ProminentRatgeberPodcastRedaktionService
Die Omikron-Variante wurde mittlerweile auch in Deutschland nachgewiesen. Bildrechte: Colourbox.de

Immer mehr DetailsCorona - Das ist bisher über die Omikron-Variante bekannt

Stand: 30. November 2021, 13:15 Uhr

Seit dem Auftreten der Delta-Variante hat keine neue Variante des Coronavirus so große Besorgnis ausgelöst wie Omikron. Bislang ist nur wenig über die Mutante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 bekannt. Fest steht aber: Sie ist bereits in Deutschland angekommen.

Warum löst Omikron weltweit Beunruhigung aus??

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die neue Variante wegen der großen Zahl an Mutationen als "besorgniserregend" ein. Am Montag (29.11.) stufte sie das weltweite Risiko durch Omikron als "sehr hoch" ein. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden rund 30 Aminosäure-Änderungen im Spike-Protein festgestellt, aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist.

Von bislang aufgetretenen Varianten ist bekannt, dass bestimmte Mutationen zu einer höheren Übertragbarkeit und einer reduzierten Wirksamkeit der Impfstoffe führen. "Hinsichtlich der Genetik ist die neue Variante in der Tat etwas sehr Spezielles, das beunruhigend sein kann", sagt Vincent Enouf vom französischen Institut Pasteur.

Zum anderen rührt die internationale Besorgnis daher, dass die Zahl der Infektionsfälle insgesamt und der auf die neue Variante zurückzuführenden Fälle in der südafrikanischen Provinz Gauteng, wo B.1.1.529 erstmals nachgewiesen wurde, sehr rasch steigt. Zwar warnen Wissenschaftler vor Panikmache, die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält das Risiko einer Ausbreitung in der EU aber für "hoch bis sehr hoch".

Ist Omikron gefährlicher als Delta??

Das ist noch unklar. Bisher dominiert die Delta-Variante das Infektionsgeschehen in den meisten Ländern, darunter Deutschland. Doch ist Omikron auch hierzulande bereits angekommen: In Hessen wurde ein Fall bestätigt, in Bayern gibt es drei hochgradige Verdachtsfälle. Auch aus den nordrhein-westfälischen Städten Düsseldorf und Essen wurden zwei Verdachtsfälle gemeldet.

Die in den vergangenen Monaten aufgetretenen Varianten wie Mu oder Lambda konnten Delta den Rang nicht ablaufen. Wissenschaftler gingen deshalb davon aus, dass die nächste besorgniserregende Variante sich aus Delta entwickeln müsste. Tatsächlich ist Omikron laut dem RKI jedoch unabhängig von der Delta-Variante entstanden.

Die südafrikanische Ärztin Angelique Coetzee sieht Anzeichen, dass eine Omikron-Infektion nur zu leichten Symptomen führt. Bei der Untersuchung von rund 30 Patienten in Pretoria habe sie zwar ungewohnte, aber nur milde Symptome festgestellt, sagte sie. Die meisten Infizierten seien Männer unter 40 Jahren gewesen. Sie hätten vor allem unter "extremer Müdigkeit" gelitten. Alle hätten sich wieder erholt, ohne ins Krankenhaus zu müssen.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält einen leichteren Krankheitsverlauf für "denkbar". Er mahnte aber zur Vorsicht, da Südafrika eine sehr junge Bevölkerung hat, während Deutschland das Land mit der ältesten Bevölkerung in Europa mit vielen chronisch Kranken sei. Später warnte Lauterbach, dass Viren bei der Mutation immer ansteckender, aber weniger gefährlich würden, sei "leider Wunschdenken". Ein Todesfall im Zusammenhang mit einer Omikron-Infektion wurde laut WHO bislang nicht festgestellt.

Lässt sich die Ausbreitung verhindern?

Weniger als 24 Stunden nach Bekanntwerden der neuen Variante stellten eine ganze Reihe von Ländern den Flugverkehr mit den Staaten des südlichen Afrika ein. Aus Sicht von Enouf kam dieser Schritt "fast schon zu spät". Tatsächlich wurden aus mehreren Ländern weltweit bereits die ersten Fälle gemeldet. In Amsterdam landeten am Freitag 600 Menschen aus Südafrika, von denen 61 positiv auf Corona getestet wurden. 13 Personen haben sich davon mit der Omikron-Variante infiziert.

Experten kritisieren die Einschränkungen des Flugverkehrs indes als stigmatisierend für afrikanische Länder und warnen, dass andere Länder künftig das Auftreten neuer Varianten geheimhalten könnten. Auch die WHO riet von Reisebeschränkungen wegen der neuen Coronavirus-Variante ab. Südafrika beklagte auch eine "Bestrafung" des Landes durch die Reiseverbote. Die USA lobten das Land derweil für seine "Transparenz" gegenüber dem Rest der Welt.

Erkennen Corona-Tests die neue Omikron-Variante?

Nachweisen lassen sich Infektionen mit der Omikron-Variante mit den bestehenden PCR-Tests, wie die WHO bestätigte. Die Aussagekraft anderer bestehender Testformen wie des Antigen-Schnelltests müsse aber weiter untersucht werden. Wie die Virologin Sandra Ciesek bei Twitter mitteilte, würden die Antigentests von Roche, Siemens und Flowflex positive Coronafälle bei Omikron nachweisen.

Helfen die verfügbaren Impfstoffe gegen Omikron?

Die Vermutung liegt nahe, dass die neue Variante die Wirksamkeit der Vakzine beeinträchtigt, mit Sicherheit sagen lässt es sich aber noch nicht. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Und aus seiner Sicht ist es "noch besser, wenn man geboostert ist."

Auch Lauterbach geht davon aus, dass die Impfung auch bei Omikron schwere Erkrankungen verhindert. Der Booster schütze "wahrscheinlich voll". Deutlich skeptischer äußerte sich der Epidemiologe Timo Ulrichs. Die deutlich stärkeren Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Virus "könnten das Potential haben, die bestehende Immunisierung der bisher verwendeten Impfstoffe zu umgehen", sagte er.

Auch der Chef des US-Impfstoffherstellers Moderna, Stephane Bancel, befürchtet eine stark eingeschränkte Wirksamkeit der existierenden Impfstoffe gegen die Omikron-Variante des Coronavirus. Wegen der vielen Mutationen der Variante gingen Wissenschaftler von einer "erheblichen Abnahme" der Schutzwirkung aus, sagte Bancel der "Financial Times" vom Dienstag (30.11.). "Alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sagen: 'Das wird nicht gut sein'", so Bacel weiter. Sein Unternehmen habe bereits mit der Arbeit an einem überarbeiteten Impfstoff begonnen, aber dies werde einige Monate dauern.

Auch Biontech hat bereits eine Prüfung seines Vakzins eingeleitet und will es gegebenenfalls anpassen. Erste Ergebnisse sollen demnach in wenigen Wochen vorliegen.

(BRISANT/dpa/afp)

Zum Thema

Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 29. November 2021 | 17:15 Uhr