Selbsttest Wie funktioniert der Online-Coronatest?

Ungeimpfte müssen überall, wo 3G gilt, einen negativen Coronatest vorzeigen. Mehrere Portale bieten einen Online-Test an - das Zertifikat kommt per Mail. Doch wie funktioniert das und sind die Anbieter seriös?

Ein Mann träufelt eine Lösung auf eine Testkassette, die von Covid-19 verursachte Antigene nachweisen kann (gestellte Szene)
Am Arbeitsplatz gilt jetzt 3G. Den Schnelltest kann man auch online zertifizieren lassen. Bildrechte: dpa

Wer auf dem Land wohnt oder wenig Zeit hat, kann auch einen Online-Test machen - das Zertifikat kommt per Mail. Mehrere Webseiten und Apps bieten diese Dienste an. Die Kosten liegen bei 2 bis 20 Euro - das Testkit ist aber nicht immer inklusive. Kaufen muss man ihn dann trotzdem im Laden. Bezahlt wird die Online-Dienstleistung mit Kreditkarte oder PayPal.

So funktioniert der Online-Schnelltest

Entweder man filmt sich mit der Handykamera selber dabei, wie man den Test live und ordnungsgemäß durchführt oder bucht einen Videochat vor der PC-Kamera. Bei beidem beobachtet - so hofft man - medizinisch geschultes Personal den Ablauf. Am Ende kommt das Zertifikat per Mail.

Wer sich über eine App testen lassen möchte, muss sich vorher verifizieren lassen: Personalausweis fotografieren und mit Selfie und allen relevanten Daten zur Person einschicken. Auch bei browserbasierten Anbietern müssen sich die Tester registrieren und per Web-ID mit Personalausweis authentifizieren. 

Der Testende öffnet die App oder einen Link und erhält eine ID oder einen Code, mit dem man die Testkassette markieren und erneut abfotografieren oder vorzeigen muss, um gewährleisten zu können, dass es auch wirklich um diesen vorliegenden Test handelt. Das "Fachpersonal"überprüft, ob der Test positiv oder negativ ausfällt und fertigt das entsprechende Zertifikat an.

Sendungsbild
Per Kamera am Smartphone oder Laptop muss der Online-Test festgehalten werden. Bildrechte: MDR

Was man beachten sollte

Die Bürgertests sind kostenlos - da sind 20 Euro für einen Schnelltest, der nur 24 Stunden gültig ist, recht teuer. Außerdem empfiehlt sich für App-Kunden ein Stativ während der Ausführung. Denn die Testkassette muss immer im Bild sein, sonst könnte sie ausgetauscht werden.

Zudem hakt es bei den Apps noch an der technischen Umsetzung, denn die Programme sind fehleranfällig, stürzen ab oder können nicht auf die Kamera zugreifen. Auch ist das Zertifikat oft nicht an die Corona-Warn-App gebunden. Der Tester erhält nämlich kein offizielles digitales Covid-Testzertifikat, sondern lediglich einen Eintrag im Kontakttagebuch.

Negativer Antigen Schnelltest
Schnell mal daheim den Test zertifizieren lassen - das versprechen mehrere Anbieter im Internet. Bildrechte: IMAGO / Michael Weber

Online-Tests werden nicht anerkannt

Nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums gehen die Zertifikate der Anbieter nicht als offizielle Zertifikate durch. Arbeitgeber dürfen diese vermeintlichen Nachweise also nicht akzeptieren. Denn die Selbsttests müssen unter Beobachtung durchgeführt werden - ein Videochat gehört leider nicht dazu. Eine reine Richtlinie ist aber noch lange kein Gesetz. Nur Baden-Württemberg erkennt bislang generell die Zertifikate von Online-Schnelltests nicht an.

Testnachweise im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung, die in Deutschland im Rahmen von impf-, genesenen- oder testnachweisbezogenen Schutzkonzepten (sogenannte 3G-Konzepte) verwendet werden sollen, dürfen nicht auf einer bloßen videoüberwachten Selbsttestung beruhen.

Bundesgesundheitsministerium

Wenn man sich allerdings im Ausland online testet und dann einreist, wird der Nachweis anerkannt. "Im Ausland ausgestellte Testnachweise werden bei der Einreise nach Deutschland als Testnachweis anerkannt, wenn die zugrundeliegende Testung von einer nach dem Recht des jeweiligen Staates befugten Stelle vorgenommen oder überwacht wurde", so das Bundesgesundheitsministerium.

Unseriös: Test-Express und dransay

Ins Visier der Polizei gerieten kürzlich die Anbieter "Test-Express" und "dransay".

"Test-Express" bot laut Recherchen von tagesschau Corona-Testbescheinigungen im Namen eines Arztes an. Dieser erklärte jedoch, nicht für die Firma tätig zu sein. Zudem kann sich jeder nach einem 10-minütigen Video als "Fachperson" authentifizieren lassen und danach Test-Zertifikate erstellen. Gegen den Betreiber CliniGo GmbH, der weiterhin seine Testate verkauft, wird von verschiedenen Seiten ermittelt.

Der Betreiber der Website, Markus Bönig, machte in einem SWR-Interview keinen Hehl daraus, dass sein Geschäftsmodell in Social Media-Plattformen von Coronaleugnern und Impfgegnern beworben werde.

Hamburg und Bayern akzeptieren die Testzertifikate des Anbieters "dransay.com" nicht. Für das Ausstellen negativer Corona-Testzertifikate genügt dort das Ausfüllen eines Fragebogens, die Durchführung eines Corona-Selbsttests wird nicht überwacht und daher auch nicht vorausgesetzt. Unterschrieben ist das vermeintliche Zertifikat von einer Ärztin, die 2013 in Pension ging. Die Wettbewerbszentrale hat den Anbieter bereits zur Unterlassung aufgefordert.

Quelle: chip.de/Bundesgesundheitsministerium/Tagesschau

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Dezember 2021 | 17:15 Uhr

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