirus ist unser Problem bis Sommer", sagte Drosten in dem NDR-Podcast Das Coronavirus-Update.

Der Virologe Alexander Kekulé hält es für möglich, dass die Coronavirus-Variante Omikron in Deutschland eine fünfte Welle auslöst. Kekulé sagte MDR AKTUELL, es gebe zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse dazu, ob Omikron ansteckender sei, aber anders als andere Varianten sei es besonders gut in der Lage, das Immunsystem zu überlisten.

Schon länger ist nachgewiesen, dass sich auch Geimpfte mit dem Coronavirus infizieren können. Allerdings führt Covid-19 dann nur in einem Bruchteil der Fälle zu schwerer Erkrankung oder Tod.

Quelle: dpa/ZDF/MDR/Tagesschau

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Dezember 2021 | 17:15 Uhr

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