Instagram-Tourismus Diese Orte mussten nach Social-Media-Hypes geschlossen werden

Einzigartige Landschaften und außergewöhnliche Ausblicke ziehen nicht nur gewöhnliche Touristen magisch an, sondern auch immer wieder Influencer, die durch die Gier nach Likes Bilder für Instagram schießen. Das Problem: Treten sie und andere Instagram-Touristen in Scharen auf, hat das negative Auswirkungen auf die Natur. Viele Orte wurden deshalb bereits gesperrt. Auch Proteste gibt es. Ein Überblick.

Touristen machen Fotos an der Maya Bay
Instagram-Hypes locken Influencer und Touristen in Scharen an bisherige Geheimtipps. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Die Gumpen am Königssee sind einer der beliebtesten Hotspots für Fotos in Deutschland. Um Aufnahmen von und in den natürlichen Becken oberhalb des Königssees zu machen, kamen Touristen und Influencer in Massen in den Nationalpark Berchtesgaden in Bayern. Für die Natur war das alles andere als gut, außerdem gab es immer wieder Unfälle beim gefährlichen Aufstieg und beim Baden. Um das zu verhindern und der Natur Zeit zur Erholung zu geben, wurden die Gumpen im Sommer 2021 für mindestens fünf Jahre gesperrt.

Gumpen Königssee
Die Gumpen am Königssee wurden wegen Massentourismus für fünf Jahre gesperrt. Bildrechte: IMAGO / Roland Mühlanger

Die Fjaðrárgljúfur-Schlucht in Island kam 2019 durch Justin Bieber zu Berühmtheit. Nach dem Dreh eines Musikvideos vor Ort strömten die Instagram-Touristen ins Land. Die Menschenmassen und der verursachte Müll veranlassten die Verantwortlichen dazu, den Ort zu sperren.

Schlucht Fjaðrárgljúfur auf Island
Justin Bieber machte die Fjaðrárgljúfur-Schlucht einst zu seiner Kulisse. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Die Geierlay Hängeseilbrücke bei Mörsdorf ist ein absoluter Hotspot für Instagram-Touristen in Deutschland. Dort sorgte der Foto-Hype mit verbundenem Massenandrang im vergangenen Jahr für Probleme. Zwar nicht vordergründig für die Natur sondern in Sachen Corona. Die kleine Gemeinde sah sich nicht mehr im Stande, die Einhaltung der Corona-Regeln zu gewährleisten und sperrte die Brücke ab.

Die Bilder zeigen die Hängeseilbrücke Geierlay bei dem Ort Mörsdorf im Hunsrück.
Bildrechte: IMAGO / Eibner

Das Aescher Wildkirchli in der Schweiz ist ein ganz besonderes Gasthaus. Beinahe einmalig schmiegt es sich an eine Felswand. Es wirkt als würde es aus dem Berg wachsen. Das wollen viele Touristen mit eigenen Augen sehen und strömten in Massen in die Schweiz. Der Andrang war so groß, dass die Betreiber Ende 2018 aufgaben und schlossen. Inzwischen läuft der Betrieb in der Berghütte wieder - allerdings stark reglementiert von einer Eventagentur.

Aescher Berghütte am Alpstein
Die Berghütte im Berg - Das ist die Aescher Wildkirchli in der Schweiz. Bildrechte: IMAGO / IP3press

Der bayerische EIbsee und der Staffelsee sind zwei Foto-Hotspots in Deutschland. Der Massentourismus hat sich zum Problem für die dort heimischen Wasservögel entwickelt. Wegen des "zunehmenden Freizeitdrucks" hat das Landratsamt 2021 eine "Verordnung zur Beschränkung des wasserrechtlichen Gemeingebrauchs" erlassen.

Insel im Eibsee bei Grainau, unterhalb der Zugspitze
Der Eibsee leidet unter dem zunehmenden Instagram-Tourismus. Bildrechte: IMAGO / alimdi

Der atemberaubende Ausblick von Roy's Peak in Wanaka in Neuseeland sorgte für massenhaften Andrang. Auf dem Trail zum Gipfel bilden sich regelmäßig endlose Schlangen - für die Natur ist das alles andere als gut. Vor Ort gibt es eine Kampagne gegen die Fotowütigen.

Roys Peak in Wanaka
Roy's Peak bietet einen atemberaubenden Blick, was Touristen in Scharenb anlockt. Bildrechte: IMAGO / Design Pics Editorial

Die Maya Bay auf der thailändischen Insel Ko Phi Phi Le kam im Jahr 2000 durch den Film "The Beach" mit Leonardo DiCaprio zu weltweiter Berühmtheit. Die Folge: Touristen drängten sich in Massen über den einst idyllischen Strand. Socia-Media-Hypes bei Instagram verstärken den Andrang noch einmal. Das hatte zur Folge, dass die Bucht 2018 für Besucher geschlossen wurde. Seit 2022 ist wieder geöffnet, allerdings nur für eine stark begrenzte Anzahl von Besuchern.

Maya Bay auf Koh Phi Phi
Die Maya Bay ist einer der Foto-Hotspots weltweit. Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Ein weiteres Gebiet, das so sehr von Touristen und Influencern überlaufen wurde, ist der Walker Canyon in Kalifornien. Der zeichnete sich durch eine unvergleichliche Blütenpracht aus, doch die fotografierenden Massen machten das zunichte. Um dem Gebiet nach dem Niedertrampeln des Blütenmeers Zeit zu geben, sich zu erholen, wurde es völlig für den Tourismus gesperrt. Es wurde sogar ein Livestream eingerichtet, um die Menschen davon abzuhalten, selbst zu kommen.

Walker Canyon
Der Walker Canyon bietet Blumen so weit das Auge reicht. Bildrechte: imago images/UIG

Fotos in niederländischen Tulpenbeeten sind bei Touristen sehr beliebt. Der Andrang war häufig so groß, dass in den Niederlanden schon Beete abgesperrt werden mussten. Inzwischen gibt es einen eigenen Selfie-Guide auf der offiziellen Tourismus-Webseite, um Touristen und Influencern einen vernünftigen Umgang mit den Beeten zu zeigen. Kern des Ganzen: Die Beete nicht betreten. Auch in der Stadt Jüchen im Rheinland gibt es Tulpenfelder – und somit auch Instagram-Touristen. Wegen des Besucheransturms im vergangenen Frühjahr ließ die Stadt die Felder von eigens dafür abbestellten Ordnungskräften bewachen.

Tulpen aus den Niederlanden
Tulpen sind in den Niederlanden beliebte Fotomotive. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

BRISANT

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... werden 7 Stunden neues Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Das entspricht 420 Stunden in einer Minute. Auf YouTube wird pro Tag mehr Videomaterial als auf Netflix und Facebook zusammen angeschaut. Deutsche schauen durchschnittlich 11 Minuten pro Tag. Bildrechte: Colourbox.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2022 | 17:15 Uhr

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