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Wann ist ein Ende der Corona-Pandemie in Sicht? Bildrechte: IMAGO / Michael Weber

PrognosenLauterbach stellt Lockerungen in Aussicht - Wann ist die Corona-Pandemie vorbei?

Stand: 09. Februar 2022, 11:40 Uhr

Nach gut zwei Jahren Corona-Pandemie haben viele Menschen die Nase voll von Einschränkungen, Maskenpflicht und Impf-Diskussionen. Haben wir den an den Nerven zehrenden Ausnahmezustand im Sommer 2022 endlich hinter uns gelassen? Einige Virologen halten das für wahrscheinlich, fürchten jedoch, dass Impfverweigerer den Prozess verzögern könnten. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach bleibt vorsichtig, stellte jetzt aber zumindest Lockerungen in Aussicht.

Endlich wieder ohne Maske unterwegs sein, unbeschwert ausgehen und reisen? Die Sehnsucht nach einem Ende der Corona-Pandemie ist groß. Und tatsächlich geben die aktuellsten Prognosen einiger Virologen Grund zur Hoffnung. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach stellte jetzt baldige Lockerungen in Aussicht.

Lauterbach sagte am Sonntag (06.02.) bei Bild TV: "Ich glaube, dass wir deutlich vor Ostern lockern werden." Davon sei er "fest überzeugt". Voraussetzung sei allerdings, dass Mitte Februar wie erwartet die Omikron-Welle ihren Höhepunkt erreicht. "Man darf das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erschossen ist", warnte Lauterbach. Der Gesundheitsminister konnte sich vorstellen, dass auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz über Lockerungen diskutiert wird. Ob es tatsächlich zu Lockerungen kommt, "hängt davon ab, wie wir dann stehen."

Bundesgesundheiutsminister Karl Lauterbach stellte unter bestimmten Voraussetzungen Lockerungen in Aussicht. (Archiv) Bildrechte: dpa

In der Debatte über Lockerungen von Corona-Maßnahmen rückt der 19. März in den Fokus: Politiker der Ampel-Parteien halten es für möglich, dass Maßnahmen dann komplett wegfallen könnten. "Wir werden uns in den nächsten Wochen in aller Ruhe anschauen, ob eine Verlängerung der Corona-Schutzmaßnahmen über den 19. März hinaus überhaupt notwendig ist", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner.

Wie es nach diesem Datum weitergehe, werde das Parlament verantwortungsvoll abwägen, so Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Johannes Vogel. Was sagen Experten zu einem möglichen Ende der Pandemie?

Virologe Klaus Stöhr: Erst die Impfung, dann die Infektion

Virologe Klaus Stöhr, der 15 Jahre für die WHO tätig war, sieht das Ende der Corona-Pandemie in gar nicht so weiter Ferne. Die Pandemie-Situation ist aus seiner Sicht beendet, wenn die Auswirkungen einer Corona-Infektion mit zum Beispiel denen einer Grippe vergleichbar seien.

Und genau das ist - zumindest bei geimpften Menschen - in den meisten Fällen einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus bereits der Fall. Vor allem wer geimpft sei und sich danach infiziere, habe einen lang anhaltenden Immunschutz, meint Stöhr.

Der beste Weg aus der Pandemie wäre: sich erst impfen lassen und sich dann infizieren.

Klaus Stöhr | AFP

Werden Corona-Einschränkungen ab Sommer nicht mehr nötig sein? Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Aber: Gefahr für Ungeimpfte dauert an

Bis zu einem möglichen Pandemie-Ende könnten sich allerdings noch ungeimpfte Menschen infizieren. Vor allem für solche, die 60 Jahre oder älter sind, könnte das gefährlich sein. Diese Personen sollten sich daher dringend impfen beziehungsweise boostern lassen, so Stöhr.

Nach Einschätzung des Virologen werde auch im kommenden Winter eine weitere Corona-Impfung nötig sein - zumindest für ältere Menschen.

Prof. Christian Drosten: Ende des Jahres ist die Endemie erreicht

Ähnlich bewertet Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, die aktuelle Corona-Situation. "Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da", erklärte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, und Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 14. Januar.

Da man jedoch nicht dauerhaft alle Menschen in kurzen Abständen immer wieder nachimpfen könne, müsse man es irgendwann dem Virus überlassen, die Immunität der Menschen zu updaten.

Endemie/Pandemie - was ist was?Unter einer Pandemie versteht man eine sich weit ausbreitende, ganze Landstriche bzw. Länder erfassende Seuche. Unter einer Endemie das örtlich begrenztes Auftreten einer Infektionskrankheit.

Christian Drosten, Lothar Wieler und Karl Lauterbach während ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am 14. Januar. Bildrechte: imago images/Jens Schicke

Pandemie-Ende kann sich durch Impfverweigerer verzögern

Ob das in Deutschland bereits möglich ist, wagt der Charité-Virologe allerdings zu bezweifeln. Der Grund: die zahlreichen Impfgegner und -verweigerer. Durch sie könne sich die erhoffte Wende von der Pandemie zur Endemie weiter hinauszögern.

Lauterbach wirbt deshalb weiter für die allgemeine Impfpflicht: "Wenn wir im Herbst tatsächlich eine Impfpflicht bekämen, dann glaube ich, ist der Spuk weitestgehend vorbei, weil wir damit die Impflücken geschlossen bekommen." Der Minister machte deutlich, dass dies nur für eine Impfpflicht für alle Erwachsenen ab 18 Jahren gelte: "Wenn wir eine Impfpflicht machen ab 50 oder für jeden Zweiten, dann haben wir nachher eine Riesendebatte um eine Impfpflicht gehabt, aber das Problem ist noch immer nicht gelöst." In der Gruppe der 18- bis 50-Jährigen seien viele, die auch schwer erkranken könnten und die geschützt werden müssten.

Pandemie-Ende in zwei Monaten: Optimistische Stimmen aus Dänemark

Positiver bewertet die dänische Epidemiologin Tyra Grove Krause die aktuelle Situation. Sie glaubt, dass die Corona-Pandemie bereits in zwei Monaten vorbei sein könnte. Dabei stützt sich die Expertin auf eine Studie, der zufolge die Omikron-Variante nur zu etwa halb so vielen Hospitalisierungen führt wie die Delta-Variante.

Ähnlich wie Stöhr und Drosten glaubt auch Tyra Grove Krause, dass durch die sich schnell ausbreitende Omikron-Variante bei vielen Menschen eine starke Immunität aufgebaut werde - durch Impfung und Infektion, also die sogenannte hybride Immunität.

Einer dänischen Virologin zufolge könnte die Corona-Pandemie bereits in zwei Monaten überstanden sein. Bildrechte: IMAGO / Ralph Peters

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